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NOBLESSE OBLIGE - Privilege Entails Responsibility (Re-Release)

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Artist NOBLESSE OBLIGE
Title Privilege Entails Responsibility (Re-Release)
Homepage NOBLESSE OBLIGE
Label REPRO RECORDS
Leserbewertung
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Da haben aber mal zwei die maximale Wiedergabekapazität einer CD ausgenutzt. Satte 79:59 Minuten Musik in 22 Songs haben Valerie Renay und Sebastian Lee Philipp aka NOBLESSE OBLIGE auf einen Silberling gepresst. Das 2004 gegründete Musikprojekt einer französischen Schauspielerin/ Sängerin sowie eines deutschen Songwriters und Produzenten hat bereits zwei Alben veröffentlicht und im Grunde genommen bezieht sich die aktuelle VÖ genau darauf.

Denn die zwölf Songs stellen eine Wiederveröffentlichung des 2006er Debüts „Privilege Entails Responsibility“ dar, das seinerzeit nur in Großbritannien in die Läden gekommen und restlos vergriffen ist. Mit der Neuauflage sind jetzt frühe Clubhits des Duos wie das treibende „Bitch“, das provokante „Daddy (Don’t Touch Me There)“ und das an den „Alabama Song“ der DOORS erinnernde „Offensive Nonsense“ wieder zu haben. Mit diesen Nummern konnten sie im Electro-Indie-Bereich einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen, aber NOBLESSE OBLIGE decken ein viel breiteres musikalisches Spektrum ab. Der Opener „Caligula“ bietet neben kühlen E-Sounds Prokefiev-Streicher und verzichtet dafür auf Gesang, wenig später jagen bei „Bite Back“ auch mal härtere Klänge durch die Boxen, bevor „Nervous“ basslastigen Gothic-Blues ins Rennen schickt. Herzschlag-Beats eröffnen „Was keine Zeit zerstöret“, für die Sebastian Lee Philipp den verstörenden Gesang zur Gänsehaut-Instrumentierung übernimmt. Im Anschluss gibt es mit „Quel Genre de Garcon“ französischen Electro-Chanson, der mich vergessen lässt, dass ich auf französischen Gesang eigentlich gar nicht stehe. Liegt vielleicht daran, dass der männliche NOBLESSE-OBLIGE-Part deutschsprachige Vocals beisteuert, ehe „Fashion Fascism“ im Stechschritt auf den Dancefloor ruft. Das balladeske „Night Train To Krakow“ erinnert ein wenig an PHILLIP BOA und Pia Lund; ein Eindruck, der auch bei „Surrender“ bestehen bleibt, ehe „Lil’Dirty“ noch einmal gehörig an den Reglern dreht.

Bei den zehn Bonus-Tracks handelt sich um zwei Cover-Versionen völlig genrefremder Stücke und acht Remixe befreundete Künstler. Zunächst haben sich NOBLESSE OBLIGE des ERIC BURDON-Klassikers „When I Was Young“ angenommen, dann folgt mit „Ouragan“ ein Song, der in der englischen Fassung „Irresistible“ vermutlich bekannter war. Wahrscheinlich allerdings nur weil ihn Prinzessin Stephanie von Monaco gesungen hat, die mit dem Liedchen allerdings einen beachtlichen Erfolg in den europäischen Charts hatte. Die beiden Nummern haben bei NOBLESSE OBLIGE einen entschleunigten, ziemlich schrägen Anstrich bekommen, um im Soundtrack des Arthouse-Films „L’Amour Toujours“ Verwendung zu finden. In dem Streifen spielen Valerie und Sebastian übrigens auch mit. Die übrigen Song-Kandidaten wurden ordentlich für die Clubs gepimpt und dürften bei der schwarzen Gemeinde bestens ankommen. Beispielsweise nimmt der „Nighttrain To Krakow“ der Düsseldorfer Krautrocker MUSICCARGO gewaltig Tempo auf, um schließlich für zwei Tracks der 2008er Platte „In Exile“ Platz zu machen. Den Anfang macht der NOBLESSE OBLIGE Remix der letzten Single-Auskopplung „Tanz, Mephisto!“ bis Szene-Legende MARK REEDER mit seinem Shot At Dawn Remix von „Duel“ zur letzten rhythmischen Betätigung bittet. Und – ein Wunder – auch hier gefallen mir die französischen Lyrics, von denen ich zwar nicht weiß, was sie bedeuten, aber sie hören sich klasse an!

Mit einem derartig stimmigen und umfassenden Angebot kann man sich schon mal die Zeit vertreiben. Während man im ersten Drittel vielleicht noch geneigt ist, erst einmal zuzuhören, juckt es mit zunehmender Spielzeit immer mehr in den Beinen. Dieses Re-Release ist eindeutig alles andere als ein lauwarmer Aufguss sondern ziemlich heißer Scheiß – Adel verpflichtet halt…

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