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MORBID ANGEL - Illud Divinum Insanus (Wooden Triptych Foldout Box)

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Artist MORBID ANGEL
Title Illud Divinum Insanus (Wooden Triptych Foldout Box)
Homepage MORBID ANGEL
Label SEASON OF MIST
Leserbewertung
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7.8/10 (25 Bewertungen)

Hier soll´s vornehmlich erst mal um die optische Gestaltung des neuen MORBID ANGEL-Meisterwerks gehen, zum Musikalischen später nochmal was. Ok, preislich ist das Teil ne Hausmarke, keine Frage (NEIN, ich muss das hier nicht wie blöd abfeiern, weil´s umsonst war, ich hab´s glatt gekauft!). Dafür bekommt man allerdings auch etliches geboten, fast alles exklusiv nur in dieser limitierten „Wooden Triptych Foldout Box“.

Das Teil ist enorm wuchtig mit seinen 37x40x20 cm-Maßen, besonders aufgeklappt macht das mal ne schicke Optik im Raritäten-Regal. Enthalten sind das Album auf CD in einem nur für die Box hergestellten, geprägten, schwarzen Ledereinbandbuch im Single-Format, das Album nochmal als Gatefold-Doppel-LP mit rotem 180g-Vinyl und Download-card, Räucherkegel mit einem rotschwarzen Blasphegram-Tiegel aus lackiertem Holz, zwei Holzkerzenhalter mit Kerzen (mit rotem Blasphegram), ein exklusives T-Shirt (großes Logo vorne + hinten mit exklusivem, an das Artwork anschließendem Bild) und Poster.

Zu den Einzelheiten: Das schwarze Lederbuch der CD ist sehr hochwertig verarbeitet und sieht mit dem geilen Prägedruck (vorne Logo + Titel im Blasphegram-verzierten Rahmen, hinten großes Blasphegram) edel aus, das 32-seitige Einbandbooklet in dunklen Beigetönen hält für jeden Songtext eine verzierte Doppelseite parat, in der Mitte gibt´s noch zwei Bilder aus dem Artwork in übereinandergelegten Blasphegramen mit per Songtitel verzierten, roten Seiten-Umrahmungen. Nicht ganz perfekt ist allerdings die CD-Aufbewahrung, da hier einfach eine Logo-bedruckte Papphülle auf die letzte Seite geklebt wurde, aus der man das Teil relativ schlecht rausbekommt und das die letzten 3 Seiten des Booklets gänzlich leer sind, ist auch wenig sinnvoll. Bei dem Aufwand, der hier betrieben wurde, hätte man auch locker ein Plastiktray für die CD integrieren können. Dennoch eine geile, einzigartige Aufbewahrungsform! Nicht nur in dieser Hinsicht erinnert die Box an die edlen Exklusiv-Aufmachungen etlicher Prophecy-Releases! Die Platte im fetten Gatefold-Cover kommt (zumindest bis jetzt) nur in dieser Box als rotes 180g-Doppel-Vinyl daher, vorbildlicher Release! Die Texte sind im Innencover abgedruckt, die Plattenhüllen sind ebenfalls mit dem Coverartwork verziert. Zusätzlich gibt es eine Cover-bedruckte Download-Karte aus Plastik im Scheckkartenformat, mit der man das Album als mp3 herunterladen kann (liegt wohl allen Vinyls bei). Das T-Shirt (man kann sich die Größe aussuchen!) bietet Top-Qualität („Fruit of the Loom“ halt), vorne prangt groß das MA-Logo in dunklem Beige, hinten gibt´s ein exklusives großes Dämonenbild, wobei der Titel allerdings mit „U“s geschrieben ist („Illud Divinum Insanus“) statt wie sonst überall abgewandelt mit „V“s(´Illvd Divinvm Insanvs´)… weshalb auch immer. Das große Poster soll exklusiv sein, zeigt aber nur das Albumcover. Die Kerzenhalter aus schwarz gestrichenem Holz sind ebenso 08/15 wie die Standard-Kerzen, bei denen lediglich ein kleines, rotes Blasphegram aufgedruckt wurde. Unwichtig, das hätte man wesentlich besser ausführen können! Cooler ist da das Duftschälchen, dessen Unterteil aus massivem, schwarz gestrichenem Holz ist, der obere, offene Blasphegram-Deckel aus rotem. Dazu passend gibt es noch einen Beutel Räucherkegel. Die Box selber ist aus schwarz gestrichenem Holz mit ausgefrästen Logos, Titel und Blasphegramen an allen Seiten. Im unteren Teil kann eine Schublade herausgezogen werden (für Platte + CD), im oberen Teil können die restlichen Sachen untergebracht werden. Der ist wiederum durch den hochklappbaren Deckel zugänglich, an dessen innerer extra-Platte die seitlichen Flügel angebracht werden mit Scharnieren, so dass ein kleiner Altar entsteht. Die Verarbeitung lässt dabei etwas zu wünschen übrig, gerade die Seitenteile sind nicht stabil genug verbunden(nur mit kleinen Metallstiften) und fliegen recht fix auseinander. Auch hier hätte man bei dem großen Aufwand bessere Lösungen finden können, Schrauben oder/ und Leimen wäre wesentlich sicherer gewesen. Dennoch natürlich ein einzigartiges Mordsteil für ein einzigartiges Album.

Sammler und Die Hard-Fans wie der Rezensent sollten fix zugreifen, denn das Ding wird mit Sicherheit schon in kurzer Zeit auf den doppelten Wert des jetzigen Kurses schießen, ähnlich der IMMORTAL-Metallbox vor ein paar Jahren. Ob man das alles nun unbedingt braucht oder nicht, lasse ich mal dahingestellt. Unbedingt brauchen tut man auf jeden Fall das Album. MORBID ANGEL werden mit „Illvd Divinvm Insanvs“ etliche Beton-Death Metaller gehörig vor den starren Kopf stoßen! Aber es dürfte sicherlich niemand erwartet haben, dass die Wahnsinnigen schlanke 8 Jahre nach dem letzten Streich „Heretic“ und satte 16 Jahre nach dem letzten Studiowerk („Domination“) mit Rückkehrer David Vincent einfach zu eben jenem Sound zurückkehren würden. Schließlich hatte man auch schon früher immer völlig un-Death Metallische Tracks am Start, und ausgerechnet die zählen zum Teil zu den Faves etlicher Fans! Man denke nur mal u.a.an „Where the Slime Lives“ oder „Hatework“ vom 95er-Werk „Domination“, ganz zu schweigen von der LAIBACH-EP-Kooperation 1994 oder den normal-metallischen Sachen auf „Heretic“! Sooo weit bewegt man sich also mit den zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftigen experimentelleren Songs gar nicht weg vom Bandsound, zumal auch auf den letzten 3 Alben ohne Vincent viel Gedudel und sphärischer Kram drauf war, womit sich der reine Death Metal-Anteil auch auf eine gute Handvoll Songs reduzierte.

Fakt ist einfach, dass „Illvd Divinvm Insanvs“ mit seiner guten halben Stunde reinen, unnachahmlichen MORBID ANGEL-Death Metals anteilemäßig voll auf einer Höhe mit den letzten 5 Alben liegt! Zieht man mal die ganzen Instrumentals, teils Progressiven Heavy Metal-Songs (ja, auch so was gab´s auf früheren Alben schon mal!) und Dudeleien ab, dann kommt einzig das fast durchweg brettende „Gateways to Annihilation“ auf eine adäquate Spielzeit (gut 45 Minuten), „Covenant“ liegt mit etwa 35 Minuten noch ganz gut im Verhältnis zur Gesamtspielzeit (41), „Formulas Fatal to the Flesh“ bietet bei fast 52 Minuten mit etwa 32 Minuten Geschrote aber schon erheblich weniger klassischen Stoff, „Heretic“ bietet nahezu das gleiche Verhältnis (den Leerlauf nach Minute 53 mal weggelassen) und das Meisterwerk „Domination“ schiebt nur etwa zur Hälfte (!) puren Death Metal aus den Boxen, bei strenger Auslegung sogar nicht mal 20 Minuten! Es ist also eindeutig belegbar, dass die Jungs fast noch nie pure Klopperalben abgeliefert – allerdings auch noch nie so viele Industrialsounds verbraten haben, da hätte ich mir eher eine teilweise Verwertung als Bonustracks gewünscht. So eckt man nun bewusst an, ist mit einem völlig unpassenden Opener wie „Too Extreme!“ (welch ein passender Titel…!) aber auch umgehend Gesprächs- und Diskussionsthema Nummer 1 – mehr kostenlose Promo kann man nicht bekommen! Und wer lupenreinen Killer-Death Metal-Granaten wie „Existo Vulgore“, „Blades for Baal“ oder „Nevermore“ das Weltklasseformat abspricht, der hat schlicht keine Ahnung. Punkt. Am Ende gilt eh nur eins: IT´S ONLY MUSIC!!!

Doch zerlegen wir das Album doch nochmal in seine Einzelteile: Los geht die etwas über 56-minütige Scheibe mit dem sachte beginnenden, knapp zweieinhalb-minütigen Intro „Omni Potens“, das manisch mit Fanfaren und Chören vor sich hin rollt, düster-dramatische Atmosphäre erzeugt und einen krassen Vincent-Schrei gegen Ende bietet. Mit „Too Extreme!“ geht´s dann allerdings sehr ungewohnt los, monoton-kalter MINISTRY-Drumbeat, Samples, Breaks (einer mit tiefen Chorgesängen) und heiser grölender Vincent. Von Treys bizarrem Riffing ist nix zu hören (eher herrscht normales Heavy Metal-Riffing vor), Tim Yeung braucht sich kaum anstrengen (wenn er das überhaupt eingespielt hat, könnte auch ein Drumcomputer sein) und von Death Metal ist hier weit und breit quasi nix zu sehen. Mutiger Einstieg! Der Song ist allerdings um einiges zu lang geraten und an die Eröffnungsposition hätte ich das Teil auch nicht gestellt. Dafür wäre eher das blastende „Existo Vulgore“ geeignet gewesen, denn das bietet den „typischen“ MA-Sound! Unvergleichlich ratterndes Schlagzeug (Yeung steht Sandoval in nichts nach!), rasendes Groove-Riffing mit bekannt-kranken Gniedelsoli und ein grollender Vincent am Mikro und Bass. Hätte auch auf „Domination“ eine gute Figur abgegeben! Das Gleiche gilt für das ebenfalls völlig wahnsinnige „Blades for Baal“, klassischer können MORBID ANGEL nicht klingen! Erinnert schwer an „Altars of Madness“-Gerüpelgroove, dürfte ein kommender Liveknaller werden und ist für mich die Übergranate des Albums! „I am Morbid“ ist ein bisschen an „Where the Slime Lives“ angelehnt und rollt energisch groovend aus den Boxen, hat aber abseits der Vocals ebenfalls wenig mit Death Metal zu tun. Entwickelt sich nach mehrmaligem Hören zu einem absoluten Ohrwurm mit Mitgröhlchorus (der den Song auch einleitet), was sich aus etlichen tausend Kehlen mitgebrüllt mit Sicherheit imposant anhören wird (ich sach nur Party.San!). Erstaunlich ist die recht normale Soliererei von Destructhor, die eher an JUDAS PRIEST denken lässt, denn an kranke Sphären! Auch „10 More Dead“ wird die Kritiker auf den Plan rufen, denn hier wird im modernen Midtempo rumgerifft, da würde ich eher einen Herrn Cavalera (SOULFLY) hinter vermuten, denn eine Death Metal-Legende. Der Song greift aber, hat Drive und bietet dennoch teils morbiden Sound, vor allem wenn ab der Hälfte losgeballert wird und das Solo losfliegt. Das über 7-minütige „Destructos vs.the Earth/ Attack“ marschiert dann eher in die MINISTRY/ MARILYN MANSON(!)-Ecke! Sehr düster, mit meist dunklem clean-Gesang und manischem Beat. Entwickelt dennoch das gewisse Etwas, wenn man eben auch auf obige Sounds steht, Death Metal findet hier schlicht nicht statt. Erinnert ein wenig an das ebenfalls ja recht industrielle „Hatework“, ist aber definitiv auch zu lang geraten. Das bereits live vorgestellte und als Single ausgekoppelte „Nevermore“ schaltet die Ohren allerdings umgehend wieder auf Normalmodus und blastet vehement sämtliche Bedenken aus den verwirrten Hirnen und Ohren, nicht das noch jemand auf die Idee kommt, die Könige des blasphemischen Extrem-Death Metals hätten irgendwas verlernt! Ein böser Klopper vor dem He…, ähm Satan, der mit Sicherheit einen festen Platz im Liveset bekommen wird. Trey soliert wieder mal in seinem eigenen Universum. Ob man allerdings die oh-ho-ho-Chöre Live bringen sollte, lasse ich mal dahingestellt. Ansonsten bretzelt man hiermit jeden Kritiker vom Planeten! „Beauty meets Beast“ hat ebenfalls eine qualmende Doublebass im Hintergrund, groovt aber eher im Midtempo rum und bietet erneut viele chorale Refraingesänge und ausufernde Phrasierungen Vincents. Das atmosphärische Solo ist wieder mal Extraklasse, aber auch eher klassisch-melodisch, denn wirr-krank! Reißt einen jetzt nicht so unbedingt vom Hocker der Track. Mit dem fast 8-minütigen „Radikult“ kloppt man allen Engstirn-Metallern dann nochmal prächtig einen vor die Rübe! Elektronisch-industrieller Anfang, der in einen lupenreinen MARILYN MANSON-Beat mit Sprechgesang mündet! Ob Vincent wohl etwas zu viel GENITORTURERS (Industrial Metal/ Rock-Band seiner Frau, wo er auch Bass spielt(e)) intus hat? Der Track hat definitiv Hitpotenzial mit seinem tanzbaren (!) Beat, dem Chorus und seiner klaren ROB ZOMBIE/ MANSON-Ausrichtung, dürfte bei den eingefleischten Death Metallern aber nur für Kopfschütteln sorgen. Dennoch: geiler Song bleibt geiler Song! Auch wenn sich die Jungs hiermit extrem weit aus dem Fenster lehnen, man kann nur nochmals auf vor allem die LAIBACH-Geschichte hinweisen, bei dem sie ihr Interesse für andere Musikrichtungen ja schon vor 17 Jahren gezeigt haben. Das eher industrielle Knüppel Techno-„Outro“ „Profundis-Mea Culpa“ klingt mehr wie ein Remix, denn wie ein regulärer Song. Erinnert teilweise erneut an das ebenso manische „Hatework“, endet aber etwas abrupt.

So bleibt unterm Strich nur zu konstatieren, dass MORBID ANGEL mit diesem radikalen, variablen, extremen, aneckenden, mutigen und dennoch blasphemisch-brutalen Meisterwerk ihre einsame Vormachtstellung um Lichtjahre ausbauen!

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