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OLIVER KOLETZKI - Großstadtmärchen

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Artist OLIVER KOLETZKI
Title Großstadtmärchen
Homepage OLIVER KOLETZKI
Label STIL VOR TALENT
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Dass 2005 SVEN VÄTH Koletzkis „Mückenschwarm“ gefallen haben wird, kann ich mir gut vorstellen, ist doch der Opa der deutschen Techno-Szene mittlerweile hauptsächlich an recht eingängigen – ich würde es eigentlich lieber stumpfen – Rythmen interessiert und so wurde besagter Song unter Väths Protektion ein gern gesehener Gast in den Clubs all over the world. Jetzt hat OLIVER KOLETZKI anno 2009 offensichtlich mehr Lust auf differenzierte Beats mit deutschen Texten, wahlweise mit weiblichem wie auch männlichem Gesang, gut so!

„U-Bahn“ lässt sich vergleichsweise bestens ertragen, ach Quatsch, ist ein formidabler Hit für jede After-Hour und gern gesehener Gast für jeden Empfangs-Bereich halbwegs angesagter Tanzhallen. Zuvor, und leider gleich an zweiter Stelle muss sich der Hörer allerdings durch einen Beitrag namens „Zuckerwatte“ quälen, dessen Namen dummerweise Programm ist. Deshalb wohl „Zuckerwatte“, weil doch unfreiwillig was hängenbleibt – an der Backe nämlich, da hat man es also, da wo man es sich wegwischen muss. Was er noch mag unser Oliver, sind Versatzstücke aus Funk und Jazz, die er mit chilligen Dance-Rhytmen unterlegt und sie so derart tanzbar gestaltet, dass sich dem wohl so schnell kein partytauglicher Clubgänger entziehen kann. Eher weniger treibend, dafür sehr smooth und vor allem irgendwie gewitzt, im Sinne von gut gemacht (im Englischen auch gerne „sophisticated“ genannt) lässt sich der Großteil der zehn Tracks beschreiben. Er weiß dann doch, was funktioniert und mit „Hypnotized“ gibt es eine gewisse FRAN zu hören (auch dabei übrigens BOSSE, DIE RAKETEN und MIA.s Mieze), die erstmal toll singen kann und dem Ganzen halt die gewisse Würze verleiht – es sei mir dieser Allgemeinplatz verziehen, der doch aber bitteschön gut zum plakativem Songtitel passt. Einfach ein guter Club-Tune, der mit Sicherheit seine Wirkung nicht verfehlen wird.

Jetzt bedient OLIVER KOLETZKI mit diesem „Großstadtmärchen“ natürlich die Grenzgänger der Berliner Dance-Szene, die sich wahrscheinlich nicht zwischen „einfach nur Tanzen gehen“ und Ambient-Beschallung entscheiden können. Es lässt sich halt einfach für beide Gelegenheiten nutzen, dieses vielseitige Album elektronischen Grenzgängerdaseins und gerade an diesem Punkt bin ich gewillt, beide Daumen nach oben zu strecken, wenn sich jemand traut, nicht nur Erwartungen zu erfüllen und sich zwischen Stühle setzt, bin ich dabei. Das ist mutig und dankenswert – endlich mal ein tanzbares Elektro-Teil, was nicht immer nur stumpf treiben will. Die Zeiten sind ja nun auch endlich vorbei. Danke dafür!
Hififi

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OLIVER KOLETZKI ist ein DJ und Musikproduzent aus Berlin, der sich 2005 in der Electro-/ House-/ Techno-Szene international einen Namen mit seinem Track „Mückenschwarm“ gemacht hat. Jetzt erscheint das zweite Album des Hauptstädters, für das sich Oliver einige prominente Gäste ans Mikro geholt hat.

Den Anfang macht MIA.-Fronterin Mieze Katz, die dem spacigen „Leisure“ ihre Stimme leiht. Außerdem mit von der Partie: JULI HOLZ aka CLARA LOST HER MIND, die mit „Zuckerwatte“ zu einem clubbigen Gang über den Rummel einlädt. Für „U-Bahn“ konnte Axel BOSSE verpflichtet werden. Der Sound bleibt dabei sehr elektronisch, jedoch zieht langsam das Tempo an, ehe „Kusskompatibel“ und „Warschauer Straße“ mit frickeligen Instrumental-Sounds weitermachen. Dank FRAN und der Vorabsingle „Hypnotized“ kommen erneut Vocals ins Spiel und die Musik wird für meine Ohren wieder deutlich eingängiger. Ein „Kleines Zwischenspiel“ ändert diesen Zustand jedoch umgehend, bevor KATE MOSH angenehmen Indie-Style ins Spiel bringen. Das Fräulein Sophie, welches sich hinter PYUR verbirgt, versorgt derweil das minimalistische „These Habits“ mit Gesang, um schließlich an „Nimm mich mit“ abzugeben. Die Nummer stammt ursprünglich von DIE RAKETEN und hat jetzt von Plattendreher-Guru OLIVER KOLETZKI einen neuen Anstrich bekommen.

In meinem heimischen Wohnzimmer konnten mich die Instrumentalstücke nicht voll überzeugen. Wahrscheinlich fehlt dort einfach das coole Discokugel-Flair. Auf den Dancefloors der angesagten Clubs dürfte der abwechslungsreiche Electro-Pop neben Synthie-Klängen und reduzierten House- und Technobeats jedoch für dichtes Gedränge sorgen.
ump

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