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OFRIN - On Shore Remain

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Artist OFRIN
Title On Shore Remain
Homepage OFRIN
Label STAMP RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (3 Bewertungen)

Zwei Israelis an der Spree bilden den Kern von OFRIN. Genauer gesagt die Sängerin Ofri Brin und der Komponist und Pianist Oded K.dar (KD), die sich beim Militärdienst kennen gelernt und nach Umwegen den Weg in unsere Bundeshauptstadt gefunden haben. Immerhin haben beide deutsche Vorfahren: KDs Großvater war in Berlin Pianist beim Stummfilm, und Ofris Opa stammt aus Leipzig. Hier haben die beiden übrigens auch ihre Bandmitglieder gefunden: Marco Bruckdorfer, Dirk Homuth, Sven Mühlbradt und Susanne Ocklitz. Das erste Album „Rust and Velvet“ (2005) wurde ein respektabler Erfolg, die Band spielte zunächst hauptsächlich in Berlin und fand schnell eine treue Fangemeinde. 2007 folgte eine EP namens „EPisode“, der nun der zweite Longplayer „On Shore Remain“ folgt.

Zu hören gibt es Avantpop mit minimalen Klängen und Noises, die das höchst komplizierte, spielerische Geflecht von KDs und Ofris Kompositionen ausmachen, die eher auf unterkühlte Zurückhaltung als auf laute Aufdringlichkeit setzen. Entsprechend startet „Dry“ in perlender Slow Motion, die bei „How Come“ rhythmusbetont unterfüttert wird. Frickelig schließt sich „Better By Far“ an. Hier sticht ein jazziger Unterton heraus, bevor „Tango“ nur bedingt für sich selbst spricht. Den typischen Tango-Groove gibt’s nämlich nicht zu hören, gleichwohl geht es zwischenzeitlich ungewohnt feurig zur Sache. Dafür lässt es „Sam“ deutlich gleichmütiger angehen, wobei man den Song nicht unterschätzen sollten: Was mit dissonanten Tönen beginnt, entwickelt sich schnell zu einer aufgeräumten Rhythmusnummer, während „Nothing Comes To Mind“ nur kurz hingehaucht wird, um sogleich den Staffelstab an „Give A Shot“ mit seinen akustischen Spielereien abzugeben. „In The Water For Too Long“ zählt zu den treibenden Stücken, die viel Raum fordern, diesen allerdings alsbald an die Vocals abgeben müssen, die ganz klar in jeder Situation das Sagen haben. „Time For A Decicion“ könnte von PINK FLOYDs „Money“ inspiriert worden sein, dieser Einfluss blitzt jedoch nur noch hier und da auf, ansonsten gibt es schrägen Ambient zu hören, der bei „Stories“ von noch schrägerem Elektrogetüftel mit Jazzeinschlag und souligem Gesang abgelöst wird. Zum Abschluss gibt’s mit „Castle“ noch was Süßes auf die Ohren, nicht ohne hier und da die loungige Stimmung mit ein paar Haken und Ösen zu unterbrechen.

OFRIN bieten ohne Zweifel eine groovende, coole und gleichzeitig intensive Mixtur aus Pop, Jazz, Ambient, Soul, Downbeat und ethnisch gefärbten Tönen aus der israelischen Seele von Sängerin Ofri Brin und Gitarrist/ Keyboarder Oded K., die sich nicht unbedingt beim ersten Hören erschließt und noch weniger als unauffällige Hintergrundmusik oder gar fürs Radio taugt. Gleichzeitig zählen OFRIN zu den ausgewählten zwölf Künstlerprojekten aus der ersten Förderrunde 2007 der „Initiative Musik“ (initiiert von der Bundesregierung), und auch die Volkswagen Sound Foundation hat das Potential dieser Band erkannt und in ihr Förderprogramm aufgenommen, zu dem immerhin auch die hochgelobten POLARKREIS 18 gehören, die übrigens auch für die diesjährigen „Initiative Musik“-Förderrunde ausgewählt wurden. Der langen Worte kurzer Sinn: „On Shore Remain“ ist ein poetischer Soundtrack für einsame, nachdenkliche Stunden und liebenstrunkene Zwischenmenschlichkeiten am Sonntag Nachmittag!

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