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MOUTH - Rhizome

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Artist MOUTH
Title Rhizome
Homepage MOUTH
Label BLUNOISE RECORDS
Leserbewertung
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7.8/10 (18 Bewertungen)

Es gibt Alben, die Grenzen sprengen. Keine kommerziellen, sondern wie im Falle von MOUTH textliche Schranken. Das, was die Kölner auf Ihrem Debüt „Rhizome“ abziehen, ist ganz großes Kino. Kino der Siebziger, etwa Kubrick mitsamt Rahmenhandlung. Die Promo hilft etwas auf die Sprünge und nennt Kafka und Pynchon als literarische Einflüsse auf das düsterbenebelte Seelenleben des Albums. Es dreht sich also alles um eine einzelne gescheiterte Existenz, welche das volle Spektrum abbekommt, inklusive Sozialkritik, Paranoia und totalem Versagen.

Ein Dutzend Titel erzählen die Geschichte dieses Einzelschicksals, welches in unserer heutigen Gesellschaft doch viele ereilt. Der Anreiz, sich diesem Werk näher zu widmen, ist vorhanden und auch musikalisch geben sich die Domstädter keine Blöße. In den renommierten Blunoise Studios ist ein mächtiges, mitreissendes Kunstwerk entstanden, das ebenso kraftstrotzend wie manisch dem deutschen Alternativerock einen Kickstart verpasst. Mit Prog- und Kraut im perfekten Mischungsverhältnis ist es für Sänger und Gitarrist Chriz Koller ein leichtes, auch den gesanglichen Drive beizumengen. Eindrucksvoll „Requiem“, das in bester Soundgarden-Manier die Gitarren stürmisch laufen lässt und den Gesang als großes Panorama präsentiert, das nachfolgende „Same again“ lässt das Keyboard zum Einsatz kommen, um den übermächtigen Saiteninstrumenten etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. Deren stromsüchtige Prahlerei lässt den Titeltrack erst richtig leben, erinnert dabei an selige AT THE DRIVE IN Zeiten und lässt bei „Hiding“ einen Psychosenauslösenden Refrain auf die Hörerschaft los. Dank der hervorragenden Symbiose der Gitarren mit dem Casio Keyboard fliegt hier die Schädeldecke endgültig weg.

„Rhizome“ ist mächtig. Es ist ein Statement, welches mit Vorschlaghammer und Meißel beweist, daß die deutsche Alternativerockszene keineswegs im Dornröschenschlaf liegt. Die dynamische, druckvolle Produktion sprengt auferlegte Ketten und lässt MOUTH zum Gitarrenmusiktipp des Sommers werden.

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