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ORPLID - Sterbender Satyr

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Artist ORPLID
Title Sterbender Satyr
Homepage ORPLID
Label AUERBACH TONTRÄGER
Leserbewertung
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8.5/10 (2 Bewertungen)

Wikipedia: „Ein Satyr (in der griechischen Mythologie ein Waldgeist im Gefolge des Dionysos) zeichnet sich durch seine besondere animalische Lüsternheit aus, so dass heutzutage ein übertrieben sinnlich fühlender Mensch im alltäglichen Sprachgebrauch auch als Satyr bezeichnet wird.“ Bekannt sicherlich auch Fellinis Meisterwerk „Satyricon“ und die namensgleiche norwegische Black Metal Formation. Wenngleich diese sicherlich ein ganz anderes musikalisches Feld beackert, tut sie dies doch mit derselben Leidenschaft und Perfektion wie das Ostdeutsche Duo ORPLID, welches nach 3 Jahren ein neues anmutiges Werk vorlegt. Schon seit 1996 sind Uwe Nolte und Frank Machau mit weiteren Gastmusikern aktiv, und sie haben in dieser Zeit einige Veröffentlichungen bei Eis & Licht sowie nunmehr Prophecy/ Auerbach Tonträger vorzuweisen. Gestartet als „reines“ Neofolkprojekt – als das sie sich selbst nie sahen – wurden schon auf dem Vorgänger „Nächtliche Jünger“ andere Einflüsse ersichtlich.

Besonderes Hauptaugenmerk wird seit jeher auf die deutsche Lyrik gelegt, wobei man eine Brücke von der Klassik hin zur Moderne schlagen will. Neben der Vertonung eigener Texte werden auch Vorlagen bekannter/ weniger bekannter Dichter & Denker verarbeitet, die Vorliebe für naturgeschichtliche Themen und Mythen ist dabei unverkennbar. Die 11 neuen Lieder wirken formal stringent aufbereitet und weisen dabei nicht selten einen Hang zur Schwermut auf. Beeindruckend ist der kompositorische Reifegrad, den die beiden mittlerweile aufweisen: Anstelle sich durch reinen Formalismus zu limitieren, werden klassische und moderne Parts perfekt miteinander vernetzt, so wie es das jeweilige Stück bedarf. Nach einem eher traditionellen Neofolkstück nur mit Akustikgitarre („Auf deine Lider senk ich Schlummer“) folgt z.B. mit „Die Seherin“ ein von sphärischer Elektronik durchzogenes Lied, ganz nebenbei liefert hier die noch weitestgehend unbekannte Sandra Fink eine stimmliche Glanzleistung ab. Mit eigenwilliger aber sehr gelungener Phrasierung interpretiert sie eine Vorlage der Dichterin Oda Schaefer (1900 – 1988), welche beispielsweise durch „Die Windharfe“ zu Bekanntheit gelangte. Bei „Gesang der Quellnymphe“ greift man dem Titel entsprechend ebenfalls auf eine weibliche Stimme zurück. Dagegen stehen die etwas sakral wirkenden „männlichen“ Songs, derer man sich auf Dauer nicht entziehen kann, was nicht zuletzt an der Klarheit von Ausdruck und Form liegt. Wobei man instrumental auf durchaus Ungewöhnliches stößt: „Erster Frost“ z.B. überrascht mit leichten Dub-Anklängen, wohingegen die vielen Cold Wave-Elemente schon eher vertraut sind.

Dies alles führt dazu, dass ORPLID zu keiner Zeit altbacken oder engstirnig klingen, vielmehr könnte man durchaus ein breiteres Publikum ansprechen, welches natürlich bereit sein muss, sich intensiv mit dem Gebotenen auseinander zusetzen. In einem Interview zum Vorgänger wurde „Sterbender Satyr“ übrigens als Eigenproduktion angekündigt, worauf man mit dem Dichter Uwe Lammla zusammenarbeiten wollte. Was daraus geworden ist, muss an anderer Stelle geklärt werden. Ich schließe mit einem Zitat von Uwe Nolte selbst, dem ich nur bedingungslos zustimmen kann: „Genau so und nicht anders muß vertonte „Neue Deutsche Dichtung“ klingen und wirken: lyrisch, fragil und feinfühlig, aber kraftvoll in Ausdruck und Umsetzung.“

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