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MIRROR OF DECEPTION - Foregone

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Artist MIRROR OF DECEPTION
Title Foregone
Homepage MIRROR OF DECEPTION
Label FINAL CHAPTER RECORDS
Leserbewertung
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Um im Doom-Sektor bestehen zu können, braucht man Geduld und Beständigkeit. MIRROR OF DECEPTION haben beides. Vier Veröffentlichungen benötigte die Band, um zu einem Labeldeal zu gelangen, vier Jahre dann noch, ehe daraus ein Album wurde. In der Studio- und Organisationshölle, welche zu „Mirrorsoil“ führte, warf so mancher schon mit dem Handtuch und war die Auflösung nahe. Doch obwohl dann auch noch der Endmix nach eigenem Geschmack zu höhenlastig geriet, erntete man vor allem in der deutschsprachigen Gemeinde regen Zuspruch. Den Verlust des ursprünglichen Sängers Markus Baumhauer fing man durch eine interne Reise nach Jerusalem auf (Gitarist Michael Siffermann nahm zusätzlich zur Saiten- auch die Vokalakrobatik auf sich), „Conversion“, ein Mini-Album, weitete die Bekanntheit auch auf das europäische Umland aus. Dank Auftritten bei dem „Doom shall rise“, das unter Mitverantwortung des Hauptkomponisten Jochen Fopp das Evangelium des Doom von der Live-Kanzel aus verkündet, dürften nun die Ohren fein gespitzt sein für den zweiten Longplayer des Quartetts.

Leider ist „Foregone“ aber nicht das Überalbum geworden, das man erhofft hatte und das es vielleicht auch hätte sein können. Legt man die Scheibe nach „Harbinger of Metal“ der Tour-Kollegen REVEREND BIZARRE in den Player, ist der Unterschied jedenfalls eklatant. Nun sehen sich MIRROR OF DECEPTION gar nicht in der selben Gruppe der „traditionellen“ Doom-Mucker, welche SAINT VITUS und CATHEDRAL nacheifern und „Paranoid“ für die Geburtstunde des Rock n Roll halten. Obwohl festgehalten werden kann, dass auch hier das menschliche Leiden der klaren Stimme dem bestialischen Schmerz tiefster Grunts vorgezogen und ein klassisches, keyboardloses Line-Up aufgefahren wird, sind die Stücke kürzer, pointierter und linearer strukturiert – mit einer Spielzeit von einer knappen Dreiviertelstunde geht das Album nach gängigen Genremaßstäben geradezu als „Quickie“ durch. Weder fehlende Epik, noch das Konzept an sich sind indes die Schwachen von „Foregone“. Schwierig wird es schon bei dem Gesang, der zwar in den gedoppelten Passagen ein passables Volumen erhält, ansonsten aber dünn, eindimensional und oberflächlich klingt. Es ist ein schmaler Grat zwischen Melancholie und Larmoyanz und Siffermann tendiert verdrießlicherweise zumeist zu letzterer. Doch am schwersten wiegt, dass die Band in der Disziplin, in der man sich am ehesten von den Kollegen abheben könnte, zu oft versagt: Dem Songwriting. Die Monochromatik und Statik der Riffs mögen bereits anstrengend wirken, doch geht von ihnen eben auch ein mysteriöser Reiz sowie das Gefühl einer inneren Geschlossenheit aus. Aber auch mit knackigerer Saitenarbeit wären Stücke wie „Mirthless“, „Inscrutable“ oder „Bleak“ eher uninspirierend und spannungslos. Das können die starken Momente nicht komplett ausmerzen: Bei „Metamorphosis“ ziehen die Gitarren melodische Fäden, welche einen großartigen melodischen Chorus umgarnen: „Hide in your cocoon/ No occasion to crave/ No one reaches you“. Der Neuaufbau aus einer Akustikpassage tut dem schleppenden, doch mitreißenden „Drowned“ gut und der Opener „Foregone Way“ ist von monumentaler Wucht. Mit der Zeit werden auch die übrigen Kompositionen besser, doch es reicht nicht.

Eines muss zum Schluss zudem noch gesagt werden. Ohne den Englischlehrer spielen zu wollen: Weniger aus dem Lexikon zusammengeklaubte Lyrik und die Betonung an der richtigen Stelle würden dem Fluss der Texte zu gute kommen. Vielleicht nimmt man all diese neuralgischen Punkte gerade deswegen so sehr wahr, weil sich MIRROR OF DECEPTION in anderen Belangen als Perfektionisten geben. Das Artwork ist stimmig und stimmungsvoll, die Arrangements durchweg ausgeklügelt und durchdacht. Mit Rückschlägen ist die Band schon vorher zurechtgekommen. Wenn sie nun neben Geduld und Beständigkeit auch noch Lernfähigkeit als Tugend mitbringt, darf man sich auf das nächste Album wieder freuen.

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