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MISSHAPED FORTUNE - The World’s End

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Artist MISSHAPED FORTUNE
Title The World’s End
Homepage MISSHAPED FORTUNE
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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7.8/10 (13 Bewertungen)

Das vom Mayakalender längst angekündigte und von Katastrophenregisseur Roland Emmerich erneut ins kollektive Gedächtnis gerufene Ende der Welt soll uns bekanntlich bereits 2012 ereilen. Doch haben wir einfach nur viel zu lange die Augen vor der plausiblen Wahrheit verschlossen: das wahrhaftige Ende in kompletter, tonaler Ausführung wurde uns fast zeitgleich mit der visuellen Adaption überliefert. Im Zentrum der Macht steht die mystische Gruppierung MISSHAPED FORTUNE aus Nauen bei Berlin, die seit 2006 bereits 70 Gigs absolviert hat und deren prophetischer Beutezug mit dem ersten Tonträger „The World’s End“ sicherlich kein jähes Ende nehmen wird.

Das Cover der Apokalypse ziert eine gänzlich dunkel gekleidete Dame, die, Blut aus schwarzen Augen weinend, vor einem explosivem Gebilde kniet. Erinnert auf Anhieb an eine Mischung aus J-Rock und BULLET FOR MY VALENTINE. Weniger durchdacht scheinen die Texte zu sein. Das Englisch klingt doch stellenweise recht… plump, banal, wie auch immer. Auch bedient man sich häufig eines trivialen Vokabulars; Zeilen wie „If I Say Beer, You’ll Say More“ hätte ich dann doch eher von Dicke-Hose-Hardcorern erwartet. Ähnlich tönten allerdings auch EMMURE auf ihrem letzten Album… selber sehen sich die Jungs allerdings eher von PARKWAY DRIVE, UNDEROATH, BRING ME THE HORIZON und ähnlichem Kaliber aus dem Metal/ Emocore-Gefilde beeinflusst. Daher spart man sich die gemäßigten Töne für die Intros/ Interludes und legt vorrangig einen melodischen Posthardcore-Metal-Sound an den Tag. Wer sich den Untergang unseres Erdenballs also als einen alles vernichtenden Meteoriten vorgestellt hat, der schenke dem Opener „Good Morning! It’s My Fucking Funeral…“ gleich mal sein Gehör: der legt nicht alles in Schutt und Asche, dafür legen die fünf Nauener richtig los und kreieren ein aggressives Hardcore-Metal-Gemisch, das man auf den ersten Blick gar nicht erwartet hätte. Schön melodisch wird die Linie gehalten, wenngleich man hier kaum Gebrauch von klarem Gesang macht und generell wenig typisches Handwerk verwendet. Überraschend guter Einstieg, der von „The Time Has Come“ anständig fortgeführt wird. Vokal erweitert man die Bandbreite um deathige Growls und cleane Phasen, allerdings klingen die total unsicher, wehleidig und dadurch eher weniger überzeugend. Ich gehe mal davon aus, dass sich dafür Gitarrist Matthias (nicht zu verwechseln mit dem Sänger!) verantwortlich zeichnet; ähnliches Bild findet man z.B. auch bei CALIBAN. Solange er allerdings seinem Namensvetter den Vortritt lässt und im gesamten Konstrukt wieder exakte Brett-Arbeit verrichtet, darf man getrost über dieses Manko hinwegsehen. Geeigneter Anspieltipp wäre „Taste Of A Broken Life“, das, mal abgesehen von der cleanen Passage, recht dick und gen Ende sehr schwedisch daherkommt. „We Are Longing For More“ erscheint im Gegenzug als kurze, melodiöse Hardcorepunk-Melange, die sich locker und straight daher spielt. Auch schrieb man für den Erstling einen balladesken Track, der in Form von „Call It A Tragedy“ wohl deutlich als Fehlgriff zu werten ist. Das kratzige Wimmern der klaren Stimme nervt eher, als dass es herzerwärmend klänge. Im Laufe des Stückes wirft man ein paar Shouts ein und kann es in Verbindung mit der ein oder anderen Melodie noch auf ein okayes Level retten. Auf den Zielgeraden überzeugt man mit der Hand am Tempohebel glücklicherweise wieder mehr. Mit „A Story About A Psycho Called John Riding His Fucking Horse On The Way To Kill Me“ wählte man zwar einen selten dämlichen und an FALLOUTBOY erinnernden Titel, dafür versteckt sich dahinter eine umso knallendere Metalcore-Hymne. Vor allem die hardcorigen Breakdown-Crowdshouts machen was her. Treibende Metal-Gitarren weht hingegen „Insomnia“ dem Hörer um die Ohren, während „It’s Our Saturday Night Fuck Pussy“ mit metallischem Screamo direkt nach Vorne geht.

Am Ende des Trips stelle ich fest, dass die Mehrheit der zwölf Songs im Bezug auf das Songwriting und den angewandten Stil schon in die richtige Richtung weist. Auch der Sound klingt ganz vernünftig, wenngleich der Gesang in den klaren Phasen etwas zu penetrant hervorsticht. Ohnehin sollte man an der klaren Stimme arbeiten, es würde sicherlich aber auch nicht schaden, sie noch deutlicher in den Hintergrund rücken zu lassen. Der Mix gelingt bisweilen auch ohne dieses Detail ganz ordentlich. Um sich mit den unter der Rubrik „Einflüsse“ stehenden Vorbilder messen zu können, muss man wohl noch ein bisschen an dem Liedgut feilen. Eine annehmbare Alternative zu Emmerichs Endzeit-Dramoletten ist dieses Werk dafür allemal.

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