Band Filter

OPETH - Heritage

VN:F [1.9.22_1171]
Artist OPETH
Title Heritage
Homepage OPETH
Label ROADRUNNER RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.8/10 (5 Bewertungen)

Eines vorweg: Ja, ich bin OPETH-Fan. Und als solcher gebe ich zu, dass der erste Durchlauf eines neuen Werkes der schwedischen Edel-Metaller immer etwas Magisches für mich hat. So auch dieses Mal. Und auch bei „Heritage“ bleibt der Mund schon nach den ersten Minuten wieder sperrangelweit geöffnet stehen und es entfährt mir ein verblüfftes „Wo zum Henker wollen die denn eigentlich hin???“.

Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen: Zum Art Rock! Das wird auf dem pressfrischen Dreher mehr als deutlich. Die Hammond-Orgel ist über die komplette Spieldauer des Albums noch präsenter geworden, sie wird streckenweise fast schon zum kompositorisch bestimmenden Element. Das Drumming – ganz OPETH-like gewohnt Aufsehen erregend – ist auf „Heritage“ extrem jazzig und verspielt, die Breaks in höchstem Maße versponnen. Überhaupt wird hier auf beeindruckende Weise der Geist der Siebziger herauf beschworen, manchmal glaubt man gar, man hätte versehentlich eine neue HYPNOS 69 eingelegt. „Nepenthe“ erinnert nicht nur dezent an KING CRIMSON, „The Lines In My Hand“ ist komplett psychedelisch und in „Famine“ werden JETHRO TULL nicht nur zitiert, sondern sogar auf die Spitze getrieben. Tatsächlich ist genau dieses „auf die Spitze treiben“ allem Anschein nach der Approach, den OPETH auf „Heritage“ zum Ausdruck bringen wollen. Alles, was sie tun, tun sie in letzter Konsequenz. Die ruhigen Parts sind noch leiser, fast flüsternd zuweilen, die Rhythmuswechsel sind noch progressiver und die Growls von Mikael Akerfeld sind… verschwunden! Ja, richtig gelesen, auf „Heritage“ verzichten die Protagonisten auf eines der wesentlichen Merkmale vergangener Werke: den Kontrast aus glasklarem Melodie-Gesang und heftigen Death Growls. Ist das Album nun deswegen kontrastärmer? Keinesfalls, nur werden die Laut-Leise-Gegensätze eben heuer anders transportiert. Man könnte auch sagen, der Stimmwechsel wird ersetzt durch maximale Weirdness. Vielleicht ist auch diese Tatsache mit ein Grund dafür, dass das sehr passend betitelte Werk („Heritage“ = das Erbe) nicht gleich beim ersten Durchlauf zündet, wie zum Beispiel seinerzeit das unverschämt eingängige „Ghost Reveries“. Trotzdem (oder gerade deswegen?) hat das Album eine starke Langzeitwirkung, aber das ist für OPETH nun wirklich nichts Neues.

Also doch alles beim Alten im Hause Akerfeld & Co.? Oder entwickelt man sich zurück in Richtung der eigenen Wurzeln? Aber liegen die nicht eigentlich im Death Metal? Entscheiden Sie selbst, meine Damen und Herren, nach dem Genuss eines weiteren absolut fantastischen OPETH-Albums. Denn ein Solches ist „Heritage“ definitiv. So oder so.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

OPETH - Weitere Rezensionen

Mehr zu OPETH