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MICHAEL BOLTON - One world one love

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Artist MICHAEL BOLTON
Title One world one love
Homepage MICHAEL BOLTON
Label UNIVERSAL MOTOWN RECORDS
Leserbewertung
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9.0/10 (4 Bewertungen)

Schrecklich, wenn einen musikalische Jugendsünden über 20 Jahre später wieder einholen. Ja, ja, ich gebe es zu, in meiner Vinylsammlung gibt es tatsächlich eine Scheibe von MICHAEL BOLTON. Was zumindest 2 Dinge dokumentiert: Der Mann ist schon lange im Geschäft. Und in jedem noch so geerdeten Mädchen, das die Pubertät ohne Pferdeposter an der Wand und ohne jemals einem Jungen das Prädikat „süß“ verpasst zu haben, überstanden hat, schlummert eine gewisse Sehnsucht nach dem Traumprinzen, nach Lagerfeuerromantik, einfach nach dem ganz großen Gefühlskino.

Und auch im Jahr 2010 nach über 52 Mio. verkauften Tonträgern, einem Stern auf dem Walk of Fame und etlichen Awards im Schrank weiß Michael Bolton, was er seinen (weiblichen) Fans schuldig ist. Da reicht schon ein Blick ins Booklet: Fetter Brilli im Ohr, Blendax-Lächeln, leichte Segelbräune, das Hemd lässig bis zum Brusthaaransatz geöffnet und die blonde Mähne – Gott sei Dank! – gestutzt. Nein, dass der Mann wie 56 aussieht, kann man nun wirklich nicht behaupten. Nimmt man die Lyrics unter die Lupe, wird man weder überrascht noch enttäuscht: Herz, Schmerz und dies und das… Zum Glück singt er ja auf Englisch und „I’m a fool“ klingt einfach per se emotionaler als „Ich bin ein Depp“. Eins ist klar, würde er “Murder my heart“, die erste Singleauskopplung seines neuen Albums „One world one love“ auf Deutsch singen, mir würden sich die Fußnägel hochziehen. Bei diesem Song handelt es sich übrigens um eine Kollaboration mit der zum Zeitpunkt des Einspielens noch recht unbekannten LADY GAGA. Womit wir beim musikalischen Aspekt wären und da orientiert sich Bolton nicht nur bei diesem Track deutlich an der jüngeren Konkurrenz zwischen ONE REPUBLIC („The best“) und ENRIQUE IGLESIAS („Can you feel me“), ohne sich hier als großer Bruder im Geiste anzubiedern. Reggae- und Latinorhythmen, stampfende Beats und Vocoder-verzerrter Gesang wechseln ab mit klassischen Pianoballaden und geschmeidigen Gitarrenpopnummern, die obligatorische Cover-Version zitiert diesmal stilsicher TERENCE TREND D’ARBYs „Sign your name“.

Zwischen all der erfrischenden Dynamik bleibt der Soul natürlich nicht auf der Strecke, weshalb auch SEAL- oder ROARCHFORD Anhänger ruhig mal reinhören sollten. Mit heiserzarter Stimme bleibt Michael Bolton auch bei Album Nr. 18 der König des „Blue-eyed Soul“, feinfühlig schmust er sich durch 12 fein am Zeitgeist austarierte Titel, von denen der eine oder andere ein sicherer Anwärter für einen Platz auf der nächsten Kuschelrock-Ausgabe ist.

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