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MOON RELAY - s/t

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Artist MOON RELAY
Title s/t
Homepage MOON RELAY
Label FYSISK FORMAT
Leserbewertung
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5.0/10 (1 Bewertungen)

MOON RELAY, das sind vier Jungs aus der Osloer Underground-Szene, deren musikalischer Background im Freejazz, Avantgarde-Pop und Noise Rock zu verorten ist. Das hier vorliegende, selbstbetitelte Album ist sozusagen das vollwertige Debüt des Quartetts, bisher gab es nur ein streng limitiertes 12“ Vinyl beim norwegischen Jazzlabel Hubro.

Es ist nicht ganz einfach in Worte zu kleiden, was MOON RELAY in den neun Songs mit 40 Minuten Spielzeit zu Gehör bringen. Vielleicht ist auch das der Grund, warum die Stücke allesamt ausschließlich mit unterschiedlichen Kombinationen von Sonderzeichen betitelt sind. Das gesamte Werk hat in gewisser Weise den Charakter einer Aufgabenstellung mit vielen Variablen, zu der sich wohl im Endeffekt jeder Hörer seinen eigenen Lösungsweg erarbeiten muss. Zunächst einmal handelt es sich um Instrumentalmusik, die sich neben Gitarre, Bass und Schlagzeug auch diverser Elektronika, Synthesizer, Drumcomputer und Percussioninstrumente bedient. Der Anspruch der Norweger liegt nach eigener Aussage darin, die gängigen Strukturen des Postrock aufzubrechen und die instrumentale Rockmusik im Grenzbereich zwischen Stringenz und Improvisation neu zu beleben. Hochtrabende Worte, die zumindest in der Hinsicht untermauert werden, dass hier definitiv in diversen Grenzbereichen operiert wird. Gleich der Opener „““““S“ agiert mit seiner dreiminütigen Monotonie-Orgie zu Beginn hart am Rande der psychischen Belastbarkeit des Hörers. Hat man dies überstanden, eröffnen sich quasi aus dem Nichts zaghafte psychedelische Strukturen, die beinahe an klassisches Songwriting erinnern. Von Letzterem sind MOON RELAY im Endeffekt zumeist doch gar nicht so weit entfernt, wie man zunächst vermuten könnte. Das charmant ungelenk hüpfende „////////L“ zum Beispiel könnte so oder ähnlich auch von Vollzeit-Nerds wie ANTLERED MAN stammen, in „`´`´`´`´`´/“ wird die konsequente Disharmonie mit einem dermaßen stoischen Beat unterlegt, dass das Ergebnis beinahe tanzbar ist, das hochgradig spannende „::……-_-_//#1“ regt trotz seiner unterschwelligen Aggressivität gar zum entspannten Kopfnicken an. Auch die klassischen Noise Rock-Wurzeln kommen nicht zu kurz, wie man spätestens beim dezent an SONIC YOUTH erinnernden „’’’’´´´„„„`2“ ganz deutlich hört, bevor es zum Ende mit „,,,,,,V,,,,,,“ wieder betont psychedelisch wird.

Damit wir uns hier nicht falsch verstehen: MOON RELAY sind definitiv nichts für Einsteiger oder allzu Wohlklang-Verwöhnte. Auch erfahrene und aufgeschlossene Musikhörer sollten jedoch unbedingt darauf achten, dieses Album nicht nur nebenbei zu hören. Der Kopf muss frei sein für die Klanglandschaften, die die Norweger zeichnen, sonst prallen sie wirkungslos und womöglich sogar schmerzhaft an ihm ab. Wenn man sich jedoch darauf einlässt, entfaltet die Musik allerdings eine angenehm aufwühlende Wirkung. Rauschmittelgenuss ist dabei sicherlich empfehlenswert.

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