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OUGENWEIDE - Herzsprung

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Artist OUGENWEIDE
Title Herzsprung
Homepage OUGENWEIDE
Label GROSSE FREIHEIT/ BUREAU B
Leserbewertung
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7.8/10 (15 Bewertungen)

Die Mutter aller Mittelalterbands, wie OUGENWEIDE genannt wird, weil sie sich bereits vor 40 Jahren gegründet haben, bringt nun endlich nach zehnjähriger Pause ein neues Studioalbum heraus. Doch gerade in diesen letzten zehn Jahren sind die Mittelalterbands genauso aus dem Boden geschossen wie die dazugehörigen Märkte. Dem muss eine Gruppe wie OUGENWEIDE mit frischem Können begegnen. Erneut sind sie mit dem Album „Herzsprung“ angetreten, ihren Fans und den vielen neuen und jungen Liebhabern dieses Genres zu zeigen, wie die mittelalterlichen Texte und altertümlichen Klänge mit dem Folk und Rock von heute verschmelzen können. Dabei gelangt eine kaum zählbare Anzahl ungewöhnlichster Instrumente zum Einsatz. Neben der bekannten Fidel und Nyckelharpa sind Tritonhörner, Clavioline, Waldoline und andere eigentlich nur noch in Museen auffindbare Instrumente zu hören. Die Besetzung der Band während der Studioarbeiten bestand zu einem Teil aus der Urbesetzung (Frank und Stefan Wulff, sowie Olaf Casalich) sowie den neu hinzugekommenen Musikern Hinrich Dageför, Martin Engelbach, Krzysztof Gediga und der Sängerin Sabine Maria Reiß.

Den Auftakt bildet ein dröhnender Ruf der Hörner („Tritons Ruf“), um anschließend mit einer sanften, melancholischen Melodie, deren Rhythmus zum Ende hin immer stärker zum Tanzen animiert, den Titelsong zu präsentieren. Mit einer stampfenden Melodie und einem dominanten männlichen Gesang, in den man am liebsten trotz der exotischen Sprache einstimmen möchte, geht es mit „Phol Ende Uuodan“ weiter, wobei die E-Gitarren zunehmend an Kraft gewinnen. Bei den nächsten drei Titeln („Ein Leis Und Traurig Lied“, „Dy Minne“, „Einem Lieben“), die von der Sängerin vorgetragen werden, handelt es sich um sanfte Weisen, bis auf den ersten Titel, der lediglich so beginnt, um sich anschließend in eine Tanzmusik allererste Güte zu wandeln. „Uisk Flo Aftar Themo Uuartare“ ist ein überwiegend instrumentales und eintönig klingendes Volkslied, bei dem der männliche Gesang und weiteres Instrumentarium mit tanzbaren Takten erst sehr spät einsetzt. Mit Klanghölzern und Zilliphon leitet „Dansa Jojoza“ einen Tanzreigen ein, in dem zunächst immer mehr Instrumente einstimmen und sich zum Ende hin wieder aus dem Lied sanft zurückzuziehen. Aber auch „Lilien & Rosen“ lädt als ein rockballadiges Lied, welches von einer Melodiegitarre begleitet wird, zur rhythmischen Bewegung ein. Mit langen instrumentalen Sequenzen, die an ein Akkordeon erinnern, und der Sprache verbreitet „Ella Mia“ eine südländische Stimmung, hingegen der Instrumentaltitel „Der Welsche Tanz“ infolge seines lautenähnlichen Stils an einige Stücke von BLACKMORE’S NIGHT erinnert, wobei der Hörer aber vergeblich auf das virtuose Zupfen eines RITCHIE BLACKMORE wartet. Sanft wie LOREENA MCKENNITT, leise im Ausklang wirkt „Ich Sachs Ein Mals“ geradezu orientalisch, bevor auf der Flöte „Echo“ wie ein Wiegenlied beruhigt. „Partite Amore“ könnte vom Sound her auf dem Balkan angesiedelt sein, wirkt im Gesang aber eher mediterran und bietet auf diese Weise eine orientalische Mischung, bevor der „Epilog“ das Album mit einem Großeinsatz vieler unterschiedlicher Instrumente ausklingen lässt.

Was beim Hören innerhalb der ersten Sekunden sofort auffällt, ist die ungeheuer saubere und perfekte Abmischung und Studioarbeit. Jeder Text ist, abhängig natürlich vom sprachlichen Können des Hörers, exzellent zu verstehen. Der Gesang wird nicht von lauter Musik überlagert. Im Gegenteil, in der Aussprache sind sogar einzelne Konsonanten (wie ein „t“ am Wortende) zu hören. Hier zeigt sich die Professionalität der Bandväter, haben sie schließlich schon Projekte mit LOU REED und ACHIM REICHEL gestemmt. Trotz der kräftigen Töne, die so manches Stück anschlägt, ist das Thema des Albums nicht gerade der Rock, dagegen aber unheimlich tanzbarer mittelalterlicher Folk. Ein kleiner Wermutstropfen, der jedoch in keiner Weise die Musik schmälert, ist die traurige Tatsache, dass OUGENWEIDE nie mehr in der Besetzung der Studioaufnahme auftreten werden. Einer der Bandgründer und Initiator der vorliegenden CD, Frank Wulf, verstarb plötzlich vier Wochen vor der Veröffentlichung von „Herzsprung“, weshalb die Gruppe für den Juni in Hamburg ein Abschiedskonzert angekündigt hat. Das sollte aber keinen Mittelalterfan davon abhalten, in die CD reinzuhören und sie in sein Regal zu stellen.

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