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NINE INCH NAILS - Year Zero

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Artist NINE INCH NAILS
Title Year Zero
Homepage NINE INCH NAILS
Label INTERSCOPE RECORDS
Leserbewertung
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8.0/10 (1 Bewertungen)

Keine zwei Jahre hat es gedauert, bis „Year Zero“ vorliegt – für Trent Reznor eine äußerst kurze Pause zwischen seinen Veröffentlichungen. Aber es war ja noch Material vom Vorgänger zugegen, welches wohl nicht ins Konzept gepasst hat. „Konzept“ ist wohl auch eines von Reznors Lieblingswörtern. Klagten Fans nach „With Teeth“ über den Verkauf an den Mainstream, übersah man dabei wohl, dass dieser Mann Industrial- und Noise spätestens mit „Wish“ zum Mainstream gebracht hat – oder kam der Mainstream zu Ihm? Man weiß es nicht so genau, wohl auch Reznor nicht. Der verbringt ja auch seine Zeit damit, sich Verschwörungstheorien über die nicht allzu ferne Zukunft auszudenken und möchte damit wohl die erst seit kurzem fehlenden Drogen in seinem Blutkreislauf kompensieren. Die sieht er aber schon bald ins Leitungswasser eingespeist als Kontrollmittel für die Bevölkerung. Dabei war das erste Puzzleteil in Reznors Konzept ein USB-Stick, der seine Internetgemeinde intensivst und mindestens ebenso verschwörerisch wie seine Theorien nach Hinweisen auf „Year Zero“ suchen ließ. Eine geniale Strategie – unterstützt von interaktiven Websites wie securebroadcastinformations.org und Reznors Visionen wird das neue Album zum virtuellen und verstörenden Erlebnis. Da wundert schon gar nicht mehr, dass die Scheibe am Freitag, den 13. erschien.

Reznor lässt uns in seine albtraumhafte Sci-Fi Welt à la „Matrix“, „Sie leben“ & Co taumeln, knallt uns Gewalt- und Terrorsounds ins Gehör und injiziert uns mit „Beginning of the end“ sein Gegenmittel zu den vom Staat verabreichten Drogen. Mitstreiter und Prediger Saul Williams ist der Bruder im Geiste und impft mit Reznor den „Survivalism“ ein. All die Dekadenz, all der unkontrollierte Konsumwahn lassen uns blind sein für den wachsenden Totalitarismus im Staat. Tempopitchende Soundwälle brechen des Gehirns letzten Schutzwall und bringen die Reznor-Gehirnwäsche in Gang – die auch den „The Good Soldier“ verführt. Ein Groove und himmlische Synthies lassen die Eiseskälte im Handeln der Tötungsmaschine schwinden. Offenbaren aber auch Schwächen im Songwriting von Reznor, über die ein gigantomanisches Riff pflügt. Kalte, klotzende Drums und Effekthascherei sind die Elemente die „Vessel“s Netzwerkmatrik installieren, die pulsierende Herzschrittmachermaschinerie von „Me, I’m Not“ in Gang setzen und das Ich schwinden lassen. Beschwörerisch, erschöpft kämpft man dagegen an und fällt in das bodenlose Loch, das verzerrt eine schönere Welt suggeriert. Reznor widersetzt sich der totalitären Kontrolle und formt seinen Widerstand – den aber gerade „Capital G“ schwinden lässt. Im hypnotischen, motorischen Gleichschritt marschiert dieser wummernde Industrialbrocken in die angeklagte selbstgerechte Belanglosigkeit. Eine Verschwendung der Drumkünste von Josh Freese – Reznors Opfer an den Konsum. Das registriert man aber schon gar nicht mehr – die Apokalypse ist im Gang und Trents Fragen herausfordernd. Der Unterhaltungssucht auf der Tanzfläche frönend konfrontiert uns „Wait“ mit poppigen Beats und Gottes Wort. „Zero Sum“ stellt das ganze Sein in Frage – lässt die Philosophen des Landes am Geheimnisse verbergenden Piano und den flüsternden Stimmen verzweifeln.

Die Soundfrickeleien werden intensiver, lassen eine Ameisenarmee einen Terroranschlag in der heimischen Mikrowelle durchführen, während das letzte bisschen Erinnerung APHEX TWIN ins Gedächtnis ruft. Reznor bringt seine eigene Kakophonie in Gang, klirrend wie Glas brechende Riffs. Erzitternde und erschütternde Keyboards, entgleisende Basteleien als Fräswerkzeug für die stets unglaubliche Rhythmik, welche das Album durchzieht, wie ein Wurmvirus das Internet. Reznor zaubert auf „Year Zero“ immer dann, wenn ihm anscheinend die Ideen am Laptop ausgegangen sind, diese düster bedrohliche Atmosphäre, welche plötzlich zum Opfer seiner Droge werden lässt. Schon ist man wieder gefangen im ewigen Kreislauf der Bewusstseinskontrolle… zu spät um zu erfassen, dass es der Mastermind selbst ist, der uns kontrollieren will. Er lässt unser Gehirn arbeiten, denken und sich verknoten, aber dennoch willenlos gegen seine Kontrollmacht der Musik sein. Bereit für das „Year Zero“?!?

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