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NEW MODEL ARMY - Carnival (Redux)

Artist NEW MODEL ARMY
Title Carnival (Redux)
Homepage NEW MODEL ARMY
Label EAR MUSIC
Leserbewertung

NEW MODEL ARMY sind eindeutig ein wesentlicher Teil meiner musikalischen Sozialisation. Was schon darin begründet liegt, dass Justin Sullivan und seine Mannen regelmäßig zu Gast in meiner Osnabrücker Stamm-Disse, dem legendären Hyde Park, waren. So durften die Jungs aus Bradford/UK etwa im Sommer 2000 beim Richtfest der damals im Bau befindlichen Location auf der rechten Seite des Fürstenauer Wegs spielen. Der Park war noch ein Rohbau und NEW MODEL ARMY haben unter freiem Himmel in dem Gebäude gespielt, das immer noch an das Zirkuszelt erinnert, das Jahre zuvor auf der anderen Straßenseite für Furore sorgte. Songs vom Album „Carnival“ werden NMA damals nicht gespielt haben, denn die Scheibe ist erst fünf Jahre später in die Plattenläden gekommen. Zu diesem Zeitpunkt gab es die Band bereits seit 25 Jahren; jetzt haben die Herrschaften „Carnival“ noch einmal überarbeitet und um vier weitere Tracks (B-Seiten und bisher unveröffentlichte Stücke) ergänzt. Die Band übergab die Originalaufnahmen an Lee Smith, dem Co-Produzenten und Mixer ihrer neusten Werke, inklusive dem letztjährigen Erfolgsalbum „From Here“, mit dem NMA ihre bislang höchste Chartplatzierungen in Deutschland (#6) und Großbritannien (#13) erzielten, und „Carnival“ wurde neu geboren. Mit einem Sound, der deutlich schärfer, definierter, kraftvoller und zusammenhängender ist als beim erstmaligen Erscheinen 2005.

Passenderweise startet „Carnival“ nach wie vor mit einer Geburt, denn der Opener „Water“ beginnt mit Ultraschallgeräuschen von Michael Deans erstem Sohn. Derweil endet die Platte mit dem Tod, denn das finale „Fireworks“ ist dem ehemaligen Schlagzeuger Robert Heaton gewidmet, der 2004 während der Albumaufnahmen verstorben ist. Doch die Reihenfolge der Stücke wurde durch die vier zusätzlichen Titel und die neue Dynamik des Materials dennoch stark verändert. „Rumour And Rapture 1650“ wurde von Sullivan für die Theatertour von „Freeborn John“, dem Konzeptalbum von REV HAMMER, geschrieben und erzählt die Geschichte eines desillusionierten Soldaten der Parlamentsarmee. Das reduzierte „Caslen (Christmas)“ wurde zunächst instrumental auf der Akustikgitarre eingespielt und nun mit einem Text des Fronters erweitert. „One Bullet“ und ‚Stoned, Fired And Full of Grace‘ sind Fans der Band als Live-Akustik-Songs bekannt, doch sie kommen auf „Carnival“ jetzt als bisher unveröffentlichte, temperamentvolle Versionen zum Einsatz, die von der gesamten Kapelle eingespielt wurden. Zudem widmen sich NEW MODEL ARMY auf „Carnival“ weiteren, vielseitigen Themen: Das explosive „Red Earth“ ist inspiriert von ihrer Reise nach Afrika im Jahr 2004, während das fesselnde und vom Hip Hop beeinflusste „Another Imperial Day‘“ eine frühe Studie der Flüchtlingskrise darstellt und die Bradford Riots von 2001 im nachdenklichen Lied „Carlisle Road“ aus der ungewöhnlichen Perspektive eines amtsmüden Polizisten thematisiert werden. „Bluebeat“ besticht durch den originell-experimentellen Einsatz von Orchesterklängen und „Too Close To The Sun“, „BD3“ sowie „Island“ durch hämmernde Rhythmen.

Ganz im Sinne des Leitmotivs der Neuerfindung hat Joolz Denby, Künstlerin und langjährige Weggefährtin der Band, das 2005er Album-Cover sowie weitere Illustrationen für diese Neuauflage überarbeitet. Außerdem ist „Carnival“ nicht nur als limitierte CD Hardcover Media Book Edition erschienen, sondern – zum ersten Mal überhaupt – auf Vinyl. Und zwar in einer streng limitierten 180g Doppel-LP Gatefold Edition, gepresst auf weißem Vinyl. Justin Sullivan sagt über „Carnival“: „Wir sind uns bewusst, dass es für eine Band gefährlich sein kann, sich ‘rückwärts‘ zu bewegen, deswegen haben wir uns die Regel auferlegt, dass wir niemals Neuaufnahmen machen würden, und daher Lee gebeten, aus den originalen Multi-Tracks einen neuen Mix zu erstellen. Manche Songs haben sich ein wenig verändert, andere sehr viel. Unserer Meinung nach hat es funktioniert. Die grundlegenden Qualitäten des Albums wurden verstärkt und erweitert und so sind die damaligen musikalischen Ideen zu guter Letzt in einem für uns klanglich befriedigenden Rahmen arrangiert. Wir hoffen es gefällt euch.“. Ich für meinen Teil bin begeistert von „Carnival (Redux)“ und vielleicht liegt Justin richtig, wenn er meint, dass NEW MODEL ARMY mit Chris Tsangarides den falschen Produzenten damals den falschen Produzenten hatten, um das Chaos zu lenken, in dem sich die Band seinerzeit befand. Lee Smith hat zweifellos einen guten Job gemacht und ich hoffe, dass ich NMA im kommenden Jahr wieder im Park live erleben kann, nachdem der Gig zum. Bandgeburtstag in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste. Für den 30. Juli 2021 haben sich die Briten angekündigt. Das wäre dann genau sechs Jahre nach ihrer letzten Stippvisite und fast auf den Tag genau 21 Jahre nach dem legendären Richtfest-Auftritt. Und dann vielleicht auch mit „Carnival“-Liedern…

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