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MUMM-RA - These Things Move In Threes

Artist MUMM-RA
Title These Things Move In Threes
Homepage MUMM-RA
Label RED INK
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Was tun, wenn man im verschlafenen Seebad Bexhill-On-Sea aufwächst, das sich rühmen kann, die höchste Seniorendichte Großbritanniens zu haben? Man kann die deutschen Sprachschüler aufmischen, die hier mit der englischen Grammatik malträtiert werden oder gründet mehr oder weniger aus Langeweile eine Band. So geschehen vor sieben Jahren von fünf damals fünfzehnjährigen Schulfreunden. Zwar war zu diesem Zeitpunkt keines der Mitglieder in der Lage, ein Instrument zu spielen und auch der Name der Kapelle fand sich erst sechs Monate später, aber aller Anfang ist bekanntlich schwer. Der Weg bis zur VÖ des Debütalbums „These Things Move In Threes“ sollte dann auch mit allerhand skurrilen Erlebnissen gepflastert sein (merkwürdige Auftrittsorte, versuchte Selbstmorde bei Gigs, Stromschläge, bewaffnete Raubüberfälle, Bombardements mit Teebeuteln und zwanzigminütige Sitar-Soli), doch jetzt ist es geschafft: Die ersten elf MUMM-RA-Songs haben es auf einen Silberling geschafft und bitten um Aufmerksamkeit.

Fernab der Heimat gingen die langjährigen Kumpels im spanischen Granada ins Studio. Überschattet wurden die Aufnahmen vom Tod des Managers, dem daraufhin die erste Single „What Would Steve Do?“ gewidmet wurde und dem Ableben des Vaters von Sänger James „Noo“ New entstand eine kleine Brit-Pop-Perle, die jedes Indie-Herz höher schlagen lässt. Ob nun der Post-Rock-Schmachtfetzen „Now Or Never“, der den Reigen eröffnet, oder mein persönlicher Favorit „Out of The Question“, der umgehend in Ohr und Bein geht – das Quintett präsentiert frische Musik, die aufhorchen lässt. Der Titelsong unterstreicht, dass die Herrschaften zwischenzeitlich durchaus gelernt haben, mit ihren Instrumenten umzugehen. Bassist Niall, Drummer Gareth und die Gitarristen Oli und Tate versprühen jede Menge Spielfreude, die auch ruhigeren Stücken wie „She’s Got You High“ nicht verloren geht. Daneben findet sich munterer Country-Rock a la „Song B“ oder das bombastische „The Sick Deal“. Mit „Light Up This Room“ wird es Zeit zum Kuscheln und auch „Starlight“ und „This I Easy“ sind trotz druckvoller Gitarren und kräftiger Drums irgendwie auch was fürs Herz. Bleibt noch „Down, Down, Down“, das die Langrille zu einem gefühlvollen Abschluss bringt.

Man hört der Platte das Herzblut an, welches MUMM-RA beim Schreiben und Einspielen der Songs vergossen haben. Die Tracks sind ebenso emotional wie uneingeschränkt tanzbar ausgefallen. Statt triefendem Schmalz gibt’s ganz einfach gute Laune! Und noch eine Gratislektion in richtiger englischer Aussprache ist enthalten: Britischer kann man wohl kaum singen, kein Wunder, dass Bexhill ein Sprachferien-Mekka ist. Große Teile des Science-Fiction-Thrillers „Children of Men“ sind im vergangenen Jahr dort übrigens auch gedreht worden.

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