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MIU - Modern Retro Soul

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Artist MIU
Title Modern Retro Soul
Homepage MIU
Label EDEL
Leserbewertung
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6.0/10 (3 Bewertungen)

Es liest sich ein bisschen wie das Drehbuch eines Films: Eine junge Frau aus Hamburg, die irgendwas mit Werbung macht, schmeißt ihren Job und fliegt nach New York, spielt dort »einfach so« im The Bitter End, einem der legendärsten Live-Clubs der Welt, der Wiege ihrer Idole wie DONNY HATHAWAY oder STEVIE WONDER und legt damit den Grundstein ihrer Musikkarriere. Jetzt veröffentlicht Nina Graf aka MIU mit ihrer dritten Langrille, dem Doppelalbum „Modern Retro Soul“ ihre Vision von Soul, der nicht nur mitreißend und echt ist, sondern auch durch geschicktes Songwriting und ergreifende Stories besticht. Nach ihrem Aufenthalt in New York begann eine neue Zeitrechnung für die stimmgewaltige Blondine und so setzte sie alles auf eine Karte: Sie gründete ihre eigene Band, übte unentwegt Gitarre, Klavier & Ukulele. Sie sang sich durch Deutschland und Europa, spielte als erster Popact in der Hamburger Elbphilharmonie, begeisterte Soulfans genauso wie die Gäste des Elbjazz und Jazz Baltica.

Auf „Modern Retro Soul“ treffen die Sounds vergangener Tage auf moderne urbane Beats. Verzerrte Seventies-Gitarren wagen den Wettstreit mit modernen Synthies und über allem schwebt MIUs Stimme, deren Texten man anmerkt, dass der Weg zum jüngsten Studio-Output mitnichten immer leicht war. Inspiriert von starken Songwriterinnen wie CAROLE KING, Roh-Sound-Spezialisten wie den BLACK KEYS, den atmosphärischen Klängen eines MICHAEL KIWANUKA und großen Vokalistinnen wie AMY WINEHOUSE, bringt die Hanseatin ihre Lieder mit durchsetzungsstarken Melodien ins Jahr 2019. Dass der Multiinstrumentalistin dabei keineswegs die Ideen ausgegangen sind und sie im hier und jetzt genauso zuhause ist wie in vergangenen Dekaden, unterstreichen die 25 Songs des Albums äußerst eindrucksvoll. So betört sie etwa mit „So Much More“ in bester NuSoul-Manier und wenn sie wie in „Gimme A Break“ mit unserer wahnsinngen Gesellschaft hadert, klingt das einfach nur wunderschön und absolut energiegeladen. Extrem tiefenentspannt kommt derweil das fein instrumentierte „Groundhog Day“ daher und mit dem instrumentalen „I Took The Money And Ran“ wird es bei Fräulein Graf sogar recht rockig. Aber auch auf der Retro-Schiene präsentiert sich MIU hochenergetisch, wie bereits der Opener „Risin‘ High“ unterstreicht. Währenddessen erinnert das luftige „Easy“ an die JACKSON 5, ehe das ebenso gefühl- wie kraftvolle „Partner In Crime“ den Hörer mit einem wohlklingenden Konglomerat aus Streichern, Mellotron, Fuzz-Gitarren und samtenen Vocals erwartet. Sehr cool kommt hingegen „People , The People“ daher, aber mein persönliches Highlight ist eindeutig das temperamentvoll groovende „Fuck You Very Much“, mit dem wahrlich alles gesagt ist.

Aber auch auf leise, reduzierte Klavier-Sounds versteht sich die Hamburgerin, wie sie am Ende mit „Be The Bigger Person“ unterstreicht. Überhaupt ist MIU erstaunlich abwechslungsreich unterwegs und Vergleiche mit ADELE oder AMY WINEHOUSE muss die Dame keineswegs scheuen. „Modern Retro Soul“ wurde übrigens ganz oldschool analog aufgenommen und auch die Liste der beteiligten Musiker kann sich sehen lassen: Lutz Krajenski (ROGER CICERO, ANNETT LOUISAN) steuerte Arrangements für Bläser und Streicher und Orgeln im Stile von BOOKER T & THE MGS bei. Hitproduzent Mark Smith (JOHANNES OERDING) freute sich, dass er wieder seiner alten Liebe, dem Soul frönen konnte, Jazz-Star Stephanie Lottermoiser lieferte ein charakteristisches Sax-Solo und Steffen Häfelinger, der sonst auch Produzent/Mischer schonmal für WINCENT WEISS oder YVONNE CATTERFELD arbeitet, durfte endlich wieder zeigen, dass er die heißeste James-Bond-Gitarre Hamburgs spielt. Abgerundet wurde das Team um MIU durch Co-Writer wie Jim Button (STEFANIE HEINZMANN), Mareike Plota (EMMA LONGARD, MICHAEL SCHULTE, FARHOT), Tim Steiner, Kay Petersen (RANTANPLAN) und Magnus Landsberg, der als Gitarrist für Acts wie GREGOR MEYLE, ADEL TAWIL, POHLMANN und SARAJANE spielte und das Album gemeinsam mit Nina Graf co-produziert hat. Uns siehe da: viele Köche verderben nicht immer den Brei – hier haben sie definitiv etwas sehr Schmackhaftes und Hörenswertes gezaubert!

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