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MOBY - All Visible Objects

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Artist MOBY
Title All Visible Objects
Homepage MOBY
Label EMBASSY ONE
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Richard Melville Hall – besser bekannt als MOBY – hat im Laufe seines mehr als dreißigjährigen Werdegangs unterschiedlichste Wege beschritten. Er spielte zum einen in der Hardcore-Punkband VATICAN COMMANDOS und schuf zum anderen bis heute unvergessene Rave-Hymnen wie „Go“ und „Porcelain“. Nachdem der US-amerikanische Musiker, Produzent und DJ seine musikalische Karriere wegen anhaltender Erfolglosigkeit schon aufgeben und nur noch ein einziges Album veröffentlichen wollte, avancierte ausgerechnet dieser Longplayer zu seinem größten Erfolg. Die Rede ist natürlich vom 1999 „Play“, von dem der 54-jährige mehr als 10 Millionen Einheiten verkauft hat. Drei Jahre später erschien mit der sechsten Studio-Langrille „18“ ein weiterer Millionen-Seller und auch das 2015 erschienene „Hotel“ konnte in mehreren Ländern Gold-Status erreichen. Danach wurde es etwas ruhiger um MOBY, der weiterhin fleißig Musik machte, diese jedoch nicht mehr so erfolgreich verkaufen konnte.

Das soll sich jetzt mit der 16. LP aus dem Hause MOBY ändern und die Chancen dazu stehen nicht schlecht, denn Mr. Hall hat sich an seine größten Erfolge erinnert und spielt mit ähnlichen elektronischen Sounds, wie sie auf „Play“ und „18“ zu finden sind. Elf neue Tracks zeigen die ganze Bandbreite seines Könnens, wobei den seit 30 Jahren vegan lebenden Künstler Themen wie Umweltschutz, Tier- und Menschenrechte sowie Nachhaltigkeit umtreiben. Entsprechend stellt jeder Track eines dieser Themen in den Fokus und liefert Lösungsansätze.  So vielfältig wie seine Interessen, so vielfältig ist auch „All Visible Objects“, das enthusiastische Rave-Hymnen auf der einen Seite sowie melancholisch-nachdenkliche Songs auf der anderen präsentiert. Zur letzteren Kategorie zählt die jüngst ausgekoppelte Single „Too Much Change“, deren zarten Gesang Apollo Jane übernommen hat. Aus reduzierten Klavierakkorden entspinnt sich ein sachter Elektro-Groove, der schließlich tanzbare Formen annimmt und auf die ihn schon lange begleitende Verzweiflung ob der vielen Missstände in der Welt hinweist. Ganz anders kommt da die erste Auskopplung „Power Is Taken“ daher, die auch schon in den Neunzigern jedem Rave zur Ehre gereicht hätte und mit viel Druck nach vorn geht. Mit von der Partie ist bei der Nummer, die an einen Hybriden aus FAITHLESS und THE PRODIGY denken lässt, neben dem Rapper BOOGIE auch der DEAD-KENNEDYS-Drummer D. H. Peligro. Gleich mit dem Opener „Morningside“ bittet MOBY auf den Dancefloor, bevor für das mit Streichern veredelte „My Only Love“ mal wieder MINDY JONES einem Lied von Richard Melville Hall ihre ausdrucksstarke Stimme leiht. Aber der Chef singt auch selbst, etwa beim Knöpfchen-Dreher „Forever“ oder gemeinsam mit Miss Apollo Jane bei „One Last Time“, wo die Stimme allerdings ein bisschen zu viel Hall abbekommen hat. Erwähnenswert sind noch die Instrumentals, konkret das beseelte „Separation“ und vor allem der Titeltrack „All Visible Objects“, mit dem der Silberling wohlig endet.

Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Track wie „Refuge“ mit Word-Samples des jamaikanischen Reggae-Musikers LINTON KWESI JOHNSON dem einen oder anderen zu altbacken sind. Mag sein, dass es hier und da an Innovationen fehlt, aber für mich ist ein Stück wie „Rise Up In Love“ bei aller Schlichtheit ein kleiner, durchaus hörenswerter Ausflug in ein anderes Jahrtausend. Große Hits wie „Why Does My Heart Feel So Bad?“, „Lift Me Up“ oder „Disco Lies“ finden sich nicht auf „All Visible Objects“, aber es macht Spaß, die Scheibe zu hören und 100 % des Gewinns werden zudem an Tier- und Menschenrechtsorganisationen gespendet. Das macht MOBY bereits seit zehn Jahren mit den meisten seiner Arbeiten. Etwa mit den Erlösen aus seinem Restaurant „little pine“, seiner kostenlosen Filmmusikseite „mobygratis“, seinem Festival „Circle V“, und seinen letzten Alben. Vielleicht hat das auch ein bisschen dazu beigetragen, dass „All Visible Objects“ es bis auf #28 der deutschen Charts geschafft hat.

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