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MISCONDUCT - One Step Closer

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Artist MISCONDUCT
Title One Step Closer
Homepage MISCONDUCT
Label I SCREAM
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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Da baut man sich mühevoll ein Utopia zum Thema Schwedenpunk auf, schon kommen die erstbesten Deppen daher und zerstören alles binnen Sekunden. Meine Vorstellung von dickbäuchigen Biertrinkern, die unerlässlich über Alkohol und Frauen philosophieren, liegen in einem einzigen Trümmerhaufen, begraben unter einer runden Scheiblette, die den Namen „One Step Closer“ trägt. Natürlich…Schweden hat noch mehr zu bieten als Punk’N’Roll. MILLENCOLIN und so. Und MISCONDUCT. Die haben seit ihrem letzten Album das vollzogen, was ich persönlich als IGNITEschen Wandel beschreiben würde. Weniger Oldschool-Hardcore und Punk, mehr Melodie, mehr popige Strömungen. Auf IGNITE muss man sich natürlich nicht versteifen. Da kann man auch mit zig anderen Bands auffahren, die vielleicht noch Hundert mal besser passen. Aus Schweden. Nur ohne Bier.

Nun kann man ja eine Veränderung mit dem Titel „One Step Closer“ kaum größer an die Glocke hängen. Doch wem ist das Quartett aus Kristinehamn nun eigentlich einen Schritt näher gekommen? Dem Thron des melodischen Neo-Punks? Gar der Perfektion des eigenen Sounds? Doch was ist denn „eigen“ an MISCONDUCT? Sind es die lockeren Riffs, die man gefühlte 56279 Mal gehört hat? Die flachen „Woaa Woo“-Singalongs? Der Sänger, dessen Stimme ich schwerlich wieder erkennen würde unter den vielen anderen Punk-Sängern da draußen? Nein nein, mit dieser Scheibe kann ich nicht warm werden. Da fehlt es total an Eigenständigkeit. Hinten und vorne. Frisch klingen die Jungs für mich auch nicht wirklich. Naiv vielleicht. Kaum ein Part findet sich ein, den man nicht schon meilenweit vorher erahnen könnte. Skate-, Pop- und Melo-Punk in der Endlosschleife. Neben üblichen Verdächtigen wie RISE AGAINST schleicht sich auch eine deutliche Schweden-Note ein. So könnte ich erneut auf die eingangs erwähnten MILLENCOLIN zurückgreifen. Dummerweise sind MISCONDUCT ein paar Jahre zu spät dran, um damit als unverbraucht durchzugehen. „One Step Forward, Two Steps Back“, so wie es im Titeltrack heißt, trifft den Nagel schon ziemlich auf den Kopf. Das wahre Grauen aber lauert in der Zielgeraden. Mich würde schon interessieren, wie der erste Teil von „Side By Side“ klingt, doch der Fakt, dass der zweite eine übertrieben schwülstige Pop-Radio-Ballade mit SONIC SYNDICATE-Charakter ist, lässt mich vor diesem Gedanken zurückschrecken. Als sich schließlich noch das in den Himmel gelobte Video zu „Closer“ mir als eine auf Posing basierende und jegliche Punk-Mentalität verneinende Vorführung offenbart, schließe ich verbittert Augen und Ohren, auf dass morgen wieder die Sonne in meinem Herzen scheint..

Live mögen oben genannte Kritikpunkte egal sein. Darüber erlaube ich mir kein Urteil. Wem auch noch der x-te Verschnitt der wirklich guten Bands fehlt… bitteschön. Mit leicht erhellten Gesichtszügen sammele ich langsam die Scherben meines schwedischen Paradieses auf und stelle mir vor, wie ein verschmitzt lachender Schwede nach dem zwölften Bier den Takt auf seinem rundem Bauch mitklatscht. Oh Punkrock, where art thou…?

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