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OCEANSIZE - Frames

Artist OCEANSIZE
Title Frames
Homepage OCEANSIZE
Label SUPERBALL MUSIC
Leserbewertung

Indie-Bands sprießen wie Pilze aus dem großbritannischen Boden, ob es am Regen oder der Tristesse von Städten wie Manchester liegt? Aus dieser stammen OCEANSIZE, eine Formation mit Mut. Anstatt sich das letzte Ticket für den Zug Richtung Charterfolge zu buchen, verbarrikadiert man sich hinter epischen Songs mit mehr als 8 Minuten Spiellänge. Umso besser für uns, so können wir sicher sein, dass OCEANSIZE der breiten Masse vorenthalten bleiben und wir diesen Schatz für „uns“ behalten können. Eigentlich möchte ich die Platte gar nicht weiter rezensieren, ich möchte sie ganz allein für mich behalten.

Für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Band stehen mittlerweile 3 Alben. Der Erstling „Effloresce“ energisch ungestüm erleben wir jetzt mit „Frames“ den vorzeitigen Höhepunkt des musikalischen Schaffens, welcher sich in einem 9 Track langen Orgasmus ergießt. OCEANSIZE sind progressiv, PINK FLOYD-Einflüsse sind ebenso zu erkennen wie die von JANE’S ADDICTION, während ihre virtuosen Gitarrenwände von MY BLOODY VALENTINE geliehen sein könnten oder THE COOPER TEMPLE CAUSE, mit welchen OCEANSIZE sich bereits die Bühne teilten. OCEANSIZE bedeutet bis ins Detail ausgefeilte epische Titel, die für permanente Gänsehaut sorgen. Klagende Streicher nebelverhangen auf schwerfälligen Gitarren im brodelnden Gefühlshaushalt der Drums, sorgen bei „Commemorative T-Shirt“ für Melancholie. Direkter, mit einer Hook, die einem das Herz herausreißt und dabei böse grinsend ins Gesicht blickt, lässt „Unfamiliar“ Sänger Mike Vennart in seiner melodischen, weichen Stimme als Märtyrer auftreten. An dieser Stimme bleibt das Gehör noch des öfteren haften, ob im mit einem Pinselstrich gezogenen Pianolauf des harmonischen „Trail of Fire“ oder dem düsteren Orgelposaunen des tragischen „Savant“. Gefühlvoll bewältigt Vennart nicht nur seine eigenen Emotionen, sondern vermittelt diese auch an den Hörer – etwas, woran man als Rezensent nur scheitern kann. Es gestaltet sich unglaublich schwierig, die Tiefe und geladene Atmosphäre von „Frames“ auch nur annähernd zu beschreiben. Die blühende Vielfalt hinter „Only Twin“, dessen Gesang wie eine schleichende schwarze Katze durch den Hinterhof streunert, der sakrale Kreuzzug „An old friend of the Christies“ mit seinem progressiven Schlachtengemälde epochaler Bandbreite. OCEANSIZE rauben den Atem, den Schlaf und den Verstand – letzteren mit „Sleeping Dogs and Dead Lions“. Einem zunächst zappaesken, ungestümen Titel, der mechanisch stampfend die Industrialgötter NINE INCH NAILS zum Kampf fordert.

OCEANSIZE gehören zur absoluten Topriege progressiver Rockbands. Wer das für zu hoch gegriffen hält, hat „Frames“ noch nicht gehört. Die Musik der Briten sprengt – im Gegensatz zum Albumtitel – nämlich jeden gegebenen Rahmen. Ein Werk von Meisterhand.

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