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MIA. - Zirkus

VN:F [1.9.22_1171]
Artist MIA.
Title Zirkus
Homepage MIA.
Label SONYBMG/ RESPECT OR TOLERATE
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.3/10 (9 Bewertungen)

Nie passte SUCH A SURGEs Songtitel so gut wie hier: Gegen den Strom! MIA. konnten zwar mit ihrem vorangegangenen Album „Stille Post“ (verdientermaßen) einige Meriten einfahren, mussten dafür aber in manchen Kreisen auch gehörige Kritik einstecken, vor allem, was spezielle Texte anging. Doch Mieze und Co. ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, tourten ohne Ende und legen nun ein neues Werk vor, das vor selbstbewussten Ecken und Kanten nur so strotzt. Bereits die Vorabsingle „Tanz der Moleküle“ fiel doch einigermaßen sperrig aus, diese merkwürdige Melodieführung, die eigenartigen Xylophon-artigen Klänge, aber mit der der Zeit gewöhnte man sich doch daran. Dennoch hätten sich auf dem Longplayer ein paar deutlich „hittigere“ Stücke angeboten. So sind MIA. nun mal und dafür mögen sie ihre Fans.

Ring frei, Manege auf. Das Quintett präsentiert Menschen, Schicksale und Emotionen neuerdings in einem leicht modifizierten Soundgewand. Der elektronische Anteil wurde doch deutlich zurückgefahren (was mich eigentlich ärgern müsste – Konjunktiv), dafür eine gewisse chansoneske Leichtigkeit entdeckt, welche den Kompositionen wunderbar steht. Man hat nicht mehr das Gefühl, alles Schlechte der Welt laste auf den Hauptstädtern, vielmehr wird es an einigen Stellen sehr intim, ohne in eine peinliche Nabelschau auszuarten. Mit Worten umgehen konnten sie schon immer, und schon immer deutlich besser als die meisten anderen „neuen“ deutschen Singvögel. Da kann man sich fallenlassen, mitfiebern, projizieren. Und abgehen, denn man hat zum Glück einige flotte Titel mit wunderbaren Hooklines auf den Silberling gepackt, insbesondere „Engel“ und das kurz darauffolgende „S.O.S.“ können hier überzeugen. „Dann war das wohl Liebe“ punktet mit französisch anmutendem Charme, „Floss“ wiederum besitzt einen ungewöhnlichen Songaufbau mit perlender Percussion und dezenten Electro Bass Lines, zündet nach ein paar Durchgängen ungemein. Bei „Je dis aime/Ich sag Liebe“ ertönt ein Akkordeon, auch sonst wiederum ein eigenwilliges, unangepasstes Lied. Immer wieder gibt es diese schrägen Momente, die für Langzeitwirkung sorgen und sich wohltuend von all dem glatt gebügelten Radiomüll abheben.

Mag auch die politische Dimension ein wenig verlustig gegangen sein, mit der gar nicht so stillen Einkehr in den inneren Kosmos können MIA. ebenso die Herzen erreichen, den alltäglichen Zirkus der Emotionen versinnbildlichen. Dieses Album ist ein Drahtseilakt ohne doppelten Boden und es stürzt zu keiner Zeit ab. Chapeau für diesen beneidenswerten Drang zur Weiterentwicklung!

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