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ORIGIN - Entity

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Artist ORIGIN
Title Entity
Homepage ORIGIN
Label NUCLEAR BLAST
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Auch wenn man die Band nicht kennt, braucht es nicht mehr als 11 Sekunden, um zu wissen, dass wir es hier mit einer technisch außergewöhnlich guten Formation zu tun haben. Anders gesagt: die amerikanischen Technikschroter gehen sofort in die Vollen. Direkt wird das Griffbrett gewichst und die Kessel sämtlich und in hoher Geschwindigkeit und Schlagintensität bearbeitet. ORIGIN aus Kansas schließen sich der aktuellen Welle von technischen Death Metal Bands an, die ja gerade im Land der unbegrenzten geistigen Freiheiten, also im Land der Geistfreiheit fast schon wie Unkraut aus dem Boden schießen. Es sei erinnert an NILE, an MORBID ANGEL, an HATE ETERNAL, DYING FETUS, auch CANNIBAL CORPSE und die mächtigen ATHEIST.

Wer also seinen Tritt in die Fresse am liebsten einfach und direkt hat und dazu MAIDEN, rockende Australier oder röhrende Solinger auflegt, kann hier abbrechen und kostbare Lebenszeit einsparen. Hier geht es eher von hinten durch die Brust ins Auge, ein sinnvoller Zusammenhang im Zusammenspiel der einzelnen Instrumente ist vor allem durch geduldiges Zuhören herzustellen. Große Melodiebögen kann man auch knicken. Hier gibt es auf die Omme bei gleichzeitigem Dekonstruieren aller Nervensynapsen. Man darf sich eine Vielzahl der Songs als ein Konglomerat technisch einwandfreien Geschrotes, Gegrindes, Gefrickels, Geblastes und Gegrunzes vorstellen. Was dabei leider auf der Strecke bleibt ist Musik. ORIGIN klingen oft nicht gut zusammen. Das Geballer knallt Dir direkt ins Ohr und ist auch direkt wieder draußen. Viel zu wenig Ideen packen einen als kompositorischer Leckerbissen, viel zu wenig Gewichse lässt einen an echte Liebe denken (fast wie im wirklichen Leben).

ORIGIN haben aber doch ein wenig mehr auf der Pfanne. Wenn die Burschen sich auf die lange Distanz begeben, wenn sie ihren Ideen mehr vertrauen und ihnen Raum zur Entwicklung geben, entstehen großartige Undergroundperlen des brutalen Todesbleis. Hier wird das erstmalig an „Saliga“ demonstriert, mit dem die Amis knapp an die 7-Minuten-Marke heranreichen. Diese Stück bietet Tempo- und Stimmungswechsel, bretthartes Geriffe und hängen bleibende Leads und auch der Frontwüter variiert sein gutturales Schau(er)spiel. Kurzum: „Saliga“ bietet Stimmung und Dramatik, bietet endlich auch Musik für die Hüften und zum Ausrasten, wenn der rasende Part dann kommt. Der beste Krimi ist nun einmal der, der die Spannung vorher klug aufgebaut hat und nicht der, der Mord und Verhaftung zeigt und dann beendet ist.

Ähnliches Niveau schließt das Album mit dem großen, finalen Doppelschlag „Consequence of Solution“ sowie „Evolution of Extinction“ ab. So dynamisch geht Songwriting im extremen Death Metal Bereich! Warum nicht immer so muss man die Jungs einfach fragen. Hätten sie alle Stücke SO geschrieben, wir hätten einen Death Metal Klassiker zu konstatieren (das Talent ist sicherlich vorhanden). Hätten sich die Burschen mit diesen drei Songs auf eine EP kapriziert, es wäre die wohl beste EP im extremen Metal Bereich seit den Erstschlägen der unheiligen MORGOTH (möge ihr neues Leben lange währen!). Hätte, hätte, Mofakette. Haben sie aber nicht. Damit bleibt ATHEISTs „Jupiter“ das größte Ausrufezeichen des technischen Death Metals der letzten Jahre, ORIGIN hingegen fehlt für die Champions League leider noch die Beständigkeit.

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