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MONTREAL - Hier und heute nicht

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Artist MONTREAL
Title Hier und heute nicht
Homepage MONTREAL
Label AMIGO RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Das siebte und mal so überhaupt nicht verflixte Album von MONTREAL ging genau so einfach und locker von der Hand, wie es klingt – ein verbotener Autorentraum: In einem gemeinsamen Kurzurlaub entstehen die ersten sieben der insgesamt zwölf Lieder, der Rest schreibt sich kurz darauf im Proberaum quasi von selbst. Vielleicht kam diese Platte aber auch nur so einfach und problemlos daher, weil sie buchstäblich um Haaresbreite nicht mehr zustande gekommen wäre: An einem sonnigen, aber stürmischen Tag im November 2018 sitzen Yonas (Gitarre & Gesang) und Hirsch (Bass & Gesang) in einem Straßencafé in Amsterdam, als plötzlich ein wuchtiger Terracotta-Blumenkübel durch den Wind vom Fensterbrett im dritten Stock gerissen wird und durch die Markise direkt auf den Platz neben Hirsch schmettert.

„Ein kleines Stück nach links und dieser Kübel hätte meinen Bruder zum Alleinerben gemacht“ – im Titelsong „Hier und heute nicht“ wird diese beinahe finale Geschichte der Band gründlich aufgearbeitet und halb demütig, halb triumphierend festgestellt: „Die letzte Runde, sie geht sicher irgendwann an dich, die gute Nachricht lautet aber: Hier und heute nicht!“. Stattdessen gibt es von der 2003 gegründeten Kapelle, die durch Drummer Max Power komplettiert wird, zwölf knackige Songs auf die Ohren, die es in bester Punkrock-Manier auf insgesamt 32 Minuten Spielzeit bringt. Kurz und knackig ist das Motto des flotten Dreiers, der als kleinen Vorgeschmack auf die Langrille den Opener „Dreieck und Auge“ als exemplarische Single ausgekoppelt hat. So wie dieser Track ist nämlich der gesamte Longplayer: druckvoll, melodisch, absolut auf dem Punkt, nie wirklich ernst gemeint, aber auch nie albern. So wie auch beim Anti-Urlaubs-Lied „Malaria und Heimweh“ oder dem rhythmusbetonten „Vor das Kreuz“. Und dann haben sich die Jungs, die gemeinsam in Schwarzenbek nahe Hamburg aufgewachsen sind, ja zum 15-jährigen Bandjubiläum selbst ein Ständchen geschenkt: „15 Jahre für die Punchline“ heißt die Nummer, bei der als Gäste im letzten Refrain zahlreiche prominente Wegbegleiter zu hören sind: So geben sich Farin Urlaub (DIE ÄRZTE), Sebastian Madsen (MADSEN), Ingo Knollmann (DONOTS), Costa Cannabis (SONDASCHULE), Sebastian Hafner (ITCHY) und Pensen Paletti (MONSTERS OF LIEDERMACHING) die Ehre bei der Aufarbeitung der MONTREAL-Geschichte zu helfen.

MONTREAL machen auch im 16. Jahr ihres Bestehens das, was sie am besten können: Gute Laune verbreiten und zum Tanzen animieren. Hier und da gibt es auch ernste Untertöne, aber den Spaß lässt sich das Trio bei allen Missständen in dieser Welt nicht verderben und liefert so zielsicher den richtigen Soundtrack, um zur Not halt auch zu scheitern oder draufzugehen – nur „Hier und heute“ ganz sicher nicht!

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