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MIREL WAGNER - s/t

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Artist MIREL WAGNER
Title s/t
Homepage MIREL WAGNER
Label BONE VOYAGE
Leserbewertung
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10.0/10 (2 Bewertungen)

Vielleicht könnte man MIREL WAGNERs Debüt zunächst mal der guten, alten „Quiet is the new loud“-Geschichte zuordnen, denn oberflächlich gehört sind die Songs der in Äthiopien geborenen und in Finnland aufgewachsenen Songwriterin erst einmal genau das: Ruhig. Bis man dann ein wenig länger lauscht und sich von der kargen Akustikgitarrenbegleitung und der sanften, leicht angerauten Stimme löst, um festzustellen, dass hinter dieser zarten Melancholie scharfkantige Untiefen lauern und der leicht naive Hauch, der beim Gesang anklingt, nichts als Tarnung ist.

WAGNER wirkt ein wenig wie eine Seelenverwandte von PJ HARVEY und beherrscht es ähnlich gut, Zerbrechlichkeit in Kraft umzumünzen. „Down, deeper down, deeper down“ singt sie in „To The Bone“, und unwillkürlich denkt man an NICK CAVE, obwohl nichts im Sound und in der Stimme in eine auch nur annähernd ähnliche Richtung geht. Aber da ist derselbe gefährliche Subtext, der den Song durchzieht, dasselbe Feeling, derselbe Blues. Und wir reden gar nicht erst von „No Death“, diesem zerbrechlich schönen Song mit seiner nekrophilen Geschichte, der gleichzeitig fasziniert, abstößt und befremdet, vor allem aber einen Blick in den Abgrund in uns allen freigibt. Oder das Alttestamentarische, das in „Joe“ lauert, indem der Protagonist sich von seinen Sünden reinwaschen will und dann im Fluss gefunden wird.

Eingerahmt werden diese Texte von einem Sound, der durch sein Understatement besticht – da ist wirklich nichts weiter als eine akustische Gitarre zu hören, die sich noch dazu weitgehend auf hypnotische Wiederholungen konzentriert. Die Wirkung ist jedoch erstaunlich: Nur ein paar Akkorde, dazu schlichte, kleine Melodiebögen, ein raunender Gesang, der klingt, als ob WAGNER eigentlich mit sich selbst spräche, und die Gänsehaut ist garantiert. Es ist, als belauschte man sie heimlich, als ob die Geschichten, die Träume, die seltsamen Bilder ein Geheimnis zwischen Hörer und Sängerin blieben und eine leicht unheimliche Intimität erwachsen lassen.

Großes Kino, diese Platte. Programmkino natürlich, aber mit dem Zeug zum Kult.

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