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MUSTASCH - Thank You For The Demon

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Artist MUSTASCH
Title Thank You For The Demon
Homepage MUSTASCH
Label GAIN MUSIC
Leserbewertung
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6.0/10 (2 Bewertungen)

Fleißig sind sie. Da gibt’s nix! Die Metal-Super-Schnurrbärte MUSTASCH rund um Bandleader Ralf Gyllenhammar stellen seit Bandgründung 1998 ihr nunmehr achtes Album „Thank You For The Demon“ zum Kauf/ Download fürs heimische Soundsystem bereit. Die ungeheime Basisrezeptur schnurrbartscher musikalischer Unterhaltungskunst ist ebenso simpel wie eingängig und hat sich seit der Debut-EP „The True Sound Of The New West“ kaum verändert. Melodiös-groovender, steinig-trockener, Arschtreter-Metal! Nach lässig staubigen Scheiben wie „Powerhouse“, „Latest Version Of The Truth“ oder „Mustasch“ bewiesen die mehrfachen Gewinner schwedisch fachmännischer Grammy-Verleihungen zuletzt in 2012 mit „Sounds Like Hell, Looks Like Heaven“ ihr erstaunliches Gespür für dampfende Killer-Riffs und hochgradig ansteckende, metallisch rockende Kost!

„Thank Your For The Demon “ soll das nächste dämonisch-göttliche Meisterwerk der Schweden werden und irgendwie findet man auch alle benötigten Zutaten. Doch wie das immer so ist: Schmecken tut es dann doch nicht wie bei Mutti! Die nur neun Kompositionen wirken auf den ersten Blick weitaus weniger düster, sperrig, roh oder gar wütend sondern vielmehr chartdienlich produziert und mit bewusst weniger scharfen Kanten geschmückt. Der dem Schnurrbart zugeneigte Hörer erinnere nur so unvergessene Hymnen wie das sarkastisch-dunkle „Heresy Blasphemy“ oder egomane „Mine“ vom 2009er „Mustasch“, das aggressive „Destroyed By Destruction“ und nachdenklich machende „It’s Never Too Late“ vom letzten Album … verdammt heißer Scheiss wie das scharfzüngige „Bring Me Everyone“… so viele Übersongs katapultieren die Messlatte in unüberwindbare Höhen. Doch auch „Thank You For The Demon“ hat sie, diese metallischen Glücksmomente, die Rotz-Rock-Superröhre Gyllenhammer stimmlich perfekt intoniert.
 
Die aktuelle Singleauskopplung „Feared And Hated“ punktet als schlichter melodischer Rocksong vor allem durch MUSTASCH-typische, melancholisch-intelligente Lyrics, die beinahe jedem Metalhead angesichts der Otto-Normal-Frisuren schon einmal durch den Kopf gegangen sind: „I’ve always felt rejected..“, „I wanted to be loved, at least admired, If not I want to be feared and hated“. Eben diese ungewöhnlichen Lyrics, die wirken, als kämen sie direkt aus den düstersten Tiefen der Seele, die packen und fesseln und peinlich berühren, weil MUSTASCH in die Welt rotzen, was verstohlen verschämt im Hinterstübchen immer schon auf Publikum wartete, machen diese Band zu dieser glänzenden und gleichzeitig rauen, kostbaren Perle im aktuell rockigem Einheitsbrei. Dieser Hitschmiede entspringt der Titeltrack des Albums. „I’m a king without a kingdom to rule, The day I was born was the day I was doomed, But the scars that you gave me, they made me look cool, So I thank you for the demon.“ besetzt ab jetzt wochenlang in wohlwollenden Endlosschleifen den staubigen Metalhead. Einfach nur anbetungswürdig, wie cool Gyllenhammer mit diesen mächtigen Lyrics den Song akzentuiert. Im folgenden „From Euphoria To Dystopia“ mit seinen groben Basslines und den feinen Twin-Gitarrenleads wie auch bei „The Mauler“ verpassen MUSTASCH ihrem Sabbath-ähnlichen doomigen Stil mit auffälligen Streicher-Elementen wieder diese neuartige Leichtigkeit, an die sich das Ohr erst gewöhnen muss und deshalb ja nicht schlecht ist. „Borderline“ geht da deutlich flotter voran und damit in die Beine. Wer mal den Rockstar auf dem heimischen zur Bühne umfunktionierten Sofa üben möchte, kann hier dank der lässigen Gitarrenrhythmen und cleanen Choruseffekte kopfnickend, breitbeinig Luftgitarre spielend üben. Und dann wabert „All My Life“ aus den Boxen. Die siebenminütige (!) Ballade mit Akustikgitarren-Intro, Streichereinsatz und unglaublich emotionalen Lyrics endet in einem überraschendem Finale Furioso. „My Day Will Come“ brüllt Gyllenhammer und setzt an zu einer ordentlichen Doublebass Attacke in bester METALLICAnischer Manier – Puh! Wie gut, das da dann noch das Piano kommt und die Nerven beruhigt, damit die Wohnungseinrichtung nicht dran glauben muss.

Schade, auch echte allgemeinpopuläre Ausfälle hat dieses Album zu verzeichnen. „Lowlife Highlights“ und der stupide Discobeat bei „I Hate to Dance“ sorgen für ratloses Scharren statt wippender Hüften und fliegender Haare. „Bang your head ‚cause I hate to dance“ heißt es im Chorus, immerhin geht der verehrte MUSTASCHe Sarkasmus im lieblosen Disco-Beat nicht auch noch baden. „Disco died in 1983“ – Schön wär’s. Krächzende Krähen, imposante Streicher-Arrangements und ordentlich Blues! Das abschließende „Don’t Want To Be Who I Am“ versöhnt die MUSTASCHe Fangemeinde, erinnert der Song in seiner Struktur doch sehr an die beliebten Outros vergangener Alben. Melancholisch ungewöhnlich arrangiert – Schnurrbart-Genius der ersten Klasse!
 
FAZIT: So richtig raues Klima weht mit „Thank You For The Demon“ nur dank der prägnanten Lyrics um die Ohren. Die Streicher-Elemente passen zwar hervorragend zum rohen MUSTASCH-Gitarren-Groove, käme die Produktion allerdings weniger geschönt, geschmirgelt und gegelt daher, wäre die Platte ein nie nervender mitreißender Dauergast auf dem MP3 Player –  zu allen Zeiten und Gelegenheiten. Das wäre ja nicht zum Aushalten! Trotzdem Bombe!

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