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NEXT LIFE - Artificial Divinity

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Artist NEXT LIFE
Title Artificial Divinity
Homepage NEXT LIFE
Label FYSISK FORMAT
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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5.5/10 (2 Bewertungen)

Hinter jedem so genannten Genie steckt oft ein absoluter (Musik-) Nerd… klingt nach Vorurteil, findet jedoch im Falle von Hai Nguyen Dinh abermals volle Bestätigung. Der Kopf des Computer-Hardcore-Projekts NEXT LIFE hat im Laufe seines musikalischen Werdegangs nicht nur diverse Male Videospiel-Soundtracks mit seinem Faible für digitale Klangprodukte bereichert, er ist vom virtuellen Spiel an sich ähnlich begeistert, sieht man ihn in einem Interview mit „arte“ doch vertieft in seine PSP nur halb anwesend auf die gestellten Fragen antwortend. Dass er in derselben Sendung in einem Zuge mit KILL und SUNN O))) präsentiert wird, passt ebenso ins Bild, denn der aus Norwegen operierende „Kindskopf“ folgt den Genannten mit seinem verqueren, unverschämt experimentellen Sound in entfernte Sphären, die dem Konsumenten leichter bis mittlerer Kost quasi die Tür vor der Nase zuschlagen.

Einzig bei der Wahl der Artworks, die jedes Mal in drei unterschiedlich gestaltete Abschnitte zerlegt sind, zeigt Dinh eine simple Konstanz. Doch abgesehen von dem Cover hat das dritte NEXT LIFE-Album „Artificial Divinity“ an Konventionen nur die grundsätzlichen Regeln des Gitarren-Hardcores zu bieten, die mit dem Repertoire an Nintendo-Themen anschließend hemmungslos gepaart werden. Passend zum harten 8-Bit-artigen Sound hacken abgestoppte Riffs starr auf den Controller ein, im Sog der überzogenen Elektronik wird hingegen geschrubbt, was das Zeug hält, oder eben die Saiten hergeben. Wahre Endboss-Kompositionen erwachsen hier, die den einen oder anderen Supernintendo-Veteranen sicherlich für ein paar Minuten zurück in die eigene Kindheit schicken… insofern man denn auf nervöse DILLINGER-Konstrukte klarkommt. HORSE THE BAND sind auf die Kombination von Computer und Klampfe bezogen sicherlich auch einen Vergleich wert, obgleich es NEXT LIFE gänzlich an Gesang fehlt und die Laufzeiten mit durchschnittlich 90 Sekunden für ein solch experimentelles Gemenge geradezu erbärmlich kurz erscheinen. So stark dezimiert hat man an dem Gewirr ganz schön zu beißen, auf der anderen Seite würde es lang gezogenen Stücken dieser Art sicher an Intensität fehlen. Viel länger hält man das eh nicht aus. Der verstörend atmosphärische Mittelteil hingegen, beginnend mit „Nuclear Winter“, hätte sicherlich mehr Raum zum Atmen benötigt, um die volle Wirkung des mysteriös pochenden, schwer beladenen Drone-Intermezzos (SUNN O))) lassen wieder grüßen) zu entfalten. So wird man mit Wucht in dieses düstere, unbekannte Terrain geworfen, nur damit man nach kurzer „Erholung“ wieder elektronisch zermahlen wird, bevor man sich überhaupt halbwegs mit der neuen Umgebung vertraut machen konnte. Ganz spurlos ist sie aber doch nicht am Gemüt der Scheibe vorbei gezogen, knacken „Infinite Time“ und „Divine Encounter“ doch endlich mal die 2-Minuten-Marke! Zu hören sind neben dem üblichen kantigen, wahrscheinlich gewollt ab und an holprigen Irrfahrten, den Bowser-Orgeln und unzähligen weiteren Gimmicks, Melodien, die einfach wie effektiv das nun ebenfalls auf ein verträgliches, aber pushendes HC-Level reduzierte Geschranze wohltuend erweitern. Aus Sicht des Songwritings sicherlich die Höhepunkte der Platte.

Letztendlich ist es aber natürlich die völlig schräge Inszenierung der Elektronik, die hier die Genialität von NEXT LIFE ausmachen soll. Ob dafür nun Kunst oder Quatsch die treffende Bezeichnung ist, kann man und will ich auch im Zuge dieser Rezension nicht beantworten. Meiner Meinung nach ist „Artificial Divinity“ knapp bemessen, hätte der Atmosphäre zuliebe sicher hier und da ein paar Minuten mehr vertragen können, aber irgendwie hat die Nerven aufreibende Turbulenz, durch die man hier in Windeseile gescheucht wird, in ihrer Kürze auch irgendwo einen besonderen Reiz. „Game Over“ heißt es für Hai Nguyen Dinh bei dem nicht abreißenden Ideenfluss, in den er sich da fieberhaft vertieft, sicherlich noch lange nicht, und so kann man sich als Hörer entweder schon auf den nächsten mindfuck freuen, oder sich verstört und entnervt die schmerzvoll dröhnende Rübe mit seichten Tönen freispülen.

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