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OBSCENE EULOGY - Defining Hate: The Truth Undead

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Artist OBSCENE EULOGY
Title Defining Hate: The Truth Undead
Homepage OBSCENE EULOGY
Label BAPHOMET/ RED STREAM
Leserbewertung
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9.0/10 (2 Bewertungen)

Jetzt wollen die Finnen auch noch den Death Metal erobern! Als reichte es Ihnen nicht, bei Doom und Power in der ersten Garde mitzumischen, reift eine junge Generation von Musikern heran, die nicht nur die Prinzipien der alten Meister verstanden und trefflich verarbeitet, sondern auch noch ein ganz persönliches Wörtchen zur aktuellen Diskussion beizutragen haben. OBSCENE EULOGY ist eine weitere Band, die mit einem aufsehenerregenden Debüt die Bretter dieser Welt betritt und sie tut dies mit einer Wucht und Vehemenz, dass man meint, die Pforten zur Hölle würden davon umgehend gesprengt.

Mein erster Höreindruck beginnt indes mit einer kleinen Peinlichkeit, denn ich hatte bereits vor, ausgiebigst und in den höchsten Tönen den Drummer dieses Ensembles zu loben, ihm augenzwinkernd das drastische Überschreiten gültiger Geschwindigkeitsgrenzen vorzuwerfen und darüber hinaus sein extrem präzises und unfassbar druckvolles Spiel herauszustellen, da lehrt mich ein kurzer Blick in das Booklet, das es sich hierbei in Wahrheit um einen Drumcomputer handelt. Der allerdings derart swingend programmiert wurde, dass der Unterschied zu seinen Kollegen aus Fleisch und Blut denkbar gering ausfällt und diese sogar in einigen Bereichen in den Schatten stellt – die Zukunft des Metal könnte durchaus digital sein. Und weil es so gut passt, haben OBSCENE EULOGY auch noch den Vocoder ausgepackt und diesen auf dem gleichzeitig infernalisch wie futuristisch lärmenden „Itsemurhana Ratkaisu“ einige robotisch verfremdete Satzfetzen ausspucken lassen, die dem ohnehin schon beängstigend dräuenden Klangbild noch eine unheimlich inhumane Komponente hinzufügen, auch wenn die menschlichen Wortbeiträge auf „Defining Hate“ kein bisschen sympathischer ausfallen, es sei denn, man hält Hanibal Lector für einen grundsätzlich angenehmen Typen. Die übrigen Songs krachen etwas konventioneller, doch ebenso rabiat, die Riffs abgehackt und tollwütig, die Arrangements ausgeklügelt und abwechslungsreich. Vorbildlich zudem: Die tollen atmosphärischen Keyboards werden nicht nur für Intros, sondern auch zur Unterstützung des traditionellen Gruppengefüges verwendet und entstammen nicht ganz bequem den üblichen Horrorfilmen, sondern der eigenen Kreativität.

Ein derart stimmiges Gesamtbild wäre für ein wahrhaftiges Debüt ein wenig zu viel des Guten und tatsächlich versteckt sich als Initiator hinter diesem Projekt Mika Luttinen, der Helsinki mittels IMPALED NAZARENE überhaupt erst auf die Landkarte des Death setzte. Killjoy von NECROPHAGIA und Wilska von FINNTROLL reichen helfend die Hand und komplettieren mit ihren Beiträgen das Starensemble. Wenn sich diese Eigenbefruchtung ähnlich inzestuös gestaltet wie im belgischen Alternativrockcircuit, dann kann man davon ausgehen, dass Finnland schon in naher Zukunft auch in Sachen Death zur Weltmacht wird.

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