Band Filter

MYLÈNE FARMER - Timeless 2013 Le Film (2-DVD)

VN:F [1.9.22_1171]
Artist MYLÈNE FARMER
Title Timeless 2013 Le Film (2-DVD)
Homepage MYLÈNE FARMER
Label UNIVERSAL FRANCE
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
10.0/10 (4 Bewertungen)

Wenn die Erinnerung nicht trügt, ist „Timeless 2013 Le Film“ der erste Konzertmitschnitt eines Auftritts von MYLENE FARMER, bei dem die DVD (bzw. vor einigen Jahren noch die Videocassette) erst über ein halbes Jahr nach der CD erschienen ist. Grund dafür ist, dass der Konzertfilm diesmal für kurze Zeit in verschiedenen französischen Kinos gezeigt wurde. Ja, ich weiß, wer hierzulande Frau FARMER und ihre Musik mag, der kann da schon neidisch werden und sich nur mal wieder darüber beklagen, dass ein französischer Superstar von den deutschen Medien praktisch komplett ignoriert wird, obwohl Frau FARMER viel näher liegt als beispielsweise Madonna – und (wenn wir schon bei dem Vergleich) obwohl die gute MYLENE Erotik pur ausstrahlt, während bei Madonna die Erotik vor Jahrzehnten auf der Strecke geblieben ist und sie bestenfalls Sex als Hochleistungssport ausstrahlt (also in etwa so wie Rihanna, nur dass bei ihr auch noch die Musik auf der Strecke geblieben ist). Aber… ich schweife ab.

Zurück zum Thema: MYLENE FARMER und ihre Live-DVD „Timeless 2013 Le Film“. Rund zwei Stunden lang erlebt man einen Auftritt während ihrer letztjährigen Tour, was wie immer ein Erlebnis ist, nicht nur akustisch, sondern auch visuell. Nachdem ihre Konzerte von Tournee zu Tournee immer aufwendiger und spektakulärer wurden, dass das Auge des Zuschauer schon nach kurzer Zeit überfordert war, stand bei der 2013er Tour zu befürchten, dass sie diesmal noch mehr auf die Bühne zu bringen versuchen würde (auch wenn man sich ein Mehr nicht hätte vorstellen können). Das erfreuliche Fazit nach der ersten Viertelstunde ist, dass Frau FARMER eine Kehrtwende vollzogen und ihre Show abgespeckt hat – ein Eindruck, der bis zum Schluss nicht widerlegt werden soll. Zwar gibt es immer noch einige Kostümwechsel, aber auf der Bühne wird sie jetzt durchgängig von nur sechs Tänzern begleitet (in Kostümen von Jean-Paul Gaultier – muss ich noch mehr sagen?), während die Band zwar auch auf der Bühne ist, aber dezent im Hintergrund bleibt. Gar nicht im Hintergrund bleibt dagegen eine Truppe Industrieroboter, die man in Aktion gesehen haben muss, um zu verstehen, wie es den Programmierern gelingt, diese Roboter tanzen zu lassen, die eigentlich jeder nur aus einem Roboterarm bestehen. Heimlicher Höhepunkt der DVD ist dann auch das „Timeless Ballet“, bei dem ausschließlich fünf Industrieroboter auf der Bühne stehen und auf eine Weise tanzen, bei der Kraftwerk vor Neid erblassen dürfte. Die hatten zwar schon früher Roboter auf der Bühne stehen, aber die Hütter & Co-Doppelgänger sehen im Vergleich zum FARMER-Konzert verdammt alt und vor allem lahm aus.

Was auf CD nicht allzu mitreißend klingt, ist auf DVD ein Erlebnis, bei dem man zwei Stunden lang nicht den Sessel verlassen will. Durch die Zurückhaltung in Sachen Effekte kommen die Songs viel besser zur Geltung, und es ist einfach ein Vergnügen, MYLENE FARMER allein auf der Bühne zu erleben. Die präsentiert einen Querschnitt ihres Schaffens, ohne dabei das letzte Album „Monkey Me“ allzu sehr in den Mittelpunkt zu rücken. Die Mischung ist wie immer gelungen, allerdings ist die Reihenfolge nicht immer so, wie man sie sich wünschen würde, denn zu viele ruhige und sehr langsame Stücke hintereinander lassen zwar Frau FARMERs Stimme schön zur Geltung kommen, aber das ist nach einer Weile doch ein wenig zu viel der Balladen. MOBYs Gastauftritt bei „Slipping Away“ spielt sich nur auf der riesigen Videowand ab, während Gary Jules persönlich anwesend ist, um bei „Les Mots“ den Part von Seal zu übernehmen. Warum um alles in der Welt er aber seine Gleich-muss-ich-mich-umbringen-weil-ich-so-deprimiert-bin-Version von „Mad World“ zum Besten geben darf, bleibt ein Rätsel (auch wenn im Gegensatz zur CD hier erkennbar wird, dass MYLENE ihn bei dem Stück stimmlich leicht unterstützt). Allerdings ist das nicht das erste Mal, dass Frau FARMER sich einen Gesangspartner auf die Bühne holt, der bei ihren Alben keine Rolle spielt. Bei „Live à Bercy“ war es der algerisch-stämmige Superstar Khaled, mit dem zusammen sie „La Poupée qui fait non“ sang, ein bis heute unerreichtes Duett.

Erfreulicherweise erhält man bei der in einem luxuriös gestalteten Buch verpackten DVD auch noch eine Bonus-Scheibe mit zwei Stunden Material, das neben dem obligatorischen Blick hinter die Kulissen neben vielen anderen kleinen Filmen auch eine Dokumentation über die Roboter enthält. Einziger Wermutstropfen: Die an Besessenheit grenzende Vorliebe der Franzosen, auf französischen DVDs die Untertitelung nur in der Landessprache anzubieten, nicht aber wenigstens auch noch auf Englisch. Dass man mit dieser Methode um einige lukrative Absatzmärkte bringt, scheint nicht zu interessieren. Aber im Gegensatz zu Filmen und Serien kommt man bei den Dokumentationen auch ohne „außerfranzösische“ Untertitelung zurecht, denn durch die Bilder zum Text erklärt sich vieles von selbst.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

MYLÈNE FARMER - Weitere Rezensionen

Mehr zu MYLÈNE FARMER