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OCTO WALLACE - Fast Women Slow Horses

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Artist OCTO WALLACE
Title Fast Women Slow Horses
Homepage OCTO WALLACE
Label BODYWIND RECORDS/ EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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10.0/10 (3 Bewertungen)

Eine Sache der Definition. Das sagte mein Mathelehrer immer. Er war ein neurosenbeladener Sadist. Aber seine Worte holen mich ab und an wieder ein, zum Beispiel dann, wenn mir der Promotext von OCTO WALLACE klarmachen will, dass es sich beim neuesten Album um „Prog minus Scheisse“ handelt. Nun, aber was ist die Definition von Scheisse im Bezug auf Progrock ?

Glücklicherweise ist das bei OCTO WALLACE ebenso offensichtlich wie der Bezug des Coverartworks auf den Albumtitel „Fast women slow horses“. Das Quartett macht keine großen Aufbauten und inszeniert keine Rockepen, der Gesang ist aufs notwendigste entschlackt worden und man fühlt sich auch so frei, dass man diverse Disharmonien einfliessen lässt. Diese Sounddiskrepanzen lassen „Cliff Burton with happy finish“ auch erstmal übel an den Zahnwurzeln ziehen, bis man sich an den frickeligen Rock, die gurgelnden Orgeln und das balzerische Gehabe des Basses gewohnt hat. Vom Anarchosound sind OCTO WALLACE aber weiter entfernt, als Deutschland vom Grand Prix-Gewinn. Stattdessen wurde im Kölner Proberaum eine abgedrehte Mischung 60ies Psych mit Krautrock vermengt und eine Portion moderne Trashkunst dazugefiltert. So findet sich neben ATARI-Computerpluckereien auf „Cosmo Bob“ auch 80s Synthieblubbern. Der Titel, einer der wenigen mit Gesang, erinnert dergestalt eher an CONSOLE als an groovenden Frickel Prog. Mit einer guten Portion Genie und Wahnsinn erobert sich die Band PINK FLOYDeske Ehren, „Yes to say no!… my beloved Unterschichtenradio“ gibt dem Wahnsinn strukturiertem Halt, sammelt dabei seine Kraft, um sie weniger später in ausladenden Soli zum überkochen zu bringen, welche eh eine Spezialität von OCTO WALLACE zu sein scheinen.

OCTO WALLACE sind tatsächlich „Prog minus Scheisse“. Aufs notwendigste entschlackt, gefiltert und für gut befunden. Für die ganz Harten, die das geklärte Kläranlagenwasser mit Strohhalm trinken und für andere Schöngeister, welche den Draht zur Natur und den Glauben an groovende Frickelmusik noch nicht ganz verloren haben.

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