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NEAL MORSE - ? Live (2-CD)

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Artist NEAL MORSE
Title ? Live (2-CD)
Homepage NEAL MORSE
Label RADIANT RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Als NEAL MORSE 2002 kurz nach dem Erscheinen von SPOCK’S BEARDs „Snow“ die Band verließ, brach für mich eine musikalische Welt zusammen. Wie konnte das sein? Das größte Prog Rock Album nach „The Lamp lies down on broadway“ (GENESIS 1975) erschaffen und dann das. So einen Schock hatte ich seit dem Ausstieg Fishs von MARILLION (15 Jahre vorher) nicht mehr verdauen müssen, nur dass dieser nicht so nachhaltig sein sollte. Viel wurde gemutmaßt, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass Morse mit den BEARDS und zusätzlich TRANSATLANTIC praktisch 2 Alben pro Jahr auf den Markt warf. Zwischenzeitlich war er dann mit einer der beiden Bands auf Tour, was retro-perspektivisch als Sinnsuche zu deuten ist.

Dann kam der besagte Split, mit der Begründung, dass Gott andere Pläne mit ihm hätte. Nun, schmunzeln konnte der eine oder andere Atheist sicherlich, nur irgendwo muss der Mann seine Kraft ja herholen, und wenn das Gott ist, so will ich es als Katholik ihm zugestehen. Wenn man nun glaubte, dass sich Morse im Talar in die dritte Welt begeben würde, so war man zunächst einmal Lügen gestraft, denn jeder von uns ist sein Ziel. Er ist der Prediger des Progs und zelebriert dies auch. Die christliche Geschichte ist umsäumt von großen Geschichten und endlosen Gleichnissen, deren Anwendung wir entweder ablehnen oder als wenig aktuell empfinden.

Kern dieser Live CD sind die Soloalben „?“ und „One“. „?“ basiert auf der kirchlichen Geschichte des Tabernakels, während sich CD 1 „One“ widmet, das die Beziehung zwischen Gott und Menschheit aus der christlichen Perspektive reflektiert und sich dabei das Gleichnis des verlorenen Sohns zu Nutze macht. Oberflächlich gehört ist das Doppelalbum eines der besten SPOCK’S BEARD-Werke aller Zeiten, wo sich mal wieder die Frage stellt, war erst das Ei oder das Huhn zugegen?. Highlights der ersten CD sind „The Temple of the Living God” oder das herrlich pathetische “Solid as the Sun”, was dem ganzen neben allem Gutmenschtum auch mal Eier verpasst.

CD 2 eröffnet dann mit der vollen Progrockkeule „The Creation“ und lässt keinen Zweifel zu. Hier zelebriert der Hohenpriester des Prog. Während die erste Scheibe manchmal noch mit ganzen Chören und fast sakralen Gesängen daher kommt, ist Teil 2 das gefeierte Hochamt. „King Jesus“ klingt so positiv und musikalisch herzöffnend, dass man sich schon zurücknehmen muss, damit man seinem Nebenmann nicht sogleich sein Auto schenkt. Dann als Zugabe doch noch für alle Fans der ersten Stunde ein 20 Minütiges SPOCK’S BEARD Medley. Ein Happy End mit Stil.

Dieses Album ist natürlich etwas für Nerds des alten progressiven Stiles und weit davon entfernt, so cool wie TOOL oder technisch ausufernd wie MARS VOLTA zu sein. Es ist jedoch mehr als eine Werkshow, es ist eine öffentliche Seelenausschüttung. Dieser Mann ist so sympathisch und trägt eine Aura, dass mancher SLAYER Fan wahrscheinlich sogleich Blut spuckt, wenn er sich in diese begibt. Es ist halt uncool Christ zu sein und dieses Album glaubt an sich! Meinen Segen hat es…

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