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NOTHING - Silence came back, filling jagged spaces

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Artist NOTHING
Title Silence came back, filling jagged spaces
Homepage NOTHING
Label EIBON RECORDS
Leserbewertung
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Die Stille kommt nicht mehr zurück. Nicht auf den vor Verkehr ächzenden Autobahnen, nicht in den krachtrunkenen Kneipen, nicht in den schreibmaschinenklappernden Großraumbüros. Auch nicht auf „Silence came back, filling jagged spaces“. Dafür ist das Nichts, welches hier Programm sein soll, noch zu sehr mit Lauten aus dem Leben gefüllt, mit geflüsterten Treueschwüren, sogar mit Anklagen. Natürlich liegt dieser Tatsache das selbstverständliche Axiom zugrunde, dass wo Klang ist, immer ein Gedächtnis, immer Zeit sein muss. Doch kann man den Titel auch als Hinweis verstehen: Dieses Album ist eine Tür, hinter der sich die vollständige Leere verbirgt. Man muss nur hindurchgehen.

Dabei kann jede kleinste Bewegung den Prozess stören. Man sollte den Tee bereits umgerührt haben und den Schlüsselbund aus der Hosentasche nehmen. Dann legt jemand einem sanft den Finger auf die Lippen. Auch wenn man dieses Album nur einmal hört, wird man es sofort aus tausend anderen heraushören. Nicht einer vermeintlichen Störrigkeit wegen, nicht aufgrund unverwechselbarer Sounds oder einzigartiger Strukturen. Stattdessen gibt sich Jason Walton, der Mann hinter dem Nichts, versöhnlich, setzt auf vertraute, statt auf verstörende Klänge und an Filmmusik gemahnende Übergänge. Die daraus resultierenden Stücke mögen einen nicht direkt beim ersten Mal übertölpeln, doch haben sie alle einen ganz eigenen Charakter und ein eindeutiges Ziel. Das, woran man „Silence“ erkennen wird, sind die wenigen, ausgewählten Elemente, die sich wie ein roter Faden durch das Werk ziehen: Die Streicher, die spartanischen Beats, die Stimme aus dem Rechner. Wenn also das an den Anfang gestellte „Todash“ mit flimmernden Obertönen einsetzt, eine Gitarrensaite angeschlagen und ein ambienter Klangteppich gewoben wird, dessen Nähte durch eine klagende Cellomelodie aufgeschlitzt werden, ist das somit gleich als Absichtserklärung zu verstehen: Dies ist der Pfad, der in der nächsten Dreiviertelstunde beschritten wird. Streichermelancholie durchzieht auch „30 days to the wolves“ in dem sich Mönchsgesänge mit Stammestrommeln zu einer Art „ENIGMA in Afrika“ vermählen. Danach folgt indische Selbstversunkenheit, Askese, Nada Brama. Walton wollte kein düsteres Album aufnehmen und die Mittel spartanisch einsetzen. Stattdessen sind die Räume offen und wenn nur wenige Spuren gleichzeitig erklingen, dann nur, um jeder möglichst viel Platz zur Entfaltung zu gewähren. Am Ende des wunderbaren „Territories“ stehen nur Schlagzeug, die omnipräsenten Streicher und ein frei atmender Bass, doch reicht diese Besetzung vollkommen für einen anrührenden Moment tiefer Verbundenheit. „The final argument“ schließt die Reise überzeugend ab, die letzte Minute ein mysteriöser Monolog. In der selben Sekunde, in der die Stimme verstummt, wird die CD wieder ausgeworfen.

Danach kann man den Wagen spazieren fahren, sich hinter den Rechner setzen oder ins Nachtleben stürzen. Oder eintauchen in die Stille, die diesen Klängen folgt und sich in jeder Ecke einnistet. Wofür auch immer man sich entscheidet: Die Tür steht offen.

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