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MINOTAURUS - The Call

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Artist MINOTAURUS
Title The Call
Label LIMB MUSIC
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Man sollte es kaum glauben, aber man trifft in der Szene immer wieder auf Bands, die einem bislang noch nichts sagten. Das Erstaunliche daran ist, dass manche dieser Gruppen schon lange Jahre zusammen Musik machen, im Falle von MINOTAURUS sind es gleich 15. Die in Bayern beheimateten Künstler haben mit „The Call“ nun ihr achtes Album auf den Markt gebracht und beweisen damit Beständigkeit – trotz wechselnder Besetzung. Die sechs Musiker platzieren ihre Songs im Gemenge von Folk, Metal, Rock und Medieval. Dabei legen sie eine besondere Eigenständigkeit an den Tag: Stetige Rhythmus- und Tempi-Wechsel innerhalb eines Liedes bis hin zu einer doppelten Melodieführung. Dominant sind zwar die metallischen Klänge, aber mit Rhythmen und entsprechenden Instrumenten wird ihr Wille zum mittelalterlichen oder keltischen Folk unterstrichen. In gewisser Weise erinnern (nicht im Sinne von plagiieren) die Stilistik an Bands wie NACHTGESCHREI, IGNIS FATUU oder WETO. Übrigens ist kaum ein Song unter vier Minuten dabei.

Mit „Free Our Souls“ und „Wanna Be Your Wife“ wird rockig gestartet. Das Stampfen der Bässe und die beinahe mainstreamhaften Refrains, die sich mit spritzigen Gitarrenparts und Geigenuntermalung abwechseln, haben etwas von AOR und Folk und könnten durchaus zu Ohrwürmern werden. Sanft und deutsch wird dann eine wunderschöne musikalische Fassung vom „Erlkönig“ dargeboten, die am ehesten dem Medieval zuzuordnen wäre und passend mit einem Gewitter untermalt wird. „Hinterhalt“ zeigt sich nicht nur lyrisch, sondern auch in der Melodie kämpferisch und kraftvoll. Mit dem „Love Song“ wird dann eine der schönsten Balladen vorgetragen, die in letzter Zeit aus dieser Szene bis zu meinen Ohren drang. Melodisch, anschmiegsam mit weiblicher und männlicher Stimme, einfach nur die Augen schließen. Danach geht es bei dem Titelsong mit dem schnellen Hämmern der Gitarren in die nächste Runde, wobei das Lied einen hymnischen Refrain präsentiert, um dann wieder zu den Staccati der Gitarren zurückzukehren. „Varus Battle“ beginnt mit einem Gewittergrollen, starkem Regen und dem Marschschritten der Römer in die Schlacht. Sanft wird von den Geräuschen in die Gitarre und Flöte übergeleitet, bis nach etwa zwei Minuten ein powervoller Rockmarsch wird. Mit full metal power wird dann „Chains of Captivity“ unter dominanten Riffs und sägender Leadgitarre geboten, dem sich das ebenso metallische „Spirit Island“ anschließt. Alles, was mit hohem Tempo vorgetragen wird, muss ja nicht Metal sein. Zwar rasant, aber eher rockig klingt „Defenders Paradise“, bei dem die Gitarren hämmern und rollen. Bei „Father and Son“ kommt mit dem sanften Beginn eine singende Bassgitarre ins Spiel, um dann fulminant mit gesamten Instrumentarium in einen stampfenden Takt zu verfallen. Dumpfes Stampfen und rasende Shouts, die sowohl von der Gitarre als auch den Vocals erzeugt werden die 2013er Version von „Princess of Destruction“ aus.

Gesanglich werden die metallischen und auch folkigen Songs oft von dem Gesangsdoppel Julia Hofmeister/ Oliver Klump dargeboten. Die weibliche Stimme nimmt dem Ganzen etwas von der brachialen Gewalt, mit der viele Metal-Bands aufwarten. Sie wirken damit aber nicht verweichlicht, sondern nur angenehmer anzuhören. Die Lyrics sind wie die Mischung der Genres in zwei Sprachen vertreten: Deutsch und Englisch. Vorstellbar wäre aber, dass auch die harten Tracks durchaus mit deutschen Texten genauso gut rüberkommen würden. Wer die folkige Metalszene liebt, der sollte dieses Album nicht achtlos im Regal stehen lassen.

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