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OSTARA - Ultima Thule

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Artist OSTARA
Title Ultima Thule
Label EIS & LICHT
Leserbewertung
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7.4/10 (9 Bewertungen)

Bisweilen gibt es im Bereich der alternativen Musik seltsame Querverbindungen, die aufzeigen, dass die Welt doch ein Dorf ist. Wie komme ich im Zusammenhang mit einer OSTARA-Rezension auf diese philosophischen Erkenntnisse? Wer ist OSTARA überhaupt? Zumindest ich habe mich das gefragt und nach Begutachtung von Cover, Label und Albumtitel wurde ich doch reichlich in die Irre geführt, erwartete ich doch ein NeoFolk oder Ambient-Album. Zur Bandgeschichte: OSTARA hießen bis 1999 noch STRENGTH THROUGH JOY, ein Name, über den sich jeder selbst seine Meinung bilden kann. Unter der neuen, harmloseren Bezeichnung bringt man nun das insgesamt dritte Album heraus, das zweite auf Eislicht. „Ultima Thule“ bezeichnet im übrigen den nördlichst gelegenen bewohnbaren Ort der Erde aus der Sicht der alten Griechen. Heute wird vermutet, dass Trondheim damit gemeint sein könnte. Zurück zur Band, die aus zwei Personen besteht: Stu Mason und Richard Levy aka Leviathan aus Australien. Letztgenannter brachte im Jahre 1996 eine Scheibe in Zusammenarbeit mit DEATH IN JUNE heraus (KAPO!). Für ihre neueste Aufnahme holte man sich einen namhaften Mitstreiter ins Boot: Kari Hatakka, den ehemaliger Sänger von den verrückten WALTARI. Hier agiert er aber nicht vokal sondern in der Hälfte der Tracks als Keyboarder.

Alles das sagt aber noch gar nichts über die Musik aus und die fällt erstaunlich konventionell aus. Britischer Gitarrenpop bzw. Rock kommt einem in den Sinn, besonders durch die typische Phrasierung des Sängers. Das klingt bisweilen wie NEW MODEL ARMY mit leichtem Gothic Einschlag oder eine Kreuzung aus NAEVUS und OASIS. Hier und da gibt es interessante Akustik Parts oder eben elektronische Spielereien mit latentem 80er Feeling. Leider liegen mir die Texte nicht vor, aber Songtitel wie „Song of Sam“ oder „Diva de Sade“ deuten auf interessante Aussagen hin, einmal gibt es auch ein merkwürdiges deutsches Sample („Wenn ich den Begriff Kultur höre, ziehe ich meine Pistole“). Höhepunkte der Scheibe sind das sehr folkige Titelstück (etwas für den Abend am Lagerfeuer), das ohne Instrumental-Begleitung vorgetragene „Proud Black Templar“ sowie das bereits erwähnte „Diva de Sade“, von dem es sogar einen chilligen Trance Mix als Bonus gibt. Der Rest klingt unaufgeregt verspielt, ohne auf Anhieb zu begeistern.

Interessante Sache das, ohne dass ich die genaue Zielgruppe erfassen kann. Für Brit Rock zu ideologisch und verschnörkelt, für NeoFolk Anhänger zu sehr Mainstream und für Goths zu sehr Gitarre. Aber für alle anderen, die gerne über den Tellerrand schauen, eine ungewöhnliche Erfahrung, ohne dass ich JEDEM Hörgenuss garantieren will. Reist nach Thule, wenn ihr wollt, aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt…

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