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OOMPH! - GlaubeLiebeTod

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Artist OOMPH!
Title GlaubeLiebeTod
Homepage OOMPH!
Label GUN/ SONYBMG
Leserbewertung
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7.4/10 (8 Bewertungen)

Album 2 nach dem (vermeintlichen?) Sellout. Wer schon beim Vorgänger „Wahrheit oder Pflicht“ Verrat schrie, braucht gar nicht erst weiterzulesen, denn der eingeschlagene Weg wird konsequent weiterverfolgt. Noch weniger Elektronik, noch mehr explosive Pathos-Refrains mit eingängigen Lyrics. Ein Vorgeschmack war ja schon die heiß diskutierte Single „Gott ist ein Popstar“: Radioboykott, Echo-Ausladung, wüste Beleidigungen in den Bandforen. Alles reine Kalkulation, Mund abputzen, weitermachen. Wer in Zeiten von religiösen Unruhen und „Wir sind Papst“-Kampagnen mit so einem Song um die Ecke kommt, weiß ganz genau, was er tut und muss nicht im Nachhinein das unverstandene Opferlamm spielen. Obwohl die Metaphorik Dero sicher gefallen würde, schon das Album-Artwork ist dementsprechend aufgebaut. Für 13jährige Viva MetallerInnen sicher ein gruseliger Anblick, für uns auch, aber auf einer anderen Schiene. Wobei man anerkennen muss, dass sich OOMPH! schon immer gegen die Kirche und blinden Gehorsam ausgesprochen haben, das geschieht jetzt halt ein wenig plakativer.

Entscheidend ist aber das Songmaterial und das… ist überraschend stark, wenngleich mir nur die gekürzten 12 Tracks der Standardversion vorliegen. Nach der musikalisch nicht zu verachtenden Single mixt man geschickt nicht mehr so neues deutsches Riffgewichse mit fetten Melodielinien. „Mein Schatz“ z.B. geht sehr gut nach vorne, wenn man auch die Gitarren noch hätte aggressiver abmischen können. Inhaltlich eine Verbeugung vor dem „Herrn der Ringe“, wie auch bei „Die Schlinge“ stand hier also ein Filmwerk Pate. Diese ominöse Schlinge bezieht sich auf die Schlüsselszene von „Spiel mir das Lied vom Tod“, die allseits bekannte Titelmelodie hat man richtig gelungen in einen stimmungsvollen Nu Rock-Reißer verwandelt, großes Kino quasi im doppelten Sinne. „Das letzte Streichholz“ und „Eine Frau spricht im Schlaf“ bedienen dann eher die ruhige Fraktion, und das besonders beim Letztgenannten gar nicht mal abgedroschen (Originaltext: Erich Kästner). Dann hätten wir noch fette Midtempo-Groover à la „Träumst du“, wo Dero in den Strophen mit einer etwas anderen Stimmlage arbeitet und welches gut und gerne auch von MEGAHERZ/ EISBRECHER stammen könnte. Die verdienen aber nicht so viel… „Ich will deine Seele“ hätte ebenso locker auf der „Herzwerk“ Platz gehabt. Das abschließende „Zu viel Liebe kann dich töten“ räumt dann erstmals der Elektronik etwas mehr Raum ein, die Scheibe ist natürlich dennoch nichts für Electro-Ästheten.

Mit Ausnahme des Doppels „Tanz in den Tod“/ „Ich will deine Seele“ ist den Braunschweigern hier eine kompositorisch starke Scheibe gelungen, welche den im nachhinein betrachtet etwas laschen Vorgänger deutlich toppt. Allerdings eben alles im „modernen“ neuen Stil, für den man schon ein offenes Ohr haben sollte. Nach so vielen Jahren im Underground kann man OOMPH! den Erfolg durchaus gönnen, er ist hart erarbeitet, Mitleid mit dem Songmaterial ist hier fehl am Platze. Plakativ, neudeutsch, pathetisch ja, aber das Teil rockt ohne Wenn und Aber und wird sicher seine Fans finden. Ich bin jedenfalls überzeugt worden! Die Premium-Ausgabe enthält dann noch 2 Bonus Tracks.

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