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ORPLID - Greifenherz

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Artist ORPLID
Title Greifenherz
Homepage ORPLID
Label AUERBACH TONTRÄGER
Leserbewertung
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7.3/10 (10 Bewertungen)

Gut 2.5 Jahre nach dem „Sterbenden Satyr“ wendet sich das ostdeutsche Duo ORPLID nun wieder apokalyptischeren Klängen zu. „Vertont wurden Träume, die von schwindender Hoffnung auf Erlösung von Krieg, Tod und Zerfall handeln.“ – So die Künstler selbst zu ihrem neuesten (Genie-)Streich, welcher durch das Motiv des Greifs ein übergeordnetes Merkmal erhalten hat. Dieser ziert nicht nur das Cover, er taucht ebenso in den Texten in den unterschiedlichsten Inkarnationen auf. Die von einer teils aggressiven Poesie durchdrungene Lyrik stammt in nicht unerheblichem Maße aus der Feder Uwe Noltes, aber man adaptierte auch wieder Vorlagen von Dichtern wie Frank Wedekind („Der Anarchist“) oder zum wiederholten Male Rolf Schilling („Luzifer“, „Gesang an den Horusfalken“). In Kombination mit der sehr variantenreichen musikalischen Ausdrucksform, die weit über die engen Grenzen von Neofolk bzw. Neoklassik hinaus reicht, entstand hier ein Werk, welches den Ansprüchen ORPLIDs zu jeder Sekunde genügt.

Hier trägt auch wieder die Gastsängerin Safi (aka Sandra Fink) bei, die mit ihrer eigenwilligen Intonation beispielsweise die „Totenesche“ zu einer fast bizarr anmutenden Liaison aus Cabaret und Female Fronted Metal werden lässt. Sehr theatralisch das Ganze, weitere Adjektive, die das Greifenherz konkretisieren, sind sicher: Majestätisch (das relativ aggressive „Luzifer“ mit unterschwelligem Military Touch) und pathetisch, siehe etwa das mit mystischen Chören ausgestattete „Schwertgesang“. Die Stimme wirkt oft „stark“ und erhaben, manchmal eher gesprochen denn in Melodiebögen verweilend. Aber auch das funktioniert, wie das ausgesprochen wunderbare „Schlaf im Mohn“ beweist. Weitere kulturelle Querverweise meine ich bei der „Myrmidonenklage“ auszumachen, die sehr ähnlich auch als Score zu einem italienischen Revolutionswestern funktionieren würde. Deutlich weiter nordisch angesiedelt ist die IMMORTAL-Hommage „Traum von Blashyrkh“. Handelt es sich dabei doch um ein von Abbath und Demonaz ersonnenes, fiktives Königreich, welches von einem mächtigen Rabengott beherrscht wird. Und wieder ein Symbol der Lüfte…

Derart wohlklingend in der Ausführung und vielfältig in den Einflüssen sind nicht viele zeitgenössische Produktionen, die man im weitesten Sinne zur Schubladengebenden Szene rechnen darf. ORPLID beweisen erneut, dass sie es meisterhaft verstehen, Begriffe wie Würde und Stolz mit einem intelligenten Konzept in Einklang zu bringen. Und das trotz dieser Kopflastigkeit letztendlich dennoch ein Unterhaltungsprodukt entstanden ist. Eins für die denkende Minderheit…

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