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NORTEC COLLECTIVE - Tijuana Sessions Vol. 3

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Artist NORTEC COLLECTIVE
Title Tijuana Sessions Vol. 3
Homepage NORTEC COLLECTIVE
Label NACIONAL RECORDS
Veröffentlichung ..
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Woran denkt man beim Stichwort „Tijuana”? In erster Linie sind das wohl billige Prostituierte, Drogenbosse und Tex-Mex-Küche. Da gibt es aber noch eine andere Seite der mexikanischen Stadt an Grenze zu den USA. Dort, wo fast zwei Millionen Menschen leben, befindet sich auch ein Schmelztiegel der beiden amerikanischen Kulturen und eben das NORTEC COLLECTIVE.

Nach eigenem Bekunden ist das 1999 gegründete NORTEC COLLECTIVE kein Bandprojekt, sondern „eine komplette elektronische Ästhetik“. „Nortec“ ist die Abkürzung für „norteno-techno“, und das ist der Zusammenfluss von Hightech und Lowtech, von Nord und Süd, von allem was mit Techno zu tun hat – die sequenzierten Breakbeats und Klangmuster, die Raves, die Manipulationstechnologie, die gesampelten Cutups –und allem, was zur ländlichen oder städtischen Welt der Cowboyhüte und Troddelärmel im nordwestlichen Mexiko gehört. Der Norteno, die Ranchera und die Banda sinaloense sind drei der traditionsreichsten, wichtigsten und kommerziell erfolgreichsten Gattungen in der mexikanischen Unterhaltungsmusik und Hybride aus Polka und Walzer, die deutsche Farmer in ihre neue Heimat mitgebracht haben. Man erkennt sie sofort an den Ziehharmonikas, den akustischen Bässen, den blechernen Trompeten und Posaunen, den großen trötenden Tuben, den dröhnenden Basstrommeln und den prasselnden Trommelwirbeln. Dies alles wird kombiniert mit deutschen und englischer elektronischer Musik (als Einflüsse werden z.B. TANGERINE DREAM und KRAFTWERK genannt) gemixt. So weit die Theorie, in der Praxis haben wir es hier mit 16 Tracks zu tun, die fünf Mitglieder des NORTEC COLLECTIVEs aus der Taufe gehoben haben. „Tengo La Voz“ und „Tijuana Makes Me Happy“ sind auch noch recht eingängig für mein ungeschultes mitteleuropäisches Ohr. „Funky Tamazula“ ist dann – wie der Titel schon verrät – eher funky als technoid. Überhaupt versteht der Mexikaner offenbar unter „Techno“ weniger stampfende Beats, sondern alles was irgendwie elektronisch ist. Mit „Don Loope“ beginnt dann der groovige Teil, der recht experimentell weitergeführt wird. „Dandy del Sur“ hat sich dem House verschrieben, dann wird es aber schon wieder Zeit für chillige Töne, immer gespickt mit traditionellen Elementen. Tanzbares gibt es auch, dafür sorgt „Colorado“ – Erinnerungen an BONEY M. werden wach. Bei den abgehackten Tonfolgen von „Narcoteque“ bin ich mir anfangs nicht sicher, ob mein CD-Player oder die Boxen einen Defekt haben, aber nein, das muss wohl so klingen. Jetzt sind die Gringos vollends in ganz sphärische Ebenen abgetaucht. „Bar Infierno“ gibt sich diesbezüglich etwas gemäßigter, wird von „Revo Rockers“ aber gleich wieder eingeholt, jetzt kommt noch eine Prise Samba mit ins Spiel. Irgendwie klingt das Ganze, als wären in Tijuana doch ne ganze Menge Drogen unterwegs. Inzwischen sind wir bei Walzerrhythmen („El Fracaso) angekommen, sehr strange!

Also nix mit ner Kreuzung aus Tito und Scooter. Aber was dann? Sehr experimentelle elektronische Klänge kombiniert mit traditioneller mexikanischer Musik, was im weitesten Sinne eher jazzig als technomäßig klingt. Hier muss man schon Fan von ganz ungewöhnlichen Sounds sein, vielleicht was für die Musikstudenten-Fraktion.

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