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MIA. - Biste Mode

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Artist MIA.
Title Biste Mode
Homepage MIA.
Label WE LOVE MUSIC/ UNIVERSAL
Leserbewertung
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7.7/10 (3 Bewertungen)

Wie das immer so ist, fangen Fans der ersten Stunde an zu nörgeln, wenn „Ihre“ Band sich verändert, ein bisschen angepasster/ runder wird und dadurch auch mal schnell im sogenannten „Mainstream“ landet. So geschehen, als MIA. „damals“ das Album „Zirkus“ hervorbrachten. Es folgte mit „Willkommen im Club“ ein ebenso „poppiges“ Album, was nicht mehr so richtig viel mit dem Elektro-Pop der ersten Stunden zu tun hatte. Ich persönlich bin ein großer Fan dieses eigenwilligen Elektro-Pops und der ersten beiden Werke „Hieb und Stichfest“/ „stille Post“, aber ich mochte auch die Nachfolger, die zwar anders waren, für mich aber dennoch etwas Besonderes mit eigenem Stil. 2012 erschien dann mit „Tacheles“ das fünfte Studioalbum, welches durchaus ein paar nette Hits an Board hatte. „Auf Strecke“ konnte sich das Album dann allerdings weder in meinem Player noch in meiner persönlichen Bestenliste durchsetzen. Der typische MIA.-Sound fehlte ein wenig. Aus heutiger Sicht würde ich meinen, das Album wusste damals selbst nicht so genau, was es wollte – ein bisschen weniger „rund“ – aber irgendwie ohne eigenen Charakter.

So war die Hoffnung auf ein richtig tolles und eigenwilliges neues MIA.-Album nicht besonders groß. Das sechste Album der Band war ursprünglich noch für 2014 geplant und angekündigt. Aber wie sie selbst auf ihrer Homepage schrieben, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. So ist es nun erst Mitte 2015 erschienen und das ist auch verdammt gut so: Man hört „Biste Mode“ die Leidenschaft an, die in das Album gesteckt wurde und die MIA. immer ausgezeichnet hat. Sie trauen sich wieder, „Ihr Ding“ zu machen und man denkt keine Sekunde daran, dass es ihnen irgendwie darum gehen könnte, von der Allgemeinheit gemocht zu werden. Der Sound und die Texte sind wieder (fast) so kantig wie in den Anfangsjahren und Mietze krakeelt wieder überdreht ins Mikro, dass es nur so eine Freude ist. Oh man, was freue ich mich darüber, dass eine meiner Lieblingsbands die Eigenschaften vergangener Tage entdeckt hat und diese auf einem Tonträger auslebt. Mit „nein!nein!nein!“ hat Mietze schon mit Ihrer Zeit bei „Deutschland sucht den Superstar“ und Casingshows im allgemeinen abgerechnet. Der Song erschien bereits im vergangenen Herbst auf einer Vorab-EP und findet sich nun auch auf diesem Album wieder. Ein Song, dem man von Beginn an anmerkt, dass er bewusst anecken und polarisieren will. Denn Mietze sagte selbst damals bei der Ankündigung des Songs in einem Interview: „MIA. ist nicht dazu da, zu gefallen, sondern das zu machen, was wir wollen.“ So könnte man meinen, die Zeit bei DSDS hätte Mietze so sehr geprägt, dass sie als Antwort auf diese angepasste Pop-Welt wieder etwas machen wollte, was nicht jedem gefällt. Das hört man beispielsweise auch „United States of Ich & Du“ an. Ein Song, der so rebellisch und politisch ist, wie es MIA. seit „PRO Test“ (Album: Stille Post) nicht mehr waren.

Als Fazit könnte man also behaupten: „back to the roots“, aber das würde diesem großartigen Werk nicht gerecht. Denn es ist mehr als der Elektro-Pop von damals mit neuen Texten. MIA. haben sich seitdem weiter entwickelt und das lassen sie auch ihre Fans hören. Viele Songs auf „Biste Mode“ erinnern ohne Frage an die alten Zeiten, aber der Longplayer ist dennoch nach wie vor sehr vielseitig. „Sekunde“ z.B. erinnert musikalisch und textlich am ehesten an „willkommen im Club“, „Queen“ ein wenig an „Zirkus“ und „Speedo“ vielleicht am ehesten an das Erstlingswerk der Band. Unter dem Strich ist wohl das vielseitigste MIA.-Album ihres Schaffens entstanden und Fans, welche die Berliner aufgrund ihrer Eigenheiten lieben und schätzen, dürften keine andere Wahl haben, als dieses Album in ihr Herz zu schließen. Bei MIA.-Konzerten sind es oftmals die großen Hits der Band gepaart mit den tanzbaren Electro-Pop-Rhythmen, die für die Highlights sorgen. Jetzt gibt es eine große Menge neuen Materials, das förmlich danach schreit, live abgefeiert und betanzt zu werden. Ich jedenfalls bin schon sehr gespannt auf eine hoffentlich folgende Tour! Der Sommer ist gerettet!

Meine (bisherigen) persönlichen Lieblingssongs und Anspieltipps sind: „United States of Ich & Du“, „Nein!Nein!Nein!“, „Speedo“ und der Ohrwurm/ Titeltrack „Biste Mode“.

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