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NICOFFEINE - Au Revoir Golden Air

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Artist NICOFFEINE
Title Au Revoir Golden Air
Label BLUNOISE RECORDS
Leserbewertung
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6.2/10 (10 Bewertungen)

Alle unter Euch, liebe Leser, die dachten, dass Protagonisten vom Schlage DON VITO oder auch THE HIRSCH EFFEKT wahlweise beeindruckend wahnsinnig oder auch komplett durchgeknallt sind, dürfen sich ab sofort eines Besseren belehren lassen. Achtung, warm anschnallen, hier kommen NICOFFEINE aus Mönchengladbach und präsentieren ihr neues Machwerk „ Au Revoir Golden Air“.

Selten wurde wohl ein Album passender betitelt als dieses hier. Denn mit „Golden Air“ hat das, was das niederrheinische Trio hier zu Gehör bringt, in etwa so viel zu tun wie Crystal Meth mit ausgewogener Ernährung. Es dauert geschlagene zwei Songs, die man überstehen muss, ohne die unwiderstehlich lockende Eject-Taste zu drücken, bis man, selbst als Musiker, so etwas wie Songstrukturen in dem scheinbar komplett unorganisierten Geräusch ausmachen kann. Diese besagten Strukturen beschränken sich dann allerdings auch auf einen durchgehend erkennbaren Rhythmus, der selbstverständlich von konsequenten Disharmonien begleitet wird. Das darf man sich dann in etwa so vorstellen, wie die dissonantesten Momente gegen Ende eines NIRVANA-Demosongs. Aber man ist, angesichts dessen, was man bereits überstanden hat, bereits dankbar für jeden noch so kleinen Moment, der mit so etwas wie Musik im gebräuchlichen Sinne angefüllt ist. „Wenn es zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es nicht wahr“ betiteln NICOFFEINE den fünften Track des Albums, und bezeichnenderweise bricht in diesem tatsächlich so etwas wie Wohlklang aus der „liebevoll präsentierten Baustelle“, von der im Promo-Waschzettel die Rede ist. Der Terminus Wohlklang im Zusammenhang mit „Au Revoir Golden Air“ ist natürlich differenziert zu betrachten. Das macht einem spätestens der „Sunstudio Wizard“ unmissverständlich klar, der gleich im Anschluss seinen bösen Zauberstab schwingt, bevor mit dem knapp 14-minütigen Titelsong das Album seinen fast jazzig-ruhigen, katharsischen Abschluss findet. Ein Album, was psychisch labile Menschen unter Garantie an den Rand des Wahnsinns und knapp darüber hinaus bringen wird. Selbst erfahrene Grenzgänger in Sachen schräger Töne werden hier auf eine harte Probe gestellt.

Ist das nun alles noch Musik, oder eben doch nur eine, immerhin technisch versiert dargebotene, unverfrorene Lärmorgie? Eine Frage, die sich wohl jeder, der sich traut, am Ende selbst beantworten muss. Ich persönlich habe dazu zwar eine Meinung, die aber zu subjektiv ist, um hier vertreten zu werden. Zweierlei muss man den drei Herren aber in jedem Fall zugestehen: Erstens verstehen sie als Musiker etwas von dem, was sie da tun, und zweitens gewinnen sie den Award für die gelungensten Songtitel des Monats. Alles weitere liegt im Auge, oder besser im Ohr, des Betrachters.

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