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ADOPTED CHILD - Adopted Child vs Mortal Void

VN:F [1.9.22_1171]
Artist ADOPTED CHILD
Title Adopted Child vs Mortal Void
Label EIGENPRODUKTION
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Eine einfache, jedoch gute Idee: Zwei Projekte der selben Kategorie (jung und kommerziell unbedeutend), die eine gemeinsame Sprache sprechen (elektronisch, EBM-Dialekt) und nach oben wollen. MORTAL VOID und ADOPTED CHILD stehen beide beim Sonic Seducer Nachwuchswettbewerb unter den ersten 50, dürfen also in die Endausscheidung. Während sie dort eher abstrakt aufeinander treffen, fallen die Hiebe auf dieser EP ganz direkt.

So remixen die beiden Projekte sich zunächst gegenseitig, ehe sie in der Abteilung „freie Waffenwahl“ mit einem Eigengeschütz in den Ring treten. Und obwohl nicht jeder Schlag sitzt, ist der Kampf mehr als sehenswert. Die Bearbeitungen von drei MORTAL VOID Stücken durch ADOPTED CHILD sind dabei die durchwachsenste Leistung. In „Cursed Silence“ verhallen sprechgesungene Worte zwischen zwitschernden Synthies und monotonen Beats. Ordentlich gemachter Krach ist das, den letztendlich keiner braucht. „Lack of Reality“ fährt derweil die übliche Mischung aus Samples, Sentenzen und Sequencern auf und mag im nach Pisse stinkenden und rauchverhangenen Club schon jetzt ein Klassiker sein – überall sonst aber etwas „realitätsfremd“. Erst bei „The Poison“ wird aus den guten Vorsätzen mehr als ein Lippenbekenntnis: Die BassDrum stampft, als wolle sie Granit zu Staub zermalmen, die klingelnden Keyboards pendeln sich zwischen „Dr. Vein“ und SKINNY PUPPY ein und der Track schwingt sich dank beschwörender Flächen sogar noch zu hymnischen Höhen auf. MORTAL VOID geht andersherum mit verdammt wenig Liebe an die Stücke seines Kollegen heran und seine Bearbeitungen geraten gerade deswegen überzeugender. Gerade nach dem Genuss von „Einsam“ und dessen klirrend verzerrten Vocals versteht man sofort, warum mit diesem Jungen keiner im Sandkasten spielen will – ein klar und digital produzierter Adrenalinrausch mit allen Reglern auf 100. „Eine neue Macht“ schließlich wird im „Machtmissbrauchmix“ (Remixe müssen solche albernen Titel haben!) dank magnetischer Klangwände in einem instabilen Gleichgewicht gehalten.
In den beiden hintangestellten Songs präsentieren sich die beiden Protagonisten dann von ihrer Schokoladenseite: MORTAL VOIDs „Falling“ ist der ideale Soundtrack für den Chill-Out am binären Strand, die Füße lässig in Fluten aus konzentrierter Salzsäure baumelnd. Und ADOPTED CHILD führt einen zwar in ein Land aus Kälte und Finsternis, doch mit tröstenden Worten auch wieder „Aus der Asche“.

Man könnte sagen, dass man schon ein hartgesottener Liebhaber sein müsse, um das am Stück zu konsumieren und auch wirklich jeden einzelnen Moment zu goutieren. Doch seien wir mal ehrlich: Das gilt für eine ganze Menge EBM-Produktionen. Hier reichen einem zwei talentierte Musiker die Hand entgegen – man könnte genauso gut behaupten, dass man schon sehr hartgesotten sein müsse, um ihnen diesen Willkommensgruß abzuschlagen.

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