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OTTO VON SCHIRACH - Supermeng

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Artist OTTO VON SCHIRACH
Title Supermeng
Homepage OTTO VON SCHIRACH
Label MONKEYTOWN
Leserbewertung
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3.6/10 (7 Bewertungen)

„Mama, Mama, guck mal! Ich hab auf der Straße eine ganze Kiste mit Loops und Samples und Soundeffekten gefunden“, rief der kleine Otto, als er aufgeregt zu seiner Mutter ins Wohnzimmer gelaufen kam – „Ja, ja, schön, dann hast du ja was zum Spielen“, entgegnete seine Mutter, ohne den Blick von der neuen Cosmo abzuwenden.

Es ist nicht überliefert, ob sich die Entstehung dieser CD tatsächlich so abgespielt hat, aber wenn man „Supermeng“ hört, dann könnte man das meinen. Ich muss gestehen (nein, nicht zu meiner Schande, sondern zu meiner Ehre, denn es ist keine Schande, diesen Musiker nicht zu kennen), dass mir bis vor ein paar Tagen der Name Otto von Schirach kein Begriff war. Nun liegt die CD „Supermeng“ im Player, und angesichts meiner Ratlosigkeit ob des Gehörten suche ich im Internet nach dem Interpreten, den ich allein nach diesem einen Album beurteilt für einen Newcomer halten würde, der beim Debüt zeigen will, was er alles auf Lager hat und darum jeden Loop, jedes Sample und jeden nur denkbaren Effekt in jeden seiner elektronischen Songs packt (inklusive verfremdeter Stimmen und abgehackter Wortfetzen als Samples) – mit dem Ergebnis eines akustischen Overkills, der bewirkt, dass man beim zweiten Track vergessen hat, wie sich doch gleich noch mal der erste angehört hat. Dieser Effekt wiederholt sich bei praktisch jedem Stück (also eigentlich genauso, wie sich jeder Effekt in jedem Track wiederholt), so dass sich mindestens Langeweile, schlimmstenfalls der Hirntod einstellt.

Der Blick ins Internet ergab nun, dass Herr VON SCHIRACH (angeblich in Florida geboren, aber ehrlich gesagt ist das alles so vage, dass man sämtliche Angaben zur Person mit Vorsicht genießen sollte) eigentlich sogar ein ganz fleißiger Zeitgenosse ist, da je nach Quelle zwischen acht und zehn Alben zusammenkommen, außerdem weitere Alben als Mitglied diverser Bands. Da ich mir nicht erst acht Alben anhören wollte, um ein ausgewogenes Urteil über den … ähm … Künstler zu verschaffen (das „ähm“ bezieht sich auf seine wenig geistreichen Pseudonyme und die noch weniger geistreichen Titel so mancher Tracks), habe ich nach dem Zufallsprinzip vier Hörproben angeklickt… und anschließend jedes Mal geglaubt, dass da das Album „Supermeng“ läuft, so identisch und austauschbar klingt das Ganze. Zwar behauptet Wikipedia, OTTO VON SCHIRACHs Musikstil sei „Intelligent Dance Music“, aber es haben sich schon größere Geister geirrt. Was auf „Supermeng“ zu hören ist, sollte man wohl besser als Musik für Hyperaktive bezeichnen. Dabei wirkt das im ersten Moment gar nicht mal sooo schlecht, wenn Track 1 beginnt, aber Wiederholungen sind schon im Fernsehen meistens ein Übel, und davon bekommt man auf dem Album mehr als genug. Wer OTTO VON SCHIRACH liebt, der wird mit „Supermeng“ auf seine Kosten kommen, davon bin ich fest überzeugt, aber wer ihn bislang nicht mochte (oder ihn nicht kannte und nun nach dieser Begegnung nicht leiden kann), wird auch jetzt nicht seine Meinung ändern.

Ach ja, und nebenbei verkauft Herr VON SCHIRACH auch noch für gut 200 Dollar das Programm „OTTO“, ein Tool für Musiker mit einer 4 GB großen Bibliothek aus Klängen, mit denen sich eigene Werke kreieren lassen. Die Anschaffung wird sich allerdings wohl kaum lohnen, denn auf den zwölf … ähm … Songs auf „Supermeng“ dürfte sich vermutlich alles wiederfinden, was das Programm auch zu bieten hat, so dass man auch gleich von der CD samplen könnte.

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