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OH! PEARS - Wild Part of the World

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Artist OH! PEARS
Title Wild Part of the World
Homepage OH! PEARS
Label AQUARELA
Leserbewertung
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9.5/10 (2 Bewertungen)

“Wild Part of the World” verursacht einen ganzen Reigen von Fragezeichen über den Köpfen seiner Hörer. Irgendwie möchte man die Platte mögen. Irgendwie hat man sie sich aber bereits vor dem ersten Hören leidgehört. Das liegt vor allem daran, dass das Genre des schräg-polternden Indie-Kammerpops in den letzten Jahren unangenehm stark ausgereizt wurde. Immer neue verrückt-emotionale Künstlerkollektive schrubbten sich an die Oberfläche, traten auf Festivals auf, kollaborierten mit anderen Künstlern, bildeten neue Ableger und veröffentlichten immer neue Platten. Das zweite Jahrzehnt dieses Jahrhunderts wird der Nachwelt wahrscheinlich als die Heuschober-Dekade im Gedächtnis bleiben.

Dabei machen OH! PEARS vieles richtig: Kreativität und Gestaltungswillen gibt es im Überfluss. Corey Duncans schwankende stimmliche Fähigkeiten sind zwar Geschmackssache, aber fügen sich rau und ungeschönt in das Gesamtbild aus schräg-melancholischen Kompositionen ein. Gut funktioniert das Unternehmen beim wild umhertorkelnden Flamenco-Stück „Under the Olive Trees“, bei dem das gesamte Ensemble gemeinsam in eine Richtung explodieren darf. Es ist neben dem anschließenden Klavier-Instrumental „Chaconne“ auch das kürzeste Stück des Albums. Zumindest ein Ausrufezeichen in einem Sturzbach voller unbeantworteter Fragen. Faszination und Überforderung wechseln sich ansonsten ab und man wird das Gefühl nicht los, dass sich hier jemand zu viel Gedanken darüber gemacht hat, wie ein abenteuerliches Wagnis musikalisch umgesetzt werden könnte. Das Hörvergnügen geht in diesem überambitionierten Chaos mehr als einmal unter. Streicher, Bläser und Gitarren laufen in den Songs parallel, übereinander, auseinander. Zusammengehalten werden müssten sie eigentlich durch die Vocals, die dieses Kunststück aber auf Dauer nicht vollziehen können.

Somit hat „Wild Part of the World” den Charme eines bizarr-verrückten Kinderbuches, bei dem man nicht dahinter kommt, ob die präsentierte Geschichte einfach zu mysteriös und verworren ist, um sie vollkommen zu durchdringen, oder ob sie einfach fehlerhaft geschrieben wurde. Und während die Klarinetten bei „Dark and muted Eyes“ noch klagend durch den Song improvisieren, wünscht man sich als Hörer, dass sich das gesamte Ensemble einfach mal zusammenreißen, den Sänger feuern und noch einmal mit neuen Songs von vorne anfangen würde.

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