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OVERKILL - Ironbound

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Artist OVERKILL
Title Ironbound
Homepage OVERKILL
Label NUCLEAR BLAST
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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9.7/10 (7 Bewertungen)

Der Phönix-aus-der-Asche Preis des jungen 2010 geht mit weitem Abstand und recht überraschend an eine Institution aus New York: OVERKILL legen mit „Ironbound“ ein beeindruckendes und in dieser Form für mich auch nicht mehr zu erwartendes Brett vor, das sich tatsächlich in die Bandklassiker einreihen wird, an die sich doch eigentlich nur die älteren Metalfans noch erinnern können (am Rande muss aber erwähnt werden, dass dieser Januar noch ein weiteres triumphales Comeback erlebt: HEATHEN schaffen mit „The Evolution of Chaos“ ebenfalls einen gewaltigen Meilenstein).

Ehrlich darf ich gestehen, dass sich die Band für mich niemals vom Split mit ihrem wichtigsten Songwriter Bobby Gustafsson erholt hat. Das letzte gemeinsame Album „The Years of Decay“ ist und bleibt für mich das große Highlight in der Diskographie – und das war bereits 1989! Alle weiteren Scheiben waren für mich mehr oder minder für die Tonne (gut, „Horrorscope“ lasse ich noch durchgehen, aber da waren wahrscheinlich noch viele Gustafsson – Fragmente am Start, auch „I Hear Black“ darf man mit Recht unterschätzt finden). OVERKILL wurden in den 90ern, gerade weil sie immer weiter machten, zum traurigen Markstein der verblassenden Thrash Szene: einerseits immer an den Roots festhaltend, andererseits doch irgendwie die übermächtigen 90er Einflüsse der PANTERAs, MACHINE HEADs, FEAR FACTORYs mit einbauen wollend – aber nicht könnend. Kompositorisch wurde die Band eine Karikatur, die immer neue Platten aufnahm, um einen Grund zu haben, wieder auf Tour zu gehen und die alten Klassiker aufzuführen. Lange Rede mit kurzem Sinn: ein einziger Jammer!

Und jetzt kommt das: Studioalbum 16 (!) beginnt mit diesem Eingangsdoppel!: „The Green & Black“ und der Titelsong bieten fünfzehn Minuten Thrash Power pur, nichts klingt angestaubt und der Hörer guckt verwirrt noch mal genauer hin, ob er versehentlich einen der alten OVERKILL Donnerschläge aufgelegt hat. Euphorisierenderweise ist dem nicht so, dies ist wirklich der erlesene 2010er Jahrgang. Dass OVERKILL mit einem Achtminüter eröffnen, ist natürlich ein deutliches Zeichen: Wir haben verstanden. Endlich geht die Szene wieder in eine komplexere Richtung, gelenkt von den alten Flaggschiffen METALLICA und EXODUS, wobei auch die jüngeren MACHINE HEAD beileibe nicht vergessen sein sollen. Thrash Metal bietet wieder Heavy Speed Prog Walzen, wie die aktuellsten METALLICA Tunes mal genannt wurden. So auch hier der Opener, der lässig das ganze Programm bietet: abwechslungsreiches Riffing, massig Tempowechsel, auch zündende Hochgeschwindigkeitsparts und einen schönen, packenden Chorus zum Mitgrölen. Recht so und mit Sicherheit eine ganz sichere Bank für die Live Gigs. Der folgende Titelsong ist zwar etwas weniger komplex, lebt jedoch vom wohl geilsten OVERKILL Riff seit Äonen. Spätestens jetzt ahnt man, dass sich die Herren Dave Linsk und Derek Tailer mächtig freischwimmen, das tolle Solo im Mittelteil rundet den glänzenden Eindruck ab. Wunderbarer Song und vielleicht der Anspieltipp!

Nach einem solchen Doppelschlag hat es ein nachfolgender Song logischerweise recht schwer und so bleibt zu konstatieren, dass die Spannung mit „Bring Me the Night“ etwas abfällt. Es ist dies ein netter Punk Song, wie er bei den New Yorkern immer wieder auf der Karte steht, jedoch nichts, was nun länger im Gedächtnis bleibt. Glücklicherweise ändert sich dies mit „The Goal is Your Soul“ umgehend wieder. Erstmalig bekommen wir nun auch die düstere und doomige Seite der Band zu hören, die zumindest ich stets geliebt habe. Ein Song, der auch auf „The Years of Decay“ hätte stehen können, was als absoluter Ritterschlag zu verstehen ist. Wie man als Thrashband einen Punksong spielen muss, zeigen uns die älteren Herren mit „Give a Little“. Richtig Knackig, mit regierender Axt und einer gehörigen Menge Pfeffer an der dunkelsten Stelle. Recht so. Damit endet eine verblüffende erste Hälfte. So sehr man es den Urgesteinen gewünscht haben mag, erwarten konnte es doch keiner so wirklich.

Und damit rein in die zweite Hälfte, die – das darf ich verraten – nicht ganz viel nachgibt. Zunächst gibt es mit „Endless War“ einen famosen Thrash Heuler zu bejubeln. Hier gehen die Jungs deutlich hörbar zurück in ihre „Taking Over“ Phase und verpassen dieser einen gemäßigt modernen Anstrich. Sehr gut, wird man sicherlich auf der anstehenden Tour mit den SUICIDAL ANGELS öfter zu hören bekommen. Aber auch sonst bietet diese zweite Hälfte noch Ohrenschmeichelndes: so den nächsten Song „The Head and Heart“, der wieder etwas düsterer gehalten ist und sich zu einem schönen Stampfer entwickelt. Allerdings bietet sich auch Anlass zu ein wenig Kritik: mit „Killing for a Living“ findet sich hier ein echter Füller, ohne den es eigentlich auch ganz gut gegangen wäre. Zwar beginnt der Song mit einer ruhigen und spannenden Einleitung, danach will der Zündfunke aber irgendwie nicht so recht in die Kerzen. Na ja, kann man verschmerzen, zumal es zum guten Ende mit „The SRC“ noch mal richtig auf den Zinken gibt. Wohl nicht ganz zufällig weckt der Song einige Erinnerungen an die Bandgroßtaten „E.N.D. (Evil Never Dies)“ und „W.F.O.“. Auch wenn ich mir für das Ende mehr Pathos im Stile der früheren „Overkill“ Saga gewünscht hätte, passt dieser Song gut zu OVERKILL im Jahre des Herrn 2010: unprätentiös, mit viel Energie und Spielfreude.

Kurzes Fazit: OVERKILL Freunde früherer Tage müssen dieses Album kennen!

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