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OOMPH! - Monster

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Artist OOMPH!
Title Monster
Homepage OOMPH!
Label GUN/ SONYBMG
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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7.3/10 (15 Bewertungen)

Der Staub hat sich gelegt, der Megaerfolg von „Augen auf“ ist längst Geschichte und auch der Sieg bei Raabs Bundesvision Song Contest nur noch in vergilbten Blogs zu finden. Zurück zur Normalität, d.h. im Falle von OOMPH! das mittlerweile 10te Album der Bandgeschichte. Dem gebührt Respekt, gar keine Frage. Man hat Trends gesetzt, bevor diese im Mainstream verwurstet wurden und man hat Szenen vereint, die sich einstmals unnachgiebig gegenüber standen (Electro vs. Gitarren). Im Jahre 2008 suchen die Herren Dero, Crap und Flux verzweifelt nach der richtigen Provokation, um wieder in aller Munde zu sein. So richtig scheint den Herren das nicht zu gelingen, wenngleich der Vorbote „Beim ersten Mal tut’s immer weh“ (Was für ein bescheuerter Titel) visuell gleich mit der FSK aneinander rasselte. Sonderlich viel Ertrag hat die Aktion aber nicht gebracht. Die lyrische Reminiszenz an alte „Wunschkind“-Zeiten blieb musikalisch eher zahnlos.

Erwartungsgemäß fährt man weiterhin auf den erfolgsverdächtigen Schienen zwischen fetten Brat Riffs, Electro Effekten und eingängigen Hooks. Das haben die Herren mittlerweile perfektioniert, doch die innovative Frische ist ihnen irgendwo im niedersächsischen Tiefland abhanden gekommen. Natürlich gibt es Ausnahmen wie die 2te Single „Labyrinth“, die eingängig-treibend ins müde Gebein fährt und live ganz sicher die Fans zum abgehen „zwingen“ wird. Oder „Lass mich raus“, das mit einem schönen Gitarren Motiv glänzen kann, leider aber auch mit textlichen Plattheiten der Marke „Spreiz deine Beine – Kannst du meinen Kopf schon sehen?“ In dieser Hinsicht ist allerdings „In deinen Hüften“ nicht zu toppen, offensichtlich als Anti Aids Parabel gedacht, ist der lyrische Rohrkrepierer ein trauriges Beispiel für fehlgeleitete lyrische Energie. Da nützen auch die durchaus interessanten Tango Parts nicht viel. Eine Kinderstimme in der Bridge bei „Wer schön sein will muss leiden“ – hatten wir auch schon mal. Dann doch eher das balladesk angehauchte „Auf Kurs“ unter Verwendung von IN EXTREMO-Gitarren. Der Rest ist solides Handwerk, fetzt ganz ordentlich, hinterlässt in der Bandeigenen Discographie aber kein sonderlich großes Ausrufezeichen.

Für eingefleischte Fans sicher eine Offenbarung komme ich nicht umhin, dieser Platte maximal gehobenes Mittelmaß zu attestieren. Daran können sicherlich auch irgendwelche Amazon Limited Editions mit Bonus Track nicht rütteln (eine Variante mit zusätzlicher DVD existiert auch noch). Vielleicht kann man bei einem 10ten Album einfach auch nicht mehr erwarten, richtige Magie entfalten OOMPH! nur noch auf den Bühnen dieser Welt.
TK

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Eins vorneweg: Auch ich fand „Augen Auf“ vor einigen Jahren unerträglich und sah den Sprung der ehemaligen Underground-Lieblinge in den Mainstream mit gemischten Gefühlen. Doch bevor wir uns in „Ausverkauf-Rufen wiederfinden, sollten wir uns doch mal die Mühe machen, das neue Album „Monster“ genauer unter die Lupe zu nehmen. Gleich der Opener „Beim ersten Mal tut’s immer weh“ ist einer dieser typischen OOMPH!-Kracher, die auf dem schnellsten Weg ins Ohr und ins Radio flutschen. Doch zu meiner Überraschung kann es sich auch langfristig festsetzen. Ein mitreißender Refrain, der von den krönenden Abschlusszeilen „Warum willst du mich nicht mehr?“ (wird live für bebende Hallen sorgen!!!) noch getoppt wird, lässt den Stempel „Hit“ aus dem Schreibtischfach holen. Diesen können wir gleich draußen lassen, denn „Labyrinth“ knüpft nahtlos an und duelliert sich, was das Hitpotential angeht, gnadenlos mit dem Opener. Und so geht es munter weiter. Auf die eher mäßige Halbballade „6 Fuß tiefer“ folgt mit „Wer schön sein will muss leiden“ das Highlight von „Monster“. Textlich bezieht man sich auf den immer schlimmer werdenden Schönheitswahn; verpackt in eine wunderbare Rotkäppchen-Rhetorik: „Warum hast du so schlanke Beine… Großmutter, Großmutter – warum bist du noch so jung?“ Musikalisch ziehen die weiblichen Backing Vocals einen in ihren Bann und bescheren den Braunschweigern einen wahren Übersong – einfach großartig.

Vieles gibt es zu entdecken. Lieder aus Sicht eines Foetus („Lass mich raus“) – mit provokanten Zeilen wie „Spreiz die Beine Mutter!“ – wechseln sich mit Warnungen über den sorglosen Umgang mit dem HIV-Virus („In deinen Hüften“) ab. Das alles in einem fetten Sound gekleidet. Zu meckern gibt es eigentlich nix. Einzig „Revolution“ sticht ein wenig heraus. Das es sich musikalisch an den Anfangstagen orientiert, wird zwar alte Fans freuen, doch über Sinn und Verstand eines unverhohlenen Aufruf zur Gewalt („Wenn sie taub sind, dann lass sie spüren!“), muss man eigentlich gar nicht diskutieren.

OOMPH! haben auf „Monster“ alles richtig gemacht. Mit ultraeingängigen Songs und provokanten Texten werden sie die Jugendzimmer der Nation mächtig beschallen und für den einen oder anderen kleinen Skandal sorgen. Einen ähnlichen Erfolg wie die beiden Vorgängeralben „Wahrheit oder Pflicht“ und „GlaubeLiebeTod“ sei Dero und Co. mit diesem Werk nur zu wünschen. Ein wahres „Monster“ – Glückwunsch!
Enrico Ahlig

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