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MY COLD EMBRACE/ RAPTURE - Schnittmenge

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Artist MY COLD EMBRACE/ RAPTURE
Title Schnittmenge
Homepage MY COLD EMBRACE/ RAPTURE
Label 666 RECORDS
Leserbewertung
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7.8/10 (10 Bewertungen)

Hallo und herzlich willkommen zu diesem Freundschaftspiel in der deutschen Metal-Underground-Szene zwischen MY COLD EMBRACE und RAPTURE. Austragungsort dieser Partie ist die Split EP „Schnittmenge“, ein Stadion also, bei dem sich keine der Mannschaften wegen eines Auswärtsspiel-Nachteils beschweren dürfte. Kommen wir nun zu den Aufstellungen:

Für die Münchener RAPTURE tritt mit dem Duo Chris und Alexandra gleich ein ziemlich variabler Sturm an den Sprachrohren an, der von Eric und Christoph als hängende und ebenfalls die Stimme erklingen lassenden Spitzen noch weiter unterstützt werden soll. Vornehmlich sollen sich Letztgenannte aber ihren Aufgaben an Gitarre bzw. Bass nachkommen. Um im Bereich der Gitarre noch dichter besetzt zu sein, gesellt sich noch Martin dazu, während sich Tommy mit Schlagzeug und Percussions für das solide Bollwerk verantwortlich zeichnet.

Auf der anderen Seite richtet man sich bei den aus Kassel stammenden MY COLD EMBRACE auf den ersten Blick etwas defensiver aus und bietet mit Dennis eine einzelne Spitze am Mikro. Aus dem Mittelfeld rücken daher dann Dirk, Marco und Tim an den 6- bzw. am 4-Saiter(n) nach, so dass es an „Dennsen“ liegt, hinten den Schlagzeug-Ton anzugeben.

Nach dem nun die Formalitäten geklärt sind, kann das Spiel beginnen. Anstoß haben RAPTURE mit „Evil Shade of Paradise“. Nach metallischer Einleitung gestaltet man den Spielaufbau etwas holprig und behäbig mit abgehackten Riffs und angestoppten Drums, vermittelt dabei aber einen bedrohlichen Eindruck. Nur langsam zieht man das Tempo an und gefällt sich dabei in tiefem, verrücktem Sprachgesang, womit man sich versucht, in aussichtsreiche Schussposition zu bringen. Dazu wiegt man den Gegner mit Akustik-Gitarre und beruhigendem Solo erst in Sicherheit, ehe man dann plötzlich mit einem Gewaltschuss in Form von bösen Growls und Blasts den Ball ans Lattenkreuz nagelt. Knappes Teil, aber für einen richtigen Treffer fehlt einfach eine klarere Linie. So gelangen MY COLD EMBRACE in Ballbesitz und setzen mit „Radiating Restlessness“ zum Blitzkonter an. Die Gitarren preschen geschwind voran und vermeiden so, dass das rasende Drumming vorne in der Spitze alleine klar kommen muss. Ihre Laufwege gestalten sich dabei als sehr melodisch und gut abgestimmt, womit die Flanke auf Shouter Dennis nur noch Formsache ist. Der stürmt schimpfend in angenehm fieser Deathcore-Tonlage direkt durch die Mitte und versenkt das Leder mit einem wuchtigen Flugkopfball! Hier täuschte die vermeidlich defensive Aufstellung der seit 1998 aktiven Truppe, die ihre personelle Unterzahl durch das hohe Maß an Geschwindigkeit locker wett macht. Also erneuter Anstoß für RAPTURE, die bei „After the bridge“ ihre Strategie vom Anfang zwar beibehalten, diesmal aber doch etwas zielstrebiger zu Werke gehen. Vom Mittelpunkt weg geht es diesmal treibender in Richtung Kasten des Gegners. Man lässt durch die vielen Tempowechsel Spielfreude aufblitzen und baut sich so durch die mächtigen Deathmetal-Shouts der beiden Stürmer am 16 Meter Raum auf. Die Thrashmetal-Riffs machen den Weg nach vorne frei, so dass das Solo gegen Ende das Ding nur noch reinschieben braucht. Drin die Pille! Der durchdachtere Spielaufbau steht den seit 1992 aktiven Münchenern deutlich besser zu Gesicht und lässt sie somit auch punkten.

Folgerichtig steht es nach der ersten Halbzeit also 1:1, schauen wir mal, was die uns bei der zweiten Hälfte der sechs Kompositionen noch erwartet. Nun müssen MY COLD EMBRACE zeigen, dass sie nicht nur Kontern können, denn sie sind mit „Ra/upture“ nach dem Wechsel in Ballbesitz. Diesen nutzen sie zu einem schnellen, aber nicht unkontrollierten Spielaufbau, den sie genau so mit Blastparts wie mit Melodien anreichern. Durch eifriges Headbangen dominiert man auch den Luftraum, womit man den im Ansatz an BLACK SABBATH erinnerndem Riffing eine perfekte Vorlage gibt… doch der Schiri pfeift ab. Die Vorgehensweise war der bisherigen Spielweise etwas zu ähnlich, so dass die Abseitsfalle in diesem Fall problemlos eingesetzt werden konnte. Die eine oder andere Finesse hätte die Abwehr vielleicht aus dem Konzept bringen können, obwohl der Treffer als solcher sicher verdient gewesen wäre. So also noch einmal die Chance für RAPTURE mit „Fed with hate“ (eine Neuauflage der Originalaufnahme von der „Nebula“ EP aus dem Jahr 2000) den Sack zuzumachen. Wieder der behäbige Beginn, man will wohl lieber auf Nummer sicher gehen. Sprachgesang zu stockender Saitenarbeit, dann aber traut man sich doch wieder zumindest ein wenig aufs Gas zu drücken. So trägt man die Kugel wieder irgendwie Richtung Tor, bis aus den Tiefen des Feldes auf einmal der Groove angestürmt kommt und die Murmel irgendwie über die Linie stolpert! Auf seine Weise hatte das etwas! In den Schlussminuten des Letzten Songs „Hausgeister (Remix Version 2009)“ (das Original gibt es auf dem gleichnamigem Album von 2008) hat also MY COLD EMBRACE noch einmal eine Chance zum Ausgleich. Dass sie diese nutzen wollen, merkt man sofort, so startet man nochmal einen deutsch getexteten Sturmlauf und holt sich als Verstärkung mal eben mit Heath Ledger aka. „Der Joker“ aus „Batman – The Dark Night“ einen Starspieler aufs Feld. Das Sprachsample bringt nochmal frischen Wind in die Begegnung und überrumpelt damit die gegnerische Abwehr, so das mit dem Schlusspfiff nach fast 23 Minuten ein 2:2 Unentschieden als Endstand verbucht werden kann.

Ein Ergebnis, mit dem beide Mannschaften sicherlich gut leben können. RAPTURE haben nach einem etwas strauchelndem Anfang doch noch gut ins Spiel gefunden und mit ihrer Mischung aus Thrash und Death, gepaart mit gewöhnungsbedürftigen Breaks und nicht gerade alltäglicher Vocal-Arbeit ihre eigene Taktik durchgesetzt, die man so nicht von vielen anderen Teams kennt. MY COLD EMBRACE haben eher auf altbewerte Strategien gesetzt, konnten damit und ihrer langjährigen Erfahrung aber wieder einmal ihrem Ruf als „Death Metal Legion Cassel“ gerecht werden. Allein die Übertragung hätte qualitativ etwas besser ausfallen können, diese ist nämlich etwas dumpf in der Produktion geraten. Aber so ist das halt im Underground, in dem sich MY COLD EMBRACE auch bemerkenswerter Weise selber halten, in dem sie jegliche Plattenverträge und ähnliche Chancen für den ganz großen Durchbruch bereitwillig abblockten. Das verdient Anerkennung. Die haben sich beide Truppen aber auch mit dieser EP verdient, so dass sich jetzt beide freudig in den armen liegen können. Und trotz des Unentschiedens gibt es hier doch noch einen Gewinner – und das sind die Fans, die ein Faible für Untergrund-Metal haben.

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