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MORTEN HARKET - Letter from Egypt

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Artist MORTEN HARKET
Title Letter from Egypt
Homepage MORTEN HARKET
Label POLYDOR/ UNIVERSAL
Leserbewertung
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8.0/10 (6 Bewertungen)

Bevor ANTHRAX, METALLICA, GORILLA BISCUITS, INSTED und Konsorten in mein Leben traten, führte ich ein unbeschwertes, kindlich-jugendliches Dasein, wie es Mitte bis Ende der Achtziger wohl normal war. Das heißt zwischen meiner „Masters of the Universe“ -Sammlung tummelten sich Kassetten von SANDRA, BONNIE BIANCO und MANDY SMITH. Die erste Band, bei der ich erstmals ein Fan-Gefühl entwickelte (so richtig mit Gänsehaut-Feeling) dürfte unumstritten A-HA sein. Von den nordischen Pop-Göttern kaufte ich mir sogar die Maxi-Vinyls im lokalen Supermarkt (ja, selbst auf dem Land war so etwas damals völlig normal – CDs waren noch kein Thema), die noch bis heute in meiner Sammlung verweilen. „Scoundrel Days“ war dann meine letzte Errungenschaft, danach wurde man zum Rebell und präsentierte seinen BAD RELIGION Pulli auf Omas Geburtstag… In der Zwischenzeit verblasste der Glanz von A-HA ebenfalls, aber irgendwann schlug dann „Summer moved on“ vom Album „Minor Earth, Major Sky“ in die Charts ein und bewies, dass die Herren durchaus noch zu der einen oder anderen Pop-Großtat fähig waren. Der Nachfolger „Lifelines“ enttäuschte dann leider doch insgesamt wieder. Von den relativ schlechten Verkaufszahlen unbeeindruckt ließen A-HA mit „Analogue“ ihren Paukenschlag folgen: Ein durchgehend so künstlerisches wie wertvolles Werk ward von den Jungs bis dato nicht gekannt. Selbst bisherige A-HA Hasser sollte dieses Album wieder (oder erstmals) auf Kurs bringen.

Nun will es also Frontmann MORTEN HARKET noch einmal Solo wissen (nach seinem ersten Album „Wild Seeds“ von 1995) und bringt seine introvertierte, nachdenkliche Songsammlung unter dem Namen „Letters from Egypt“ auf den Markt. Nach eigener Aussage wäre das zweite Solo-Album schon 1998 fällig gewesen, aber wie wir alle wissen, entdeckten die Nordlichter da ihren zweiten Frühling. Da kommt es den Songs natürlich sehr zu Gute, dass ihnen eine gewisse zeitlose Atmosphäre zugrunde liegt und auf allzu moderne Studiospielereien fast komplett verzichtet wird.
Einen Großteil der Kompositionen hat der rastlose Morten Harket (das Album wurde auf drei verschiedenen Kontinenten erdacht und erarbeitet) zusammen mit seinem Freund, dem norwegischen Poeten Ole Sverre Olsen, geschrieben, aber auch A-HA Mitglied Magne Furuholmen hat einen Titel („We´ll never speak again“) und gleich die passenden Backing-Vocals beigesteuert. Die erste Single „Movies“ ist ein Cover des Songs „My Woman“ der norwegischen Band THE LOCOMOTIVES, gehört aber eher zu den schwächeren Stücken.

Was zuallererst auffällt, ist die doch recht melancholisch düstere Grundstimmung. Songtitel wie „Darkspace“ (gelungener Opener mit schönem Gitarrenlick), „Should the rain fall“ (nachdenkliche Lyrics, die mit prägnanten Streichern unterlegt wurden) oder „There are many ways to die“ (Absoluter Hit und bester Song der Scheibe. Akustikgitarre meets PORTISHEAD-Streicher-Part. Wäre auch auf jedem A-HA Album sicherlich ein outstanding Track gewesen) weisen darauf hin, dass es sich hierbei sicherlich nicht um eine Party-Platte handelt. So ist ein Großteil der Songs auch leicht, luftig und dezent instrumentiert. Prominentestes Instrument ist sicherlich die Akustikgitarre (der Titeltrack ist ein sehr gutes Beispiel dafür, auch wenn der Song noch mit BOB MARLEY inspirierten Chor und JOHNNY CASH Spoken Word-Part angereichert wurde), aber neben den Streichern kommen die Keys und die Percussion-Elemente ebenfalls zum tragen. Das Songwriting ist unaufgeregt, Herr Harket gut bei Stimme, die Produktion unaufdringlich gelungen. Alles in allem ein schönes, wenn auch nicht weltbewegendes Release… aber ich glaube mehr war auch gar nicht gewollt. Verpackt in ein nettes Digipack – und mit Fragen aufwerfendem Cover versehen – eine durchaus lohnenswerte Investition.

A-HA Fans werden ihre Freude haben, aber auch Freunde des leicht abseitigen Singer-Songwriter-Dream-Pops könnten Gefallen an „Letter from Egypt“ finden.

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