Band Filter

MOORYC - Roofs

VN:F [1.9.22_1171]
Artist MOORYC
Title Roofs
Homepage MOORYC
Label FREUDE AM TANZEN
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.0/10 (1 Bewertungen)

Eigentlich denkt man, schon alles gehört zu haben. Und doch sucht man immer weiter. Immer weiter nach diesem einen neuen Song, diesen einen neuen Künstler, diesem einen neuen Album. Manchmal lohnt sich diese Suche – zum Beispiel, wenn man „Roofs“ von MOORYC entdeckt.

Der polnische Künstler, der Berlin zu seiner Wahlheimat auserkoren hat, zeigt auf seinem Debüt, wie man Electronica-Hymnen und melancholische Schwere paart. Was „Roofs“ nicht nur zum Soundtrack für den Herbst macht. Schon der instrumentale Opener schwebt elegisch sanft in seiner Electronicahülle, bereitet dabei aber nur den Boden für das folgende „Jupiter“. Hätte Sting THE POLICE jetzt erst gegründet, würden die wohl so klingen wie MOORYC. Songs von Sehnsucht, verschmähter Liebe und all den anderen Störungen im Beziehungsleben auf Rhythmikbasierender Ohrwurmtauglichkeit. Was hier so eindringlich die Hormone in Wallung versetzt, ist der schwebende Gesang auf abgehackten Gitarrenloops, durch elektronische Bässe zum Leben erweckt. Bei MOORYC wirkt aber selbst die düstere Schwere eines „Bless me“ wie das süsse Gift, nach dem man sich verzehrt. Ein staubiger schwerer Klangteppich auf mechanischem Beatkonstrukt lässt den wuchtigen Gesang in den Mittelpunkt rücken, versetzt damit dem Piano in „Powerless“ eine schon beinah lockerleichte Anmutung, die das Textwerk tonnenschwer belagert. Verzagt, ja resignierend verzweifelt am Geschlechterkampf, nimmt eben jene aber gefangen in hymnischer Electronica. MOORYC scheint Perfektionist zu sein, ähnlich wie vor zehn Jahren THE POSTAL SERVICE belebt MOORYC das Genre mit Schwermut neu. „Fallin’freely“ etwa schnaubt wie eine Dampflokomotive durch eine düstere Winterlandschaft, lässt eben jenen an „Separate Directions“ verzweifeln und verfällt später in loungeartige Lazyness.

„Roofs“ ist ein Highlight. Ein später Kandidat für das Album des Jahres, auch wenn die Musik selbst keine zeitliche Begrenzung kennt. Ein zeitloses Werk voller melancholischer Schwere in hymnische, ruhende elektronische Klänge verpackt. Zehn Jahre nach THE POSTAL SERVICE eine ungemein wichtige Veröffentlichung.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu MOORYC