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MINTZKOV LUNA - M For Means And L For Love (Re-Release)

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Artist MINTZKOV LUNA
Title M For Means And L For Love (Re-Release)
Homepage MINTZKOV LUNA
Label MINTZKOV RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Es hat doch auch Vorteile, in einer eher kleinen Großstadt zuhause zu sein. Dann hat man nämlich nicht alle Nase lang die „großen“ Bands vor der Haustür, sondern auch Zeit und Gelegenheit, das ein oder andere unbekannte Juwel zu entdecken. So ist es mir mit MINTZKOV ergangen, die ich im kleinen aber feinen Kreis live erleben durfte. Nachdem ich das aktuelle Album im Vorfeld schon besprochen hatte, waren auch die gespielten Songs des Debüts „M For Means And L For Love“ so fesselnd, das ich Euch und mir diesen Silberling ebenfalls nicht vorenthalten will.

Der Longplayer ist 2003 noch unter dem damaligen Bandnamen MINTZKOV LUNA eingespielt worden, inzwischen firmieren die Belgier nur noch unter MINTZKOV und haben den Posten des zweiten Gitarristen neu vergeben. Ansonsten sind die musikalischen Parallelen zwischen den beiden Alben unüberhörbar. Stilistisch irgendwo zwischen den PIXIES und GIRLS AGAINST BOYS unterwegs, sind auch die belgischen Indie-Vorzeige-Mucker DEUS nicht ganz weit. Im Gegensatz zum zweiten Streich zeigt sich der Erstling etwas nachdenklicher, es wird nicht ganz so viel gegniedelt und geschrammelt, wobei jeder Indie-Fan seine wahre Freude an den zehn Songs haben wird. Den Anfang macht das druckvolle „Act Real Cool“ mit schrägen Synths von Keyboarder Pascal Oorts und einer knackigen Gitarrenfraktion, die Gesellschaft bekommt von Philip Bosschaerts Gesang, der besonders bei dieser Nummer stark an Brian Molko von PLACEBO erinnert. Mit „I Do“ geht es deutlich getragener weiter – ein wunderschöner Song mit viel Gefühl, dem sich „United Something“ mit verqueren Keyboardsounds und feinen Indie-Langäxten anschließt. „Cargo“ setzt auf melancholischen Rhythmus und den Zwiegesang zwischen Gitarrist Philip und Bassistin Lies Lorquet, bevor „Saints Have No Heart“ gefühlvolle Streicher und disharmonische Gitarrenriffs gemeinsam mit krachenden Drums ins Rennen schickt. Bassbetont schließt sich das verträumte „In Every Crowd“ an, bei dem schon mal ein wohliges, zufriedenen Seufzen ob der eingängigen Melodien entwischen kann. Damit das Ganze nicht zu kuschelig wird, macht der Refrain extra Druck, was sich im folgenden „All At Once“ mit seinen treibenden Tieftönern fortsetzt. „Mimosa“ ist zwar ein sehr zarter Track, aber weit davon entfernt, mimosenhaft empfindlich zu sein. Stattdessen treffen gefühlvolle Gesangsparts von Lies und Philip auf eine ausdrucksstarke Instrumentierung, was die Nummer zu einem Highlight der Langrille macht. „It Takes Notes“ macht mit eindringlichen Sounds in Slow Motion weiter. Hier sei besonders die zurückhaltende Gitarrenarbeit in Kombination mit Min Chul Van Steenkistes Schlagzeugspiel genannt, die perfekter nicht harmonieren könnten. Den Rest erledigt eine heulende Hammondorgel, da wird es Zeit, dass mit „I Panic“ wieder Gas gegeben wird. Es blitzt ein bisschen Sixties-Retro-Style durch, bevor nach hypnotischem Flüstergesang „Sleep Until Noon“ zur finalen Schwermütigkeit einlädt.

Warum MINTZKOV wohl bislang bei uns absolute Unbekannte sind? An der Qualität ihrer Songs kann es nicht liegen, also muss die Live-Präsenz ausgebaut werden! Immerhin war der Fünfer im Sommer auch schon auf einigen deutschen Festivals und aktuell tingeln die Belgier durch die Clubs. Also: Runter vom Sofa und selbst ein Bild machen! Schließlich spielen MINTZKOV in der Heimat vor ausverkauftem Haus und bei der Gelegenheit kann man dann auch gleich beide CDs erwerben!
ump

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MINTZKOV LUNA: Der Vergleich zu den Landsleuten von DEUS ist praktisch unausweichlich und der musikalische Ansatz annähernd identisch. Hinzu kommt, dass Tom Barman und Philip Bosscharts stimmlich ebenfalls auf einer Schallwelle liegen und so sollen hier an dieser Stelle nur noch die Unterschiede sprechen, es soll schließlich niemand auf die den Gedanken kommen, MINTZKOV LUNA wollten DEUS nur kopieren, denn das ist einfach nicht der Fall.
 
Musikalisch, und damit sei vor allem die Gitarrenarbeit gemeint, gemahnen mich die vierzehn Songs auf „M for Means and L for Love“ an frühe Glanztaten der Koblenzer Indie-Institution BLACKMAIL, die vor kurzem das zeitliche segnete und besonders an „Bliss, Please“ aus dem Jahre 2001. Passenderweise erschien vorliegendes Debüt der Belgier im selben Jahr – nur halt nicht in Deutschland, weshalb sich unsere Freunde von Haldern Pop Recordings diesjährig die Mühe machen, dieses Versäumnis aufzuarbeiten. Anders als BLACKMAIL, die wohl zu einer Aktennotiz der Rock-Historie geworden zu sein scheinen, haben MINTZKOV nur das anhängende LUNA verstoßen und sind seit 1996 im heimischen Belgien eine feste Bank und so konnten sich „Mimosa“ und „I Do“ als amtliche Hitsingles durchsetzen. Nun besticht „MFMALFL“ besonders durch seine Geschlossenheit, denn es fallen noch nicht einmal die drei Remixe, die als Bonus angehängt wurden, negativ auf. Hier hat alles Hand und Fuß, die vierzehn Songs allesamt Niveau. Vierzehn Titel voller Ideenreichtum, ausgefallener Arrangements und Bosscharts Stimme, die daran erinnert, dass wir es immer noch mit derselben Band zu tun haben. Um nicht zu verschweigen, dass Lies Lorquets permanenter Einsatz in Sachen Backing Vocals immer wieder ein Ohrenschmaus darstellt, besonders „Rippin Kittin“ von MISS KITTIN sei hier hervorgehoben.
 
Es lässt sich nun streiten, ob Re-Releases nach fast zehn Jahren Sinn machen, abgesehen davon werden MINTZKOV dadurch sicherlich nicht vom Geheimtipp zur Sensation, aber dieses Album ist von zeitloser Qualität, die auch den deutschen Indie-Fans nicht vorenthalten werden sollte. Also bitte, greift zu!
Hififi

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