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OMD - Junk Culture (Deluxe Edition)

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Artist OMD
Title Junk Culture (Deluxe Edition)
Homepage OMD
Label VIRGIN/ EMI
Leserbewertung
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7.3/10 (3 Bewertungen)

Als OMD 1984 das Album „Junk Culture“ veröffentlichten, war die Zukunft für die Liverpooler Band ziemlich ungewiss, hatte man doch nach dem kommerziell erfolgreichen Album „Architecture & Morality“ das viel zu experimentelle (und eigentlich viel interessantere) Album „Dazzle Ships“ auf die Fans losgelassen, die nicht gerade mit Begeisterung reagiert hatten. Oder genauer gesagt: Die Fans der ersten Stunde hatten sich davon nicht abschrecken lassen, das Problem war vielmehr das Mainstream-Publikum, das OMD erst durch Singles wie „Souvenir“ und „Maid of Orleans“ (beide abkömmlich aus „Architecture & Morality“) kennengelernt hatte und das mit aus Zeitansagen zusammengesetzten Songs nichts anfangen konnte.

Die Frage lautete damit: Würde man den Mainstream-Käufer mit „Junk Culture“ zurückgewinnen oder nicht? Heute ist klar: OMD schaffte die Rückkehr zu eingängigen und erfolgreichen Popsongs, ohne dabei aber „Architecture & Morality“ zu kopieren oder sich stilistisch so zu verbiegen, dass man die Band nicht wiedererkennen konnte. In der Karibik aufgenommen und um Elemente wie Steeldrums ergänzt, zeigte sich die Band zwar von einer anderen, frischen Seite, aber es war nach wie vor als OMD. Gleich die erste Single-Auskopplung „Locomotion“ konnte die Band wieder in den Charts etablieren, was durch den (auf jeden Fall nach heutigen Maßstäben völlig radiountauglichen) Song „Talking Loud and Clear“ unterstrichen wurde.

Nach über 30 Jahren ist nun endlich die Wiederveröffentlichung von „Junk Culture“ erschienen, als Doppel-CD mit jeder Menge Extras und leider auch mit einiger Verärgerung in den hartgesottenen Fankreisen. CD 1 enthält das Album in der ursprünglichen Titelfolge, allerdings ist spitzfindigen Hörern aufgefallen, dass wohl zumindest „Tesla Girls“ in einer anderen Version vorhanden ist (ist aber nicht ganz so schlimm, Puristen werden ohnehin die Originalveröffentlichung im Regal stehen haben). CD 2 ist Fundgrube und Leckerbissen, schließlich gibt es hier B-Seiten (u. a. „Her Body in My Soul“, das eigentlich eine Single-A-Seite hätte sein müssen, und das völlig untypische „Garden City“), Maxi-Versionen (ja, noch echte Maxi-Versionen, nicht irgendwelche DJ-Remix-Peinlichkeiten) und Raritäten. Ein echter Irrtum ist bei der Produktion unterlaufen, da auf den ersten ausgelieferten CDs der Song „Wrappup“ identisch ist mit „All Wrapped Up“ von CD 1, obwohl es sich um eine deutlich andere Version handelte. Kein Irrtum, aber zumindest eine fragwürdige Entscheidung seitens der Band war es, die Maxi-Version von „Talking Loud and Clear“ um rund zwei Minuten zu kürzen (was an sich nicht so wild ist, weil die komplette Fassung auf einem der „SO 80’S“- Sampler zu finden) – mit dem Argument, sonst hätte der Platz nicht ausgereicht, um alles auf die zweite CD zu packen. Das ist eine bedauerliche Entscheidung, denn auf CD 1 bleiben locker 30 Minuten Spielzeit übrig, die man hätte nutzen können, um zum einen diese Maxi ungekürzt zu belassen und zum anderen fehlende B-Seiten mit dazu zupacken, die so leider unter den Tisch gefallen sind. Da hätte man ruhig auf die Tracks verzichten können, die vor Jahren auf einem Raritäten-Sampler schon auf CD veröffentlicht worden war.

Na ja, das alles ist zwar nicht ganz so erfreulich, trotzdem sollte die Freude über diese Veröffentlichung überwiegen. Die enthält übrigens auch den Instrumentaltrack „The Angels Keep Turning (The Wheels of the Universe)“, der exakt so sperrig ist, wie sein Titel klingt, und der damit jene Fans entschädigt, die das Experimentelle von „Dazzle Ships“ vermissen. Besondere Leckerbissen auf der zweiten CD sind die bislang unveröffentlichten Songs „10 to 1“ (der zum Albumtrack „Love and Violence“ mutierte, aber fast nur am Text wiederzuerkennen ist) und „All Or Nothing“ sowie Demoversionen von „Heaven Is“ (der in abgewandelter Form erst auf dem Album „Libertor“ Verwendung finden sollte), „Tesla Girls“ und „White Trash“.

Alles in allem ist die Deluxe Edition von „Junk Culture“ vielleicht nicht ganz so Deluxe, wie sie hätte sein können, aber wer über ein paar Schwächen hinwegsehen kann, dem sei dazu geraten, in diese Doppel-CD zu investieren. Es lohnt sich wirklich.

Die hartgesottenen Fans werden unterdessen wohl zu Hause sitzen und voller Ungeduld auf die Deluxe-Version des Nachfolgers „Crush“ warten. Da gab es von den Single-Auskoppelungen so viele verschiedene Versionen, dass man schon jetzt damit rechnen sollte, auf ähnliche kleine Mängel wie bei „Junk Culture“ zu stoßen. Wer aber in der Lage ist, über solchen Dingen zu stehen, der kann bis dahin diese Doppel-CD genießen.

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