Band Filter

MINOR MAJORITY - Either Way I Think You Know

VN:F [1.9.22_1171]
Artist MINOR MAJORITY
Title Either Way I Think You Know
Homepage MINOR MAJORITY
Label STRANGE WAYS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.0/10 (2 Bewertungen)

Würde man abends zu später Stunde einfach auf gut Glück durch Oslos Straßen streifen und auf der Suche nach einem kühlen Øl (Bier) in einer kleinen urigen Kneipe landen, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dort noch eine kleine unbekannte norwegische Band anzutreffen, die ein paar Lieder zum Besten gibt. Leider kann es sich hierbei nicht um die hier vorgestellten Künstler von MINOR MAJORITY handeln, da sie ständig auf Tour oder anderweitig unterwegs sind. Denn mittlerweile ist aus den Jugendfreunden Pål Angelskår (Sänger und Songwriter) und Jon Arild Stieng (Gitarre) – später kamen auch noch Harald Sommerstad (Klavier), Henrik Harr Widerøe (Bass) und Halvor Høgh Winsnes (Schlagzeug) dazu – eine weltweit bekannte und erfolgreiche Truppe geworden. 2006 spielten sie sogar vor 15 000 Menschen als Vorband von A-HA. Den Charme der netten und nun auch vollkommen erwachsenen Jungs von Nebenan allerdings haben sie beibehalten. Nachdem sie sich Anfang 2009 für längere Zeit zurückgezogen hatten sind sie nun wieder präsent auf der musikalischen Bildfläche des Folk-Rock/ Pop mit ihrem nun fünften Album „Either Way I Think You Know“. Und wir dürfen uns vorstellen, wie wir in der gerade entdeckten Osloer Kneipe sitzen und lassen uns mitreißen in die melancholisch besinnliche Welt der sympathischen Norweger:

Der erste Song „In A Way I Think You Know“ beginnt repräsentativ für die ganze Platte gefühlsvoll ruhig mit Akustikgitarre und eindringlicher Stimme. Repräsentativ deswegen, da Pål in jedem Lied auf sein anscheinend unerschöpfliches Repertoire an Beziehungskamellen zurückgreift. Allerdings singt nicht nur er auf dieser passenden Einführung, sondern auch Karen Jo Fields, eine norwegische Künstlerin. „Song for Sybil“ knüpft klanglich als auch inhaltlich an das Intro an. Wieder die Gitarre, Klavier und auch der Bass. Nur etwas poppiger. Weiter geht es mit „To Let Go (Of That Load)“. Fetzig beginnt es, wobei die Wortwahl hier recht altbacken klingt, aber durchaus der Wahrheit entspricht! Anschließend kommen noch hektisch erklingende Geigen dazu, runden das Ganze perfekt ab und machen es zu einem typischen MINOR MAJORITY Song. Der 4. Track „Like Someone Changed The Rules For Us“ besticht mit Påls im Vordergrund stehender Stimme, die da singt „You gonna hate me for a while […] and what is worse is that I don’t mind“. Sanft untermalt von Gitarre und Keyboard – Die perfekte Ballade. „When John Passed Away“. Zuerst würde ich sagen, erinnert das Stück leicht an LOONAS „Hijo de La Luna“, obwohl der Vergleich an dieser Stelle wohl eher unpassend ist, handelt es sich doch um eine etwas gewöhnungsbedürftig andere Künstlerin. Nach einiger Zeit also stellt man fest, dass es sich um ein weiteres Glanzstück der Norweger handelt – vor allem aufgrund des Textes. Und Peng, da kommt „Dance“, der nächste wohl mit Abstand tanzbarste Song der CD. Einfach nur dem Refrain folgen und gedankenlos das Tanzbein schwingen. Auch so kann es gehen! Nummer 7 „Try Me“ klingt dank des Banjos und verzerrtem Pianosound stark nach Country-Musik. Flehend erklingt es „Try me now, don’t save me for later […] if you try me today, I won’t hurt“. Das Lied „After Tonight“, geschrieben von Harald Sommerstad, der eigentlich am Klavier spielt, ist ruhig und kraftvoll, voller Schmerz und Hoffnung zugleich. Zum ersten Mal singt Pål in einer höheren Stimmlage und meistert diese Aufgabe professionell und gekonnt. „Ready Made“ könnte das Mauerblümchen des Albums sein, ist es doch ein Leichtes es beim ersten Durchlaufen glatt zu überhören. Doch stellt sich heraus, dass es ein recht untypisches Lied für diese Platte ist. Mit Hintergrundchor und keinem durchlaufenden, sondern eher mehreren Refrains trumpft es mit einer ganz anderen Konstruktion. Nun der Titelsong „Either Way I Think You Know“. Und der rockt. Übrigens mit den gleichen Lyrics wie Lied Nummer 1 und es entsteht eine andere Interpretationsweise, die gefällt. Nun zu „Bloomed And Died“, meinem persönlichen Lieblingsstück. Geschrieben wurde es von Jacob Krogsvold und man merkt, dass es grundverschieden ist. Gitarrengriffe und Melodie, die von den schon gewohnten abweichen, und auch Påls leicht zitternde Stimme machen es zu einem emotionalen, tiefgründigen Song. In einem Interview sagte der Sänger einst, dass jedes Konzert eine gute Dramaturgie bräuchte, die Lieder also eine bestimme Reihenfolge hätten und aufeinander abgestimmt sein müssten. Und genauso ist es auch bei diesem Album. Sorgfältigst wurden die Stücke ausgewählt und angeordnet und fand sich zum Schluss auch etwas Passendes: „Dorian Leaving The Table In Rage“. Würde es der Titel eines Gemäldes, an der weißen Wand eines Museums hängend, sein, so müsste man sich ein düsteres, schmerzträchtiges Bild vorstellen. Tragisch klingende Riffs erinnern an alte Rock-Größen und lassen auch MINOR MAJORITY erwachsen klingen. Und das sind sie auch wirklich – nach nunmehr fast 10 Jahren Bandgeschichte!

Nach so viel „Either Way I Think You Know“ kann ich nun zu einem durchaus positiven Schluss kommen. War ich anfangs aufgrund des schnulzigen (!!!!) Sounds eher abgeneigt, musste ich doch feststellen, dass es sich um mehr dreht als nur Songs auf dem Niveau „Mann + Frau = Krise“ und alle Beteiligten sind verletzt und traurig. Ich frage mich nun schlussendlich, wie Pål Angelskår es schafft, für jeden Song neuen Stoff aus seiner Beziehungskiste rausholen kann – ob die nicht auch irgendwann einmal leer ist? Aber das möchte ich ja auch gar nicht hoffen, des es handelt sich bei dieser Platte um ein durchaus gelungenes Werk. Den Vergleich mit KINGS OF CONVENIENCE allerdings würde ich nicht wagen, wie es so manch ein Kollege schon getan hat. Das ist dann nun doch ein anderes Level, oder wohl viel eher ein anderes Genre oder Milieu, denn professionell sind unsere fünf sympathischen Jungs aus dem hohen Norden allemal!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

MINOR MAJORITY - Weitere Rezensionen

Mehr zu MINOR MAJORITY