Band Filter

Request did not return a valid result

NACHTMAHR - Alle Lust will Ewigkeit

VN:F [1.9.22_1171]
Artist NACHTMAHR
Title Alle Lust will Ewigkeit
Homepage NACHTMAHR
Label TRISOL
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
4.2/10 (9 Bewertungen)

Quo Vadis Gothic Szene? Seit geraumer Zeit ist insbesondere im Electro Bereich eine Tendenz hin zum Oberflächenreiz erkennbar. Grelle Töne, Provokation ohne Substanz, stumpfe Beats. Man schaue sich nur mal die Online-Community „Schwarzes Glück“ an, welche auf zwischenmenschlicher Ebene all diese Facetten „aufs Beste“ widerspiegelt. NACHTMAHR ist ein Synonym für diese Entwicklung. Das „Hellectro-Projekt“ von Thomas Rainer (L`ÂME IMMORTELLE) ist im Grunde nur als reines Trash-Produkt zu ertragen und ich hoffe, der Wiener sieht das in der Tiefe seines Herzens genauso. Ansonsten müsste man einiges monieren.

Ein Artwork, das zwar qualitativ (TRISOL-typisch) gut ausschaut, aber nur Stereotypen bedient, die lediglich schwarz-gewandete Teenie-Grufties noch „cool“ finden dürften. Waffen, Titten, schlaue Sprüche – böse böse und ach so innovativ. Wo Vorbilder wie FEINDFLUG Kriegsmaschinerie noch mit einer konzeptionellen Philosophie füllen können, wird hier das ganze im Sandkastenformat präsentiert. Und die musikalische Seite sollte man vor lauter Körperflüssigkeiten nicht außer Acht lassen, hier orientiert man sich am momentan so angesagten Ufta-Club-Electro, den Kollegen wie STRAFTANZ oder AGONOIZE „perfektioniert“ haben. Wenn man denn wenigstens deren Niveau erreichen würde… Dabei fängt es mit dem Titeltrack noch überraschend interessant an, hier erinnert der Sound gar an alte Kaschte/ WEENA MORLOCH-Taten. Doch danach geht es (fast) nur noch Bum Bum, ab nach vorne, böse Samples ausgesucht und in den Verzerrer krakeelt. Dabei lässt man lyrisch kein Klischee aus. Der „Tanzdiktator“ mit seinem abgedroschenen „Links 2 3 4“ (remember RAMMSTEIN?) dürfte zwischen besseren Tracks zumindest dafür sorgen, dass die Neonfarbenen Bonbontüten die Dancefloors nicht ad hoc verlassen. SM („Sklave“), Religion, Sex, SEX („Weil ich’s kann“ – beantwortet übrigens auch perfekt die Frage, warum NACHTMAHR überhaupt veröffentlichen dürfen) und besonders ärgerlich die Borderliner-Thematik bei „Klingen“. Ein ausschweifender Monolog über die Praktiken einer Selbstzerstörerin wirkt eher glorifizierend denn als Warnung, inhaltlich in irgendeiner Art und Weise gedeckt ist das Ganze zu keiner Zeit. Ich sehe schon die eine oder andere labile 14-Jährige vor mir, die zu diesem Stück Blutsuppe löffelt. Dabei dienen die Samples vor allem der Identifikation des Liedgutes, das ansonsten monotone Standards bedient. Lediglich „War on the Dancefloor“ kann noch mit etwas mehr Ausgefeiltheit überzeugen.

Live ist die ganze Chose aufgrund der optischen Reize durchaus ein „guilty Pleasure“, in den einschlägigen Clubs fallen die Einheitskompositionen nicht weiter auf, aber der Genuss in den eigenen vier Wänden ist eher eine Qual, die zum Glück nicht die titelgebende Ewigkeit währt. Ich vermute, NACHTMAHR ist ganz einfach ein Spaß, eine Persiflage, eine Hormonsause für den schrägen Austro-Musiker, dem man die Lust auf Sex und Gewalt im Grunde genommen nicht übel nehmen kann. Sollte es anders sein, würde ich mir ernsthaft Sorgen machen…

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

NACHTMAHR - Weitere Rezensionen

Mehr zu NACHTMAHR