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MOONSPELL - Alpha Noir (2-CD)

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Artist MOONSPELL
Title Alpha Noir (2-CD)
Homepage MOONSPELL
Label NAPALM RECORDS
Leserbewertung
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8.3/10 (21 Bewertungen)

Mir ist bewusst, dass dieses Album schon einige Tage auf dem Markt ist – Dennoch möchte ich es mir nicht nehmen lassen, einige Worte zu diesem Werk zu verlieren. Schließlich sind die Portugiesen ja nicht erst seit gestern musikalisch aktiv und ganz sicher keine Unbekannten mehr. Was jedoch ganz besonders für die „Nachbereitung“ dieses Releases spricht, ist schlicht und einfach die Qualität des Albums – und ganz speziell der Doppel-CD-Version.

CD 1 – Alpha Noir

Hierbei handelt es sich um das Standard-Album, das so auch als Einzel-CD erhältlich ist. Den Anfang macht mit „Axis Mundi“ ein Stück, welches gleich den Staub aus den Boxen bläst. Ein episch ansteigendes Gitarrenfeedback mit Schlagzeug eröffnet den Song und geht nach ca. einer Minute in ein Killerriff über, das zusammen mit Fernandos Stimme einfach nur kracht. Was für eine Wut! Doch MOONSPELL können noch härter. Das beweisen die Portugiesen direkt im Anschluss bei „Lickanthrope“. Und spätestens wenn Fernando den Mond anheult (kein Witz), kommt schon etwas Gänsehaut auf und ich schiele Richtung „Wolfheart“. Eine Pause gönnt die Band mit ihrem harten, melodisch-düsteren Metal jedoch nicht. Denn schon der nächste Kracher folgt: „Versus“ – mit Gore-Text und Verachtung in der Stimme bleibt mir die Spucke weg. Selbst das kurze Gitarrensolo harmoniert wunderbar. An dieser Stelle möchte ich ich mich kürzer fassen. Was folgt, sind weitere düstere und vor allem harte Songs, wie man sie seit „Wolfheart“ oder auch „Irreligious“ nicht mehr gehört hat. Jedoch klingen sie nie angestaubt oder abgekupfert. Vielmehr hat die Band die Härte und Brachialität ihrer Frühwerke gefunden und sie mit Nuancen von „Darkness and Hope“ oder auch „Antidote“ gemischt. Das Ergebnis ist druckvoll, melodisch, hasserfüllt und reicht jetzt schon, um sich locker an die Spitze der letzten Bandveröffentlichungen zu setzen. Was sich MOONSPELL zudem nicht haben nehmen lassen, ist ein weiteres Instrumental. Den Abschluss macht „Sine Missione“, ein gänzlich stimmfreier Groover, der zum Headbangen einlädt.

CD 2 – Omega White

Ja ja, Bonus-CDs sind schon so eine Sache. MOONSPELL haben sich aber etwas Besonderes einfallen lassen. Zwei Seiten einer Münze, Ying und Yang, schwarz und weiß – Alpha und Omega. Genau dieses Prinzip wird hier bis zur Vollendung genutzt. Denn während „Alpha Noir“ gänzlich hart und bösartig daherkommt sowie auf klare Stimmen verzichtet, beweist Fernando auf Silberling 2, dass er auch sehr gut clean singen kann. Und wer jetzt an das etwas seltsame (aber dennoch gute) „Sin/ Pecado“ denkt, sollte diese Gedanken ganz schnell verwerfen. Denn trotz allem bleibt diese CD düster und hat nichts mit dieser „umstrittenen“ VÖ gemein. Schon der Opener „Whiteomega“ macht deutlich, was ich ausdrücken will. Tolle Riffs und klasse Gesang mit viel Emotion (nach dem zweiten Durchhören hab ich mich beim Mitsingen ertappt). Beinahe träumerisch und dennoch irgendwie typisch MOONSPELL. Das folgende „White Skies“ beweist ebenso wie der Einstieg ein Gespür für Melodie und Härte. Aber das wahre Highlight folgt mit „New Tears Eve“: Was für ein Riff, was für eine Melodie, was für ein Text. An alle Düsterbands: So geht das! Auch hier möchte ich nicht auf jedes Stück einzeln eingehen. Nur soviel sei gesagt: Es gibt keinen Ausfall zu verzeichnen. Als besonderes Highlight sei aber dennoch „Herodisiac“ herausgestellt. Der Chor ist der Hammer.

Nach der musikalischen Bestandsaufnahme hat man das Gefühl, ein Konzeptwerk genossen zu haben. Obwohl beide Parts sehr unterschiedlich sind, entsprechen sie doch ganz klar dem Bandstil. Zwei Teile eines Ganzen. Interessant ist dabei auch die Namensgebung der CDs: Alpha Noir ist in sich genau so widersprüchlich wie Omega White. Selbst das Artwork dieses tollen Digipacks führt diesen Widerspruch weiter. So ist Alpha Noir deutlich heller gestaltet als sein Gegenstück. Auch ist jede Seite „vorn“ – soll heißen, man muss das Digi um 180 Grad drehen, wenn man in der Mitte angekommen ist. Es gibt also kein Ende. Jede Seite bedingt die Andere.

Ich weiß – was für eine Lobeshymne. Aber mal ehrlich: Ich habe selten erlebt, dass ein Paket inhaltlich, klanglich und optisch so stimmig gemacht wurde. Das Werk ist vor allem in dieser Version ein MUSS für alle Fans. MOONSPELL haben sich auf das konzentriert, was sie am besten können. Und dabei beweisen sie, dass sie sowohl bösartig (Alpha Noir) als auch melancholisch mit einem klitzekleinen Lichtstrahl (Omega White) klingen können und sich dabei selbst treu bleiben. Und das soll erstmal einer nachmachen. Wahnsinn!

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